Ein kleiner Einblick

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FREUNDE:

Freundin Ute, Kunstmalerin: Wenn Renate z.B. Sperrmüll sammelt, fühlt sie sofort ob sie etwas daraus machen kann oder nicht. Was es einmal werden könnte interessiert sie - noch - nicht. Sie verlässt sich total darauf das sie sofort die passende Idee bekommt so bald sie sich vornimmt etwas daraus zu machen. 

 

Klaus, seit 28 Jahren ihr Traumprinz: "Was soll ich sagen... Renate ist Renate. Eine ausgeprägte Person. So bald sie eine Idee hat wird sie hektisch, macht im wahnsinns Tempo irgend was Tolles, fotografiert es eilig - und macht was Neues. Sie ist spartanisch, untertreibt, meidet unnütze Ausgaben. Ihre erste Waschmaschine stammt vom Januar 1989. Renate lebt improvisiert, setzt sich durch, nervt mit ihren plötzlichen Einfällen nach denen gleich darauf die ganze Wohnung aussieht wie bei Messis. Das sie auch eine ordentliche Seite hat, tröstet. Streiten ist für sie verlorene Lebenszeit, sie diskutiert und analysiert lieber stundenlang. Schrecklich!! Ja - und sonst... sie ist emotional, sachlich und sonst geradeaus. Sie mischt sich ein. Vor zwei Jahren ging sie beim Volksmarsch in Strahlsund zehn Kilometer in nur 1,5 Stunden (incl. 5 Trinkpausen,) als neunte durchs Ziel, - und 2014 war sie als erste am Ziel - mit fast 75... Ach so ja - mit ihrer riesigen Schneiderschere schneidet sie mir und den Nachbarn die Haare... Für Altersbeschwerden hat sie keine Zeit, sie muss zuerst ihre neusten Ideen umsetzen.

Nach so vielen Jahren sieht sie mich immernoch so wie ich mich gerne sehen möchte...

Sie bringt mir Glück."  

 

Elke Schetzing, eine alte Nachbarin von früher:

Renates soziales und ökologisches Engagement war früh ausgeprägt. Schon als dreijährige setzt sie sich mehrmals für eingesperrte Tiere ein. Schleicht auf Bauernhöfen herum, öffnet Stalltürriegel und jagt Schweine, Kaninchen und Geflügel hinaus in die Freiheit.  

Um ihnen die mühsame Suche nach Blüten zu ersparen, fing sie Hummeln, rannte mit ihnen in der Faust zur nächsten Blüte, setzte sie vorsichtig ab und flitzte los um die nächste zu fangen. Jahre später fand sie ein verlassenes Mausenest und fütterte die sieben Mäuslein alle zwei Stunden mit einer Pipette. Die vier Überlebenden setzte sie wieder aus.

Durch ihre Einsätze zur Tierrettung ist sie für die Bauern eine "Hexe". Renate kümmert es nicht. Ihr Mut und ihre Lebensfreude waren damals schon sehr ausgeprägt. Wohlstand und  Anerkennung durch die Gesellschaft sind ihr nicht so wichtig wie liebevolle Kontakte zu Mensch, Tier und Natur. 

Als sie so drei Jahre alt war, kamen zwei durchgegangene Ochsen die Dorfstraße heruntergebrettert. Überall rannten und schrien Leute. Statt sich zu verstecken, stellte Renate sich mitten auf die Straße, breitete ihre Arme aus und kreischte den Ochsen entgegen. Schwitzend und schnaufend blieben die Tiere stehen. Vermutlich wusste Renate das die Tiere sie kannten - aber trotzdem... Ich kann mir vorstellen, das die Erwachsenen absolut mit ihr überfordert waren.  

 

Biografie   

Vorwort. 

Niemand kann bestimmen ob, wann und wo er geboren wird. Als Mensch, bei welchen Eltern, gesund, behindert. Im Mittelalter, in der Zukunft.

Ob es schöner ist als Mensch, Tier, oder Pflanze zu existieren, kann niemand von uns beurteilen. Leben tun alle. Und ihre Bedürfnisse sind - rasseabhängig - die selben. 


Die Gesellschaft lehrt uns Gehen - durchs Leben laufen müssen wir alleine.

Weil wir nur eine einzige kleine Chance auf Leben hatten, müssen wir es nicht so verbringen wie es andere tun, sondern ruhig riskieren unsere Träume zu realisieren.

Freie Menschen sind meistens imateriell und sozial. Mit diesem Rüstzeug können sie jederzeit an jedem Ort von vorne anfangen.

Denn das wichtigste im Leben ist die grundsätzliche Liebe!

Wenn wir uns für etwas entscheiden was wir genau in diesem Moment für richtig halten  - kann es sein das wir später erkennen das es falsch war. Wozu dann ärgern, wir sind doch viel zu klein um uns vorher alle Konsequenzen ausmalen zu können.


Einige meiner wesentlichen Fehlentscheidungen haben mein Dasein so richtig spannend gemacht. Lange Weile hatte ich bis heute nicht, denn jetzt lerne ich nach und nach die konforme Seite des Lebens kennen. 



 

Nun folgt ein klitzekleiner Einblick in meine Lebens- und Liebesgeschichte mit all ihren vielen, vielen Neuanfängen. Ich wünsche euch viel Vergnügen (-:  


Als ich vor fast 77 Jahren zur Welt kam herrschte Krieg. Mein Supervater - für mich war er das!! - war Stellmacherlehrling - selbstständig - Flugzeugmechaniker - Pilot - Geschwaderführer - Hauptmann. Dann folgte der Soldatentod mit nur 26 Jahren. Ich habe ihn nie kennengelernt. Ich bin sehr traurig das ich das nicht ändern kann. Esoterisch ist er bis heute dicht bei mir.

 

Mutter wurde mit mir aus Pommern vertrieben. Fliegeralarm, heulende Bomben, Explosionen, Luftschutzkeller, überall herumliegende Leichen und verstümmelte Menschen die sich irgendwie auf den Straßen mit selbstgebauten Fahrgestellen fortbewegten, gehörten fünf Jahre lang genau so zu meinem ganz normalen Kinderalltag wie blühende Wiesen und Dorftümpel in denen ich tief beeindruckt beobachtete wie Kaulquappen zu Fröschen wurden. 

 

Mutter kenne ich nur mit psychischen Prioritäten, wer weiß was sie auf der Flucht erlebt hatte. Sie erzählte mir häufig das sie mich auf ihrer Flucht (aus Kolberg/Pommern) gefunden und aufgenommen hätte. Es interessiert(e) mich nicht. Sie erzählte mir oft wie sehr sie enttäuscht darüber war das ich kein Junge war. Sie nannte mich eine zeitlang "Hans". (Als ich mit sieben Jahren einen Bruder bekam, strich sie mich gewissermaßen aus ihrem Leben.)


Weil ich wegen schwerer Hüftdysplasie viele Jahre stark humpelte, konnte ich mich nur langsam fortbewegen. Zum Glück war ich mir überwiegend selbst überlassen und stand niemandem im Wege. Am Liebsten spielte ich mit Rindern, Ziegen, Schafen und Pferden auf nahen Höfen und Wiesen. Wenn ich müde war, kuschelte ich mich in ihre weichen Euter. Im Laufe der Jahre prägten sie mich mehr als es Menschen es je taten. Sie waren meine geliebte Familie. Durch ihr Vorbild lehrten sie mich das volle Programm des sozialen Verhaltens. Noch heute fühle ich mich mit Tieren innig verbunden. Ich habe Kontakt zu ihren Gefühlen und lese in ihren Augen.  

 

Am liebsten stöberte ich in Müllhaufen und den Trümmern zerbombter Häuser herum und fand dort Dinge die Menschen gehört hatten. Es berührte mich schon damals tief das all die guten Sachen nun so zerfetzt herumlagen und ich begann damals schon daraus zu gestalten. Mein Respekt vor gebrauchten Dingen ist bis heute geblieben.  

Wie es alle kleinen Kinder gerne tun, probierte ich alle Pflanzen. Die bitteren spuckte ich aus, die anderen aß ich - sie trugen dazu bei das ich die vielen Hungerjahre überlebte. Im Winter stahl ich den Soldaten Decken und erfror so nicht in den eiskalten Wintern.  

 

Bei Kriegsende war ich fünf. Mutter hatte einen durch deutsche Granaten verwundeten Bürgermeistersohn aus dem von Deutschen besetzten Dänemark geheiratet und lebte mit ihm in Deutschland. Er war ein anständiger, intelligenter Mann dessen Psyche und rechtes Bein der Krieg ramponiert hatte. Er sprach kaum deutsch. Als deutsche Offizierswitwe mit viel Standesdünkel weigerte sich Mutter auch nur ein einziges Wort seiner Sprache zu lernen.

Er bekam als "Feind" keine Arbeit - sie bekam eine hohe Pension... Sie fühlte sich überlegen. Als er schließlich Arbeit fand, hatten sie sich längst an ihre brutalen Psychokriege und Machtkämpfe gewöhnt in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung. 

 

Schlimmer ging`s nimmer in dieser Kombination vor dem Hintergrund einer Zeit in denen deutsche Flüchtlinge im eigenen Land von Einheimischen wie Eindringlinge  schikaniert wurden. Es war die Nachkriegszeit in der verhungern, erfrieren, Sühnemord und Diebstahl zum Alltag gehörte.  


Ihre Liebe zerrieb sich rasch. Doch statt aufeinander zuzugehen, oder sich zu trennen, bissen sie sich ineinander fest, radierten in sich und um sich herum jede Freude aus und huldigten den Göttern "Geld" und "Anschein". Mich kleines Mädchen machten sie zur Gleichberechtigten - und somit zum legitimen Sündenbock für all ihren Frust.   

 

Steh auf Mädchen!  Während der 14 Jahre Überlebenskampf die vor mir fünfjährigen lagen, gab es Stunden in denen ich Angst hatte bis zur Starre und Augenblicke in denen mir nur noch Gebete an meinen gefallenen Vater und Gott halfen, Minuten in denen ich kreischend und beißend um mich schlug wenn ich nach harten Tritten auf dem Boden lag und auf meine Ohnmacht, hoffte. Es gab niemanden der mich tröstete.


Wenn sie sich schlugen, lag ich unterm Bett. Stellte mich tot und hoffte das sie mich nicht fanden.


Ein Mann erzählte mir das mein Vater deswegen kein Grab hätte, weil er im Himmel wohnte.

Im Himmel? Da wohnte nur Gott und mein Schutzengel. Demnach war Gott und mein Vater logischerweise die selbe Person. ... und ich - ich war dann genau so logisch GOTTES TOCHTER.

WOW!

Im Rückblick denke ich das mich der feste Glaube an "diese Tatsache" stark machte und mir dieses Geheimnis dabei half meine Kindheit zu überleben. Auf alle Fälle hatte ich nun einen Gesprächspartner den ich jederzeiut vollquasseln durfte.

Normalerweise hätte der Dauerstress mich töten, verblöden, oder bis zu meinem Lebensende zu einem psychischen Wrack machen müssen. Stattdessen begann sich meine Anlage zur Widerstandfähigkeit gegenüber gesundheitliche, seelische und psychosoziale Entwicklungsrisiken (Resilienz) zu entwickeln.Bald würde mich sogar jede überwundene Notlage stärken.  

  

Ich war etwa sechs Jahre alt als ich die Reife hatte um mich zum ersten mal sachlich mit meiner Situation auseinandersetzen zu können. Mir wurde klar, das niemand auf der Welt, außer ich selber, etwas tun würde damit sich mein Leben, trotz aller Schwierigkeiten, zu meinem Gunsten entwickelte. Ich musste lernen die komplette Verantwortung für mich zu übernehmen, und verließ nach und nach meine passive Opferrolle.

Nun war ich in der Lage konkret über mich nachzudenken. Ich erinnerte mich an all die Leichen die ich von klein auf gesehen hatte und beschloss als erstes, so lange wie möglich am Leben zu bleiben. Gleichzeitig begann ich zunehmend meine angeborene Hilfsbreitschaft für schwache einzusetzen. Weil mir Tiere und kleine Kinder am Nächsten standen, kümmerte ich mich intensiv um sie - und wurde bald erfüllt von Liebe und schönen, sozialen Gefühlen.

 

Je länger ich mich kümmerte, umso mehr begriff ich mein kleines Leben. Und mit der Zeit wurde es mir so kostbar, dass mich  eine tiefe Dankbarkeit erfasste, die bis heute nicht gewichen ist. Und meine Erkenntnis überhaupt Leben zu dürfen ist auch jetzt noch der stärkste Antrieb meiner tiefen Lebensfreude. Sie macht mich unabhängig.

 

Nach meiner Einschulung ging ich ab und zu mal zur Schule. Weil ich den Unterricht gähnend langweilig fand - und auch wegen meiner Humpelei gehänselt wurde - hatte ich schon am ersten Schultag "die Nase voll". Viel lieber bemalte ich die Schulbank und tauchte die Zöpfe der vor mir sitzenden Mitschülerin in mein Tintenfaß. Die wenigen alten Lehrer, die nicht eingezogen waren, schlugen mich dafür vor der ganzen Klasse und gaben mir eine Nachricht für meine Eltern mit. Meine Mutter verdrosch mich noch mal, weil ich sie "immer überall blamierte", und wenn Vater von der Arbeit kam verpetzte sie mich und es knallte wieder... Wenn ich künftig die Schule mied, vermied ich Prügel!

 

Eine Weile hielt ich Schule und Prügel noch durch, dann änderte ich meine Strategie und ging einfach nicht mehr hin.

Meinen Eltern gegenüber tat ich so als ginge ich weiterhin zum Unterricht. Tatsächlich ging ich so lange in Richtung Schule wie meine Mutter mich beobachten konnte. Dann flitzte ich auf Umwegen zurück, düste zum nächsten Müllhaufen, werkelte dort bis die Schulklingel das Unterrichtsende verkündete und ging dann brav und pünktlich nach Hause. Diese täglichen Erfolgserlebnisse beflügelten mich mächtig. 

Das das Lektorat meinen Eltern mitteilen könnte, dass ich meiner Schulpflicht nachkommen müsse, hatte ich ausgeblendet. Tatsächlich interessierte es längst keinen mehr was ich tat, oder wann ich wo war, Mädchen hatten einen geringen Stellenwert, weil Hitler den Müttern jahrelang eingebläut hatte ja "fleißig Söhne, also Soldaten, für den Krieg zu gebären". (Diese unterschiedliche Wertschätzung der Geschlechter ist ja bis heute noch in vielen Köpfen.)  

 

Ich besuchte nie wieder eine Schule. Stattdessen werkelte ich mir auf Schuttbergen meine Seele heile und aß Hagebutten, Sauerampfer, Klee, Gras, Rüben, Wurzeln, Beeren, Obst, - und all das was jede Jahreszeit auf dem Lande zu bieten hatte. Gegen Hilfe gaben mir Nachbarn etwas. Dadurch hungerte ich nie. 


(Was meine geistige Entwicklung angeht, so wies meine genetische Disposition früh in eine Richtung: So bald ich etwas über Anatomie, Körperfunktionen, Medizin, Virologie, Psychologie, verhalten Mensch und Tier im Vergleich zueinander hörte, spitzte ich die Ohren. Durch übergreifendes selektives Lernen kamen im Laufe der Jahre verwandte Themen wie z.B. Molekularbiologie (Epigenetik!) ganz von alleine hinzu und schlossen Lücken.

Durch mein Interesse am eigenen Körper, seine Funktionen - und erkennen seiner wirklichen Bedürfnisse durchschaute ich eines Tages auch das Zusammenspiel  von Ursache und Wirkung deren Symptome einen oft in die Irre führen - obwohl sie im Zusammenhang zueinander stehen:   

Als 18jährige fand ich Mutter mit rotem Gesicht und bläulichen Lippen im Bett. Sie bekam schwer Luft und meinte eine fieberhafte Erkältung zu haben. Bevor ich jedoch das Thermometer holte, zählte ich die hochsommerliche Hitze mit der Tatsache zusammen das sie kaum etwas getrunken hatte, folgerte das womöglich ihr Blut zu dick sei, dazu ihre Atemnot - ihr Herz war in Not, ich rief den Notarzt. Sie hatte einen Herzinfarkt. Meine Diagnose war nur Zufall - ich wollte Ärztin werden! )

 

Obwohl mich siebenjährige stets die Angst wie eine Haut umschloß, entwickelte sich meine Zuversicht weiter. Bald konnte ich selbst im größten Schlamassel noch positives finden und Probleme zu meinem Vorteil lösen. Meine aussergewöhnliche kreative Begabung fiel allgemein auf. In jeder freien Minute gestaltete ich mit allem was mir unter die Finger kam.    


Mit neun lehrte mich eine Prostituierte aus der dritten Etage heimlich mit Hilfe der Bücher "Über die Entstehung der Arten" und "Lerne deinen Körper kennen", das auswendige Lesen und Schreiben und wissenswertes über meinen Körper.

Bald darauf konnte ich ganz gut schreiben und schrieb meinen Eltern einen Brief in dem ich ihnen vorschlug, dass wir ab sofort alles bisherige vergessen und ganz neu anfangen sollten. Eine Antwort erhielt ich nie. Macht nichts, - die Tatsache das sie nun wussten das ich schreiben konnte, wertete mein Selbstvertrauen als weiteren Sieg im Ringen um meine seelische Gesundheit. Bald setzte ich noch einen drauf: Weil Mutter nur eine winzige handvoll von der fremden Sprache meines Stiefvaters kannte - er wiederum ganz wenig Deutsch - lernte ich hoch motiviert während einer sechs Wochen dauernden Verschickung in seine Heimat Dänemark einiges seiner Sprache und weigerte mich nach meiner Rückkehr Tage lang Deutsch zu sprechen. Mutter fühlte sich von mir verraten und wurde wild, mein Stiefvater schützte mich geschmeichelt und ich begann übermütig meinen Übersetzungen etwas Nettes hinzuzufügen obwohl es der andere gar nicht gesagt hatte. Nach und nach steigerte ich die gegenseitigen "Lobe" und erreichte tatsächlich das die beiden ihre feindselige Haltung und Übergriffe gegenseitig und mir gegenüber reduzierten. "Er" schenkte mir sogar einen Apfel und zwei Ansichtskarten aus Italien - Mutter mahnte ihn das er mir nicht mehr auf meinen wachsenden Busen prügeln solle "weil das weh täte".  

   

Abschied: Ich versorgte den Haushalt und zog meine kleine Schwester groß. Kein Tanz, keine Freunde, keine erste Liebe. Ich war menschenscheu und zog mich sooft ich konnte zurück. Bastelte etwas, oder las medizinische Bücher aus der Bibliothek, hörte Rock and Roll und Klassik.  

Als ich neunzehn war, kamen die letzten Soldaten aus russischer Gefangenschaft zurück.  

Als ich neunzehn war, kam es in der Nacht zum Countdown bei dem ich von meinem Vater mit einem Kartoffelschälmesser verletzt wurde, weil er mir die Schuld dafür gab, dass meine zahnende kleine Schwester stundenlang schrie. Ich schaffte es mich blutend (u.a. tiefer Schnitt im Schenkel) bis vor die Wohnungstür unserer direkten Nachbarin zu schleppen. Die rief mir durch ihre geschlossene Tür zu ich solle mich gefälligst benehmen, dann hätte niemand "einen Grund"...

 

Als ich fast zwanzig war, hatte ich mich körperlich von dem Angriff erholt. Nun half mir kein Flehen, kein Heulen, meine Eltern entsorgten mich ohne Feier, ohne Schleier, in eine Zwangsehe mit Mister X-beliebig aus Hoyerswerda. Ich kannte ihn nicht.


 

Frauen mißtraute ich. Und meine Angst vor Männern saß tief. Ich war auf meinen brutalen  Stiefvater geprägt und dachte alle Männer seien so wie er.


Nun war ich plötzlich Ehefrau und musste irgendwie zusehen wie ich klar kam.

Weil es mir überhaupt nicht bewusst wurde das ich mein Elternhaus nur knapp überlebt hatte, litt ich fürchterlich unter Heimweh. Gehorchte willenlos all dem was mit mir geschah und versuchte herauszufinden wo oben oder unten ist. Welche Rolle sollte ich spielen, durch meine bisherigen Erfahrungen hatte ich nur ein verzerrtes Bild von allem.  


Ich rechnete meine Chancen aus:
Ich hatte gelernt Gras und andere essbare Pflanzen zu essen um nicht zu hungern, hatte Frost in drei Zehen, Kartoffelsäcke, Decken und Hasenfelle geklaut um nicht zu erfrieren. Ich war zäh und anspruchslos bis über die Schmerzgrenze hinaus, hatte hochkreativ unzählige Tricks des Überlebens gelernt und war eine ausgesprochene Frohnatur. Damit war ich voll fit für schlechte Zeiten und wäre eine gute Partie für einen von der Umwelt isolierten Höhlenmenschen gewesen.

 

Was meine bisherigen sozialen Kontakte anging so waren sie echt und innig: Mit Tieren kuscheln, Kinder gegen Ungerechtigkeiten verteidigen und die hilfsbereite Prostituierte trösten, nachdem sie von den eigenen Eltern in einer Winternacht vor die Haustür geworfen wurde obwohl sie heftige Wehen hatte. Die Nachbarn schlossen ihre Augen, Ohren und Herzen. Das Kind überlebte, seine Mutter - die mehr Wert war als die ganze Mischpoke der Gegend - heiratete bald darauf einen Freier der sie und ihr Kind auf Händen trug. 

 

Was hatte ich der Wohlstandgesellschaft zu bieten? Viele praktische Ideen und Hände sie umzusetzen. Doch kochen, wie man es tat, oder einen Haushalt so führen wie es sich gehörte, konnte ich nicht. Viiiel lieber erfand ich jeden Tag ein anderes ganz eigenes Mittagessen und putzte nur wenn ich den Schmutz auch sah. Ich improvisierte (bis heute) jeden Tag. 

    

Mein fremder Mann war ein gut erzogener Matrose der von der Bahn abgekommen war. Von Alkoholikern hatte ich keine Ahnung und so deutete ich sein wechselhaftes Verhalten als Ausdruck seines genetisch bedingten Wesens. Während wir ein halbes Jahr zur See fuhren, blieben wir uns trotz räumlicher Enge fremd und ich nahm mir vor, ihm vorerst nicht zu erlauben mich wirklich kennenzulernen. Das ihm mal die Hand ausrutschte und er mich auch sonst ab und zu heftig beschimpfte und beleidigte, fand ich schrecklich, aber - na, ja,  Männer waren nun mal so - und vielleicht hatte er ja auch recht. Ich zwang mich zu Verständnis, zog sein Verhalten sogar noch ins Lächerliche bevor er womöglich ein schlechtes Gewissen bekommen könnte. Er schlug mich wieder, es war ihm egal wohin er mich traf. Meine Zukunft stand still. Ich kündigte ihm in Gedanken und machte mich unsichbar. 

Als wir an Land wohnten, hockten wir nicht so aufeinander wie an Bord und gingen lockerer miteinander um. Weil ich keine gesellschaftlichen Richtlinien kannte, fügte ich mich. Es  machte mir viel Freude das ich unseren Haushalt mit ollen Möbeln einrichten und auch den kompletten Unterhalt alleine mit Fischpräparationen, kunstvollen Schalen aus Seegras und Verkauf von Staubsaugern bestreiten durfte. Ihm war alles egal. Er genoß sein Leben. Schleppte fremde Frauen in unsere Wohnung, trank mit ihnen - er konnte von mir aus alles tun wozu er Lust hatte. Je besser seine Laune, umso seltener misshandelte er mich.  

Bald hatten wir eine größere Wohnung, er bestand auf ein eigenes Auto - obwohl er keinen Führerschein hatte. Als eine seiner Besucherinnen immer öfter bei uns wohnte und mit ihm trank, reichte es mir. Während ich meine devote Rolle spielte, sparte ich für meinen Abgang. 

Der kam bald: Obwohl ich eine Woche vorher unser Kind unter höchster Lebensgefahr geboren hatte - weil mich trotz Komplikationen wegen eines schweren Sturmes kein Schipper ans Festland bringen wollte - schlug er mich wieder. Der altbekannte Horror stieg in mir hoch. Ich nahm voller Panik mein Baby und ergriff die Flucht. - Nur weg. Doch meine Eltern ließen ihre Tür verschlossen. Ich hatte niemanden der zu mir hielt, ging zitternd zurück zu meinem Mann und der Frau, kauerte mich in eine Ecke, drückte mein Baby an mich und weinte vor Heimweh nach meinen Weidetieren. Mein Leben war so erbärmlich. 

 

Nach ein paar Stunden wurde mir klar das ich nur deswegen heulte weil ich nicht von dem mir feindlich gesinnten, ungeliebten Ehemann zu meinen mir feindlich gesinnten, trotz allem so sehr geliebten "Eltern", flüchten durfte. Was für ein Irrsinn! - Mich packte voll die Wut - und ich beschloss nie wieder zu erlauben das man über mich bestimmt oder mich schlägt. Nie wieder!!

 

Nachdem ich keine Lust mehr hatte mich von allen mit denen ichs was zu tun hatte zur   Schlakkerpuppe machen zu lassen, brach ich innerlich mit pseudo-Eltern und pseudo-Ehemann und sah nur einen Weg: Ich musste versuchen ganz alleine klar kommen. Theoretisch konnte ich das - aber mit einem Neugeborenen? Wenn ich mich in den Schutz der Gesellschaft begeben würde, hätte ich ihre Unterstützung. So glaubte ich. Um vorher   ordentliche Verhältnisse zu schaffen, ließ ich mich scheiden.    

Das jedoch war genau der falsche Weg um mich in die Gemeinschaft zu integrieren. Die mir fremde dörfliche Gemeinschaft warf mir vor das ich meinem armen Baby den Vater genommen hatte. Man beschimpfte mich und lehnte mich ab.


(In den 50gern und 60gern war Ehe und Familie die Norm/Dogma. Alleinstehende Frauen wurden ausgegrenzt und zunehmend diskriminiert. Alleinstehende Mütter litten wegen mangehafter Versorgung dazu auch noch materielle Not.


Es waren Frauen, die - oft mißhandelt und traumatisiert - zusammen mit ihren Kindern, Alten und verwundeten, Trotz Hunger und Kälte, für den Wiederaufbau des Landes sorgten.  


Derweil befanden sich millionen Männer in Kriegsgefangenschaft.


Obwohl es Frauen sind die auch Männern Leben schenen, ist die Befreiung der Frau von der Dominanz des Mannes bis heute nur in wenigen nordeuropäischen Ländern vollzogen.


Stammesgeschichtlich ist es die Aufgabe der Männer ihre Familie, die Gruppe, zu schützen und ihr kleines Territorium zu verteidigen. Evolutionär ist es nicht sinnvoll Frauen zu unterdrücken.)


Ich war nun wieder ganz alleine.

Meinen Mann und mich zu unterhalten, war eine Sache, nun mich und mein hilfloses Baby, eine völlig andere. Weil ich mich schämte, und es kam auch mir gegenüber einer Kapitulation gleich - wollte ich erst mal andere Wege versuchen bevor ich staatliche Unterstützung annahm. Auch kannte ich mich überhaupt nicht aus mit Behörden. 


Tatsächlich war mir nicht klar wie sehr mein Baby und ich in der Bredoullie steckten.

  

Doch das Glück lauerte schon! Ich lernte kinderlose Tageseltern kennen! Und während sie sich liebevoll um mein Baby kümmerten, schälte ich für eine Großkantine zentnerweise Kartoffeln und bediente anschließend in einer gemütlichen Kneipe die Gäste. Doch weil ein Leben als berufstätige Frau noch längst nicht "normal" war in der Zeit, mobbten mich die Insulaner zunehmend. Ich hielt den Druck nur wenige Monate aus - und heiratete dann eben einen x-beliebigen Mann aus ihren Kreisen, den ich gerade mal zwei Wochen kannte.  

 

"Er" kam aus Chrimmitschau, war ein Blender mit Kontrollzwang der mir das Leben schwer machte. Er warf meine kostbaren Malfarben in den Mülleimer, verbot mir jede eigene Idee und bestimmte, nein befahl, über mich weil er sich vorgenommen hatte einen einigermaßen ordentlichen  Menschen aus mir zu machen.

Meine Babysitter bedrängten mich, sie wollten mein Kind für immer behalten. Ich dachte ich ersticke ohne mein Kind und mit dem Mann und reichte die Scheidung ein. Nach nur 14 Tagen Ehe trennten wir uns. 

 

Nicht mal 22 und schon zwei mal geschieden, war in den frühen Sechzigern mit seinen strengen moralischen Konventionen das gesellschaftlich endgültige AUS -  mit Kind erst recht.

Na und? - dann heirate ich eben erst NOCH MAL - Ihr Blödmänner! Ihr werdet schon sehen was ihr davon habt! Ich nahm mir vor den ersten Junggesellen der an meiner Tür klingelt zu zu bezirzen - und zu heiraten.  

 

Er war ein ehemaliger Prokurist aus Cottbus. Ein total lieber Alleskönner - wenn er nüchtern war. Wir verließen die Insel, ich bekam ein Kind, er blieb zu Hause und betreute die Kinder während ich für uns alle arbeitete. Ich verkaufte Staubsauger und Kühlschränke und ging von Tür zu Tür.

Er kam wegen Fahrens unter Alkohol und ohne Führerschein ins Gefängnis - ich merkte das ich wieder schwanger war, ließ mich scheiden und bilanzierte:  

Ich war 24, hatte zwei Kinder, war im dritten Monat, war innerhalb von vier Jahren drei mal geschieden, hatte einen Führerschein, ein bezahltes Auto, eine Wohnung - die mir gekündigt wurde - und 14 000 Mark Ersparnisse - die ich nicht mit ihm teilte, sondern ihm vollständig überließ nachdem er mich bedrohte. (Unterhalt für mich/meine Kinder, bekam ich übrigens nie von einem meiner Ex-Männer. Ich glaube rückblickend, dass ich das auch nicht wollte, weil ich MEINE KINDER!!! als "nur zu mir gehörend" ansah.)


Als "geschiedene Frau mit zwei Kindern und AUCH NOCH schwanger!" - drückte man mich auf den allerniedrigsten Zweig der Verachtung. Doch dieses mal hatte ich nichts anderes erwartet. Nun kümmerte mich weder was man über uns redete noch dachte. Ich hatte von Frauen die mich vorverurteilten und Ex-Männern die mich respektlos behandelten die Nase voll und war fest entschlossen so lange ganz alleine für uns zu sorgen, bis ich irgendwann meinem Traumprinzen begegnete. Dann würde ich ihn zuerst kennenlernen und dann heiraten - würde mich mit Geduld, Fantasie und Neugier an ihn heranpirschen... o, mann... irgendwo gab es ihn, dessen war ich mir sicher.  

 

Nun wollte ich mich endlich nur noch um meine Kinder kümmern. Sie schützen, ernähren und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten. Ich wusste genau, dass ich alles ganz alleine schaffen würde, denn immerhin war ich die Tochter eines weltbekannten Mannes .


Weil mein angeborenes ausgeprägtes Bedürfniss meine drängelnden Idee umzusetzen mich stets beherrschten, verband ich alles miteinander: Ich setzte meine Ideen um, verdiente Geld damit und war trotzdem immer bei meinen Kindern. Dadurch hatte ich natürlich einfach keine Zeit für Freundinnen, oder persönliche Freizeitgestaltung. Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht.

Das sich meine Biografie grundsätzlich und zunehmend außerhalb der Norm befand, war mir nie bewusst. Meine Kinder erzog ich "stark fürs Leben" - nicht als Kuschelersatz. Ich liebte sie so sehr... 


Ich schaffe es alleine!

Meine Voraussetzungen waren toll: Ich hatte mir bewiesen das ich Geld verdienen konnte. Es hatte ja immerhin für mich und meine Ex-Männer gereicht. Ich hatte ein realistisches Bild von meinem Können, war putzmunter und gesund und platzte schier vor Energie. Kein Wunder, ich hatte ja auch den schönsten Ansporn den es gibt: Mein Körper hatte mir quasi meine eigene Familie geboren - und bald würden bald wir zu viert sein! Oh, lieber Gott, danke für mein Leben!  

Ich fühlte mich sooo reich: Ich hatte Kinder die mich brauchten, für die ich sorgen durfte und vorbehaltlos lieben ... Oh ja, ich liebte sie und mich und auch mein Leben egal wie es gerade mal war, es war doch nur eine Momentaufnahme. Endlich war ich wirklich frei, endlich fühlte ich keine bedrückende Last im Herzen, und je länger ich mir mein großes Glück vorstellte, umso mehr freute ich mich auf meine neue Zukunft und begann vor lauter besessener Liebe zu allen Kindern, zu allen Tieren, zu allen Menschen, Pflanzen, zu allem allem allem auf der Welt, nur so zu strotzen  

                                 GELIEBTES LEBEN!!!                                         

Was bedeutete es noch was wer mir einmal vor "tausend Jahren" getan hatte...? Schließlich war ich es die anders tickte und nicht sie. Ich wollte endlich so sein wie ich war - wie immer ich war... Ich hackte am Schwanz meiner Vergangenheit und genoss meine Kinder die mich zu Toleranz erzogen und Freundlichkeit und Opferbereitschaft. Ich finde das eine glückliches Kind für alle Mühen entschädigt.

 

Auf dieser Grundlage würden meine kreativen Ideen nur erfolgreich werden. 

Womit ich unseren Unterhalt verdiente, war mir egal, absolute Bedingung war das ich praktisch non stop zuhause bei meinen Kindern sein konnte. Wir schliefen alle in einem Bett bis wir nicht mehr alle reinpassten, da waren sie zwischen sieben und neun Jahre alt.  

 

Ich betreute kostenlos per Nottelefon Homosexuelle bei Problemen, - und die hatten die armen Menschen als total geächtete - damals mehr als genug. Auch vermittelte ich Waren aus zig Katalogen und gleich Kleinkredite einer Bank dazu, für gute Provisionen. Ich verdiente sehr gut - und verschenkte sehr gerne - . Während ich unsere Möbel baute, wir alle miteinander Spielzeug bastelten und Teddys nähten, freuten wir uns alle ganz doll auf unser Baby. Im Laufe der Zeit tat ich alles um zuhause Geld zu verdienen. Ich stopfte Löcher in Kohlesäcken, reparierte Laufmaschen in Nylonstrümpfen, nähte Damen-u. Herrenkleidung für Körperbehinderte, züchtete kleine Leoparden für Zoos, sammelte Hunde und Katzen die in Tierheimen getötet werden sollten und verkaufte sie in liebe Hände, und Ziegenkäse von eigenen Tieren, strickte Puppen, baute Möbel, nähte Teddys ...  

Obwohl es verboten war, sammelte ich heimlich die Altkleiderbeutel ein die meine Nachbarn vor ihre Haustüren stellten und nähte  da raus was alles mein Haushalt und meine Familie so brauchte.  

 

Weil ich kaum Sicherheitsdenken entwickelt hatte und nur im Jetzt lebte, waren meine Gedanken subjektiv frei. Und so unvoreingenommen probierte ich jede meiner vielen  Geschäftsideen aus und blieb bei den lukrativsten.


Im laufe der Jahre passte ich meine Einkommensquellen den sich verändernden Bedürfnissen meiner Kinder an: Mietete eine Wohnung die sich im desolaten Zustand befand. Richtete sie komplett mit gebrauchten und verschönerten Dingen ein und verkaufte sie sie so wie sie war, (mit Erlaubnis des Besitzers.) - Mietete eine ähnliche Wohnung, lebte vom Geld der vorigen und verkaufte auch die neue Wohnung nach etwa zwei Jahren mit gutem Gewinn. Auch verkaufte ich alten Granatschmuck und schmuggelte Antiquitäten über Landesgrenzen. Bemalte Fensterläden mit Bauernmalerei im Harz u.v.m. 

 

Mit 29 Jahren baute ich uns eine Gartenlaube aus ollen Holzpaletten und nahm zum ersten mal nach der Zwangshochzeit Kontakt zu meinen Eltern auf. Als ich ihre Hilflosigkeit erkannte, taten sie mir so leid. Ich zog in ihre Nähe, wurde ihre Beraterin und Schlichterin, bezahlte ihre hohen Schulden, holte meine kleine Schwester zu mir - und zog nach zwei Jahren weiter.   

 

Meine erste Freundin: Von allen Nachbarn hielt nur eine zu mir: Eine üppige Zigeunerin mit struppigem Haar um die dreißig vierzig, oder so..., mit nur einem Zahn im lachenden Mund die nie genau wusste wie viele Kinder sie gerade hatte. Sie war absolute Klasse. Wir beide standen einander so bei wie es sich für Menschen gehört. Ich lernte von ihr wie sich ihr Sohn schminkt und sein Geschlecht tarnt bevor er als spärlichst bekleidete Tänzerin in Bars auftrat, und das man stellenweise die Bretter aus dem Küchenfußboden reißen und verheizen kann, wenn das Geld nicht reicht. Unsere Kinder und Tiere waren unser Reichtum.   

Eines Tages hatten wir Grund jemanden zu verprügeln. Doch bei tiefster Dunkelheit stürzten wir uns aus versehen auf einen Einbrecher an den wir uns bei Helligkeit wegen seiner Größe niemals herangetraut hätten. Die Prügel die wir für den Pädophilen geplant hatten weil er versucht hatte sich an zwei unserer Töchter zu vergreifen, mussten wir auf den nächsten Tag verschieben. Doch am nächsten Morgen fanden wir ihn nicht. Später erfuhren wir das er sich in der Nacht erhängt hatte.  

 

Inzwischen hatte ich meinen Schwanz der Vergangenheit abgehackt und mich so weit entwickelt das ich überhaupt keine seelischen Altlasten mehr mit mir herumschleppte. Nur meine Angst vor Männern war noch da. Aber ich konnte jederzeit emotional unberührt über meine Vergangenheit reden als sei sie eine Einkaufsliste.

Ich lebte im Jetzt - was sollte ich mir Sorgen machen was mal irgendwann irgendwo war oder sein würde.

Wenns mir mal wirklich schlecht ging, wählte ich den kürzesten Weg den es gibt: Den zu Gott, meinem Vater, und zur Dankbarkeit für so unglaublich viel.

Je älter ich werde umso bewusster und glücklicher lebe ich übrigens. Materialistische Menschen, Wirtschaftspsychopaten und Leute die dauernd grundlos herumjammern meide ich konsequent. Sie haben nicht erkannt das Leben zu dürfen das Kostbarste ist was es gibt.   


Vielseitige Talente. Meine Kinder wurden älter. Es wurde immer schwieriger für mich gleichzeitig Geld zu verdienen und von früh bis spät für sie da zu sein. Darum lieh ich mir Mitte der Siebziger von anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Berlin, 90.000 DM. Ohne Zinsen und ohne Sicherheit! Und eine jüd. Druckerei druckte mir ein Jahr lang kostenlos alle im Hotel benötigten Drucksachen.  

Super! Ich büffelte Hotel- u. Personalführung, Lebensmittelvorschriften, lernte ein bisschen englisch, und so viel mehr. Pachtete ein mittelgroßes Hotel im Schwarzwald, bemalte Sperrmüll-Möbel mit Bauernmalerei, stellte sie in Gästezimmer und managte das Haus mit Hilfe meiner Kinder und vielen Angestellten sechs sehr erfolgreiche und wunderschöne  Jahre lang.  


Weil ich Menschen aller Fazetten liebe und täglich witzige Momente mit ihnen erlebte, erinnere ich mich besonders gern an diesen unglaublich amüsanten und arbeitsreichen Lebensabschnitt. Je höher die Anforderungen umso mehr machte es mir Spaß, so ist es heute noch. Rund 80 Gäste täglich. Oft auch weit über hundert. Menschen aller Nationen, Altersgruppen, Berufe Tag und Nacht erleben zu dürfen ist ein toller Gewinn. Große und kleine, mürrische, freundliche, eingebildete, natürliche. Müde, leise, mürrisch am Frühstückstisch, laut und fröhlich beim Abendbrot. Und all die vielen, vielen menschlichen Probleme die sie mir anvertrauten und wir dann manchmal auch gemeinsam lösen konnten. Wo viele Menschen sind, ist immerzu was umvorhergesehenes los. Absolut toll. Hier gehörte ich hin.   

 

Als drei meiner Kinder in die Pubertät kamen, hatte ich viel Arbeit und Sorgen durch sie. Zum Beispeil fuhr ich dauernd hinter ihnen her um sie nachts von Discos, oder Freunden abzuholen. Meine Zeit und Kraft reichte nicht aus für alle meine Aufgaben. Also schnappte ich mal wieder mein Kleinkind, den Affen, die Katze, das Meerschweinchen, das Kaninchen, die vielen Koffer, und - ach so ja - meine drei pubertierenden Jugendlichen - mietete zwischendurch mal wieder eine marode Wohnung, sanierte sie, gestaltete sie innen künstlerisch und richtete sie mit bemalten Möbeln aus Sperrmüll ein. Nachdem wir die Wohnung so zwei Jahre bewohnt hatten verkauften wir sie wieder mit allem Drum und Dran, mieteten eine andere, richteten sie wie die vorige ein, verkauften sie und auf zur nächsten... Es war eine spannende Zeit und Geld hatten wir auch mehr als genug.  

 

Angespornt durch meine Erfolge begann ich Mitte der Achtziger meine Grenzen zu erweitern und nahm mir vor mein erstes eigenes Haus - per Barzahlug zu kaufen. 

Mir war klar das mein prickelndes Gefühl vom Risiko ausgelöst wurde auf das ich mich einmal wieder einließ. Fifty-fifty das es klappte war mir genug. (Was sollte mir denn noch passieren,

Weil das Haus 120 Km.von uns entfernt war, ich die Kinder nicht alleine lassen wollte, ließ ich meine Besichtigung ausfallen. Also schickte ich dem Makler eine Vollmacht, überwies ihm den kompletten Kaufpreis und er kaufte das Haus für mich.  

Bei unserem Einzug einige Monate später, sahen wir es zum ersten mal. Meine Güte - das war spannend! Wie vermutet hatte der Makler zu seinem Gunsten übertrieben. Der Zustand des Hauses befand sich hart an der Schmerzgrenze des Machbaren. WAS für eine Herausforderung - ich war glücklich - und fing einfach irgendwo an. Sanierte, renovierte, gestaltete wie gewohnt. Lebte dort eine zeitlang wie gewohnt und verkaufte es wie gewohnt. Dann zog ich mit allen Kindern, Tieren und Koffern weiter. Insgesamt restaurierte ich alleine -  und später mit Hilfe meines Mannes - bis jetzt - vier Häuser. Zwei davon hatte ich nicht vorm Kauf besichtigt.   

 

Ich bin 29 mal umgezogen und es ist nicht mein letzter Neubeginn! Umziehen, neue Menschen, neue Umgebungen kennenlernen, ist so toll!


 

Riskante Momente. Meine hoch belastete Kindheit und meine ersten traumatischen Gehversuche als junge Erwachsene - und darüber hinaus, haben dazu geführt das ich selbst sehr hohen Stress bis heute nicht als solchen empfinde.

Wegen meiner hohen Belastbarkeit gräbt sich eine negative Erfahrung nur vorübergehend in meine Seele. Selbst schwere Probleme empfinde ich eher als Herausforderung denn als Krise. Dadurch schleppe ich keine Altlasten mit mir herum und lebe effektiv.


Meine Naivität und dazu meine sehr hoch gehängte Stresslatte signalisieren mir sehr spät eine Gefahr. Dadurch begab ich mich oft in gefährliche Situationen.

 Ein paar Beispiele:

.   Weil ich stark kurzsichtig bin und keine Brille aufgesetzt hatte, dauerte es fast zu lange bis meine blinzelnden Augen erkannten das es sich vor mir nicht um eine Schlägerei    handelte, sondern das ich zufällig Zeugin eines Mordes wurde. (Ich wurde gesehen und tauchte eine Weile unter.)

.   Einige Monate half ich unter Lebensgefahr dem deutschen Staatsschutz (BRD) und konnte einen Mord verhindern. 

.   Ein anderes Mal beutete mich ein Heiratsschwindler komplett aus. 

.   Einer meiner Exmänner versuchte meine Kinder und mich in der Nacht mit Gas aus einer Prophanflasche zu vergiften, weil ich mich von ihm scheiden lassen wollte... Die Gasflasche war fast leer (-:     

 

Ich muss lange überlegen was ich im Leben noch nicht erlebt habe. Meine Güte, ich habe so viele fantastische Erinnerungen, so unglaublich viel Lebenserfahrung, ich würde keine Sekunde löschen wenn ichs könnte! O, Mann... das Leben ist so leicht wenn man es sich nicht selber schwer macht. Wer olle Kamellen nicht sterben lässt, verschenkt Lebenszeit.

 

MEINE ERSTE LIEBE.

Ich war 49, meine vier Kinder waren junge Erwachsene. Für den Fall das sie alle wegen ihrer Studien das Haus verlassen würden, wollte ich es verkaufen und einige Jahre nach Südafrika gehen um dort bei der Aufzucht aussterbender Tiere zu helfen. Doch was stattdessen geschah, erscheint mir heute wie der Höhepunkt eines Filmes, denn mir begegnete das Wunder meiner ersten großen Liebe: Ein Witwer in Not rief zufällig an - HALLO! was für ein herzensguter Mensch - MEIN TRAUMPRINZ - . Gleich am nächsten Morgen holte ich seine Kinder in mein Haus und kurz darauf wohnte auch "er" bei uns. Drei Monate später war ich mit ihm und seinen fünf tollen Kindern verheiratet. NEUN Kinder - danke, lieber Gott!!


Als ich nach und nach merkte das er schwer traumatisiert war und Verhaltensweisen zeigt über die ich im Zusammenhang noch nie gehört hatte, war ich schon wieder meinem Verhaltensmuster gefolgt und hatte mich wieder mal unbewusst für eine Herausforderung mit allerhöchstem Schwierigkeitsgrad entschieden.

Nun gehe ich seit 28 Jahren, wie sooft zuvor, zuversichtlich einen Weg den ich erst nach und nach kennenlerne. Das ist sehr spannend!

Das was man unter "Normalität" versteht, kenne ich nicht und finde es auch nicht wichtig. Denn, egal wie ich bin, ich bin sozial - und ich lebe und liebe! Das genügt mir bei anderen - und bei mir. Die ganze Welt ist und bleibt trotzdem eine Einheit.


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Auf einmal nannte man das was ich schon immer machte, "Kunst" und mich "Künstlerin":

Nach durchgehend 40 Jahren aktiver Mutterschaft, davon 30 als Alleinversorgerin, verließ unser letztes Kind das Haus. All die vielen Jahre hatte ich meine Kreativität nutzbringend  für die Familie eingesetzt, und nun hatte ich auf einmal Zeit für mich und begann schon einen Tag später das zu tun wovon ich immer heimlich geträumt hatte: Wie damals als Kind völlig unnütze Figuren zu formen... 

Wie meistens wohnten wir einsam und hatten ein großes Grundstück. Das war nur gut so, denn schon nach wenigen Monaten standen mehr als hundert lebensgroße Figuren aus Holz und Beton herum. Einfach so. Die Zeit meiner absoluten Freiheit und Zufriedenheit begann, denn ich war endlich angekommen. Schrieb in kürzester Zeit ein erfolgreiches Buch über Katzen, malte ein Kinderbuch, wuselte durch mehrere Kunstzweige hin und her und alle gleichzeitig. GELIEBTE FREIHEIT. 

 

Als Ende 1997 eine Frau, eine Kunstexpertin in unser Haus kam und all die bunten Möbel und Figuren und Bilder und Keramik - all die vielen, vielen Sachen aus Gebrauchtem sah, erfuhr ich zum ersten Mal das all das Kunst sei und ich somit eine Künstlerin. Weil ich  damals null Ahnung davon hatte, befremdete mich diese Bezeichnung viele Jahre lang.

 

Na ja, jedenfalls war die fremde Frau keine geringere als Marianne Kühn, Witwe von Ministerpräsident Heinz Kühn, mit eigener Galerie in Köln. Zuerst "entdeckte" sie mich und bald darauf auch der ehem. Direktor der Kölner Städt. Museen, Günter Ott. Die beiden taten sich zusammen, - ich machte neugierig mit. Kunstexpertin M. Kühn war so begeistert das sie der Presse wörtlich sagte das ich "...eine der authentischen Naiven von denen es pro Jahrhundert höchstens einen gibt..."  sei. Sie lud 800 Personen aus Kunst, Politik und Wirtschaft in ihre Galerie ein. Es war meine erste Vernissage. Ich war 58 Jahre alt.  

Knapp zwei Jahre später feierte ich einen privaten Geburtstag bei dem ich auch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau persönlich kennenlernte - ich durfte in viele gütige Herzen großartiger Persönlichkeiten beider Geschlechter schauen. WAS für eine schöne Erkenntnis! Trotzdem konnte ich mich nicht mit meiner Rolle identifizieren. 

 

Man machte mich international erfolgreich. Zuerst in Europa, dann in Amerika. Ich hatte größte Chancen reich und berühmt zu werden.    

  

Frau Kühn wurde meine Managerin, sie half mir wo sie konnte. Alles was mit der praktischen Umsetzung zu tun hatte, war mein Part. Um die wachsende Nachfrage von Sammlern und Museen im In- u. Ausland bedienen zu können, werkelte ich mit Hochdruck viele, viele einzigartige Exponate. Mein Traummann konnte mir aus gesundheitlichen Gründen nicht helfen, also organisierte ich alleine. Holte Material, werkelte, telefonierte, führte Reisebusse voller Besucher durch unser 250 qm2 großes Haus, versorgte den Haushalt und die Tiere, katalogisierte, stellte Exponate für gleichzeitig laufende Ausstellungen zusammen, bemalte Figuren, fotografierte jede, werkelte wieder neue - war auf Reisen - versorgte den Haushalt, und mehrere Tiere.. 

 

Sechs Jahre lang funktionierte ich wie fremdgesteuert. Ließ mich treiben von einem Erfolg zum Nächsten. Dann hörte ich endlich meiner inneren Stimme zu und mir wurde klar, das ich zu imaterialistisch war um einen Antrieb im Geld zu sehen. Und mein Selbstbewusstsein erwerkelte ich mir mit meiner Kunst.

Ich kam mir vor als wenn ich etwas anhatte das alle toll fanden, ich mich aber nicht darin wohl fühlte.

Als mein Traumprinz kurz darauf schwer Herzkrank wurde, wurde ich konsequent. Ließ die bestehenden Ausstellungen auslaufen, nahm keine neuen  mehr an, zog mich aus der Öffentlichkeit zurück. Kurz danach verkauften wir unser großes Haus und zogen hier her in unsere ursprüngliche "Ossi-Heimat".


Natürlich ist dieses Haus genau so kunterbunt wie alle meine bisherigen Wohnungen, Häuser und Grundstücke. Authentische Gesamtkunstwerke eben, weil sie in ihrer Bandbreite genau so vielseitig und ausdrucksstark sind wie meine Biografie.  

 

Meine Kunst entsteht ganz spontan. Weil sich jedes Motiv gleich nach Arbeitsbeginn verselbstständigt und weiterentwickelt, kann ich weder fremde noch eigene Ideen kopieren. Also viel Bauch - wenig Hirn, hihi...

Kein Geld, kein Ruhm bewegt mich emotional so sehr wie das Umsetzen meiner Einfälle. Dann lebe ich in meiner Welt. Darum ist jedes Werk ein Medium um mir ins Herz zu sehen. Intimer kann weder Verbal - noch Körpersprache sein.    

 

Ich liebe den direkten Kontakt zu all den vielen Menschen die zu uns kommen und sich staunend umsehen. Besonders freuen wir uns wenn jüngere Leute sich für Nachhaltigkeit interessieren und sich Ideen holen. 

 

Ich habe die Erfahrung gemacht das Positives nur Positives nach sich zieht - und Negatives nur Negatives. Wir haben jederzeit die Wahl welchen Eingebungen wir folgen. 

 

Ich hinterfrage und annalysiere gerne, gehe selektiv mit meiner Lebenszeit um, freue mich auf neue Aufgaben, oder stoße welche an. Bei ärgerlichen Sachen warte ich nicht bis sie mich belasten, sondern erledige sie sofort. Ich finde das es meistens nur unsere BEWERTUNGEN sind, die uns stressen.  

 

SterbenObwohl ich keine Angst vorm Sterben habe, finde ich es trotzdem ziemlich schade das es so sein muss. Na gut, wenns dann so weit ist, - was noch lange dauern wird, weil Gott, mein Vater, bestimmt keine Lust auf Möbel aus Sperrmüll-Fragmenten im Disneylook im Hiummel hat. Ich vermute stark, das er mich deswegen noch ein paar Jahrzehnte übersieht. Bis dahin genieße ich jeden Tag. Und wenn`s dann aber DOCH so weit ist, in gut zwanzig Jahren, oder so... werde ich mich glücklich lächelnd bei ihm für seine großzügige Gastfreundschaft bedanken. Und für den guten Deal: 

Nach meiner Kosten-Nutzen-Rechnung ist leben zu dürfen das allerbeste Geschäft meines Lebens, denn ich war jeden Tag im Plus - ich merkte es meistens erst im Rückblick.

 

Mein Spruch? - GELIEBTES LEBEN!!!

Zukunftsangst? - JA, - habe ich, ... wenn ich mir vorstelle das es plötzlich kein Recyclingmaterial mehr gäbe ... (-:

Einen Wunsch?  - JA, - das Putzen müsste abgeschafft werden.

Was man ändern sollte: Es wäre schön wenn Kriege von denen ausgefochten werden die sie angezettelt haben!! 

Was ich überwiegend fühle?

- Mein Leben ist so schön das ich zu nichts anderem mehr komme!   

 

Monster Mammi

 

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Seit 2014 bin ich im Netzwerk der Biosphärenreservatspartner aktiv. Hier bringe ich mich ein, um die Schönheit und den Wert der Schaalseelandschaft zu erhalten, aber auch gleichzeitig für Gäste und Bewohner erlebbar zu machen. Mehr Infos unter www.schaalsee.de/ Regionalmarke.

 

 

 ALLIEN

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