Holzabfall

 

 

   

 

 

 

 Idee!- Katzen mögen hohe Sitze.

 

 

 

 

 

 

 






 

 Auf einer Seite siehst du eine Teufelin und auf der anderen einen Teufel. Beide sind die selbe Figur.



 

Unten: Manchmal muss man (seine eigenen) Mauern einreißen...                                                                       Rechts: Telefone + Beton = Telefonkatzen. Wenn man die Wählscheiben dreht,  "schnurren" sie ...                                                                                             



Meine neuste Idee - Katzenstreu-recycling - habe ich nun seit März 2018  erfolgreich ausprobiert.

Für die Grundausstattung brauchst du pro Katze 5Kg ganz normales Katzenstreu. Nicht zu schwer und nicht klumpend. 

Zuerst nagelst du ein rechteckiges Lattengerüst zusammen und tackerst  eine olle, durchsichtige Gardine darauf.

Wir haben zwei Katzen, unser "Sieb" ist 0,70 X 1,60 groß. Je kleiner umso öfter müsstest du das Streu umwälzen.

Damit das fertige Gestell nicht die Erde berührt, legst du es auf flache Steine, oder was du sonst so findest. 


So bald du das Pipistreu aus der Katzentoilette erneuern möchtest, schüttest du es auf die Gardine und verteilst es gleichmäßig. Wenn dus ab und zu ümrührst, kannst du einerseits so viel Streu draufschütten wie Gardine und Latten aushalten, - andererseits sollte noch Regen hindurchfließen können. 

Der Clou des ganzen: Der Regen wäscht das Pipi raus. Das  Amoniak (das den Geruch verursacht,) verfliegt. Und die Sonne desinfiziert alles.

Wenns getrocknet ist, schüttest du es zur Wiederverwendung in einen  Behälter. 

Ein kleiner Einblick

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 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Rechte Spalte: Vorher Stiefel-, nachher Handtaschenzierde.

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Elke Schetzing, eine Nachbarin von ganz früher:

Renate war schon immer anders. Ihr soziales und ökologisches Engagement war früh ausgeprägt. Schon als dreijährige setzte sie sich für eingesperrte Tiere ein. Schon damals war sie couragiert. Schlich auf Bauernhöfen herum, öffnete Stalltürriegel und jagte Schweine, Kaninchen und Geflügel hinaus in die Freiheit.  

Um ihnen die mühsame Suche nach Blüten zu ersparen, fing sie Hummeln, rannte mit ihnen in der Faust zur nächsten Blüte, setzte sie vorsichtig ab und flitzte los um die nächste zu fangen.

Viele Jahre später fand sie ein verlassenes Mausenest und fütterte mit ihren Kindern die sieben Mäuslein alle zwei Stunden mit einer Pipette bis sie selber fressen konnten. Emotional gesehen betrachtete sie Pferde und Rinder als ihre Familie. 

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Ich werkele ausschließlich einzigartig. Diese "ERDENMUTTER" habe ich mit Wollresten im Grobstich gestickt. Die Wollmenge der benötigten Farben bestimmte - wie bei allen Arbeiten mit Resten - das Motiv.


 Der Vorleger besteht aus Woll-, Stoff- und Filzresten.  



BIOGRAFIE:

Vorwort. Mangels Lebenserfahrung und ausgeprägter Weltfremdheit, jedoch mit tiefem Selbstvertrauen sowie tiefer Liebe zum Leben und Dankbarkeit dafür entwickelten sich meine Entscheidungen häufig überraschend anders als geplant und ich musste dann zusehen wie ich mit viel Fantasie alleine aus dem Schlamassel rauskam. Dadurch besteht meine Biografie aus lauter spontan- improvisierten Neuanfängen zusammen.  


Meine Stärke war schon immer das emotionale, technische und praktische lösen von Problemen in allen noch so schrägen Lebenslagen. Dadurch nahm ich noch so schrille Herausforderungen an und fand unübliche Lösungen.   


Doch es war nicht alleine meine mangelnden Erfahrungen die meine Entscheidungen beeinflussten, es war meine ganz eigene angeborene Sichtweise die mich leitete und meine Biografie so   vielfältig machte sodass sie nun lauter Superlativen besteht. Meine Lebensgeschichte ist die einer ganz normalen Vollblutkünstlerin.




(Wie alt ich jeweil war als ich folgende Kinderbilder zeichnete weiß ich nicht mehr. Sie entstanden in Dänemark.)  



Als ich zur Welt kam herrschte Krieg. Mein Vater war Stellmacherlehrling - selbstständig - Flugzeugmechaniker - Pilot - Geschwaderführer - Hauptmann. Er starb den Soldatentod mit nur 26 Jahren. Ich war zehn Monate alt.

Ich war noch ein Mini als ein alter Mann aus dem Dorf erwähnte das mein Vater ja im Himmel sei... "Im Himmel? -  davon wusste ich ja noch gar nichts!? "Da wohnt doch nur Gott mit seinen Engeln! ... oder...?" fragte ich. Da sah der Mann mit vielsagendem Blick auf mich hinunter. Dann schnippelte er weiter an seiner Gartenhecke.

Ich brauchte Klarheit! Rannte also zu Mutter und fragte sie ob ich Gottes Tochter sei. Ihr Blick streifte mich, sie hatte zu tun. Ich ließ nicht locker, sie nickte flüchtig. WOW - ich war Gottes Tochter! Von nun an hatte ich ein Geheimnis was dazu führte das mein Vater zu meinem

esoterischen Dauerbeschützer wurde.




Ich wurde in Kolberg/Pommern geboren, alle meine Vorfahren stammen jedoch aus dem Harz. Infolge des 2. Weltkrieges musste Mutter mit meiner Schwester und mir flüchten.

Als ich zehn Monate war fiel mein Vater, ein Hauptmann der Luftwaffe mit nur 26 Jahren.

Fliegeralarm, heulende Bomben, Explosionen, Luftschutzkeller, überall herumliegende Leichen und verstümmelte Menschen die sich irgendwie auf den Straßen mit selbstgebauten Fahrgestellen fortbewegten, gehörten genau so zu meinem ganz normalen Kinderalltag wie blühende Wiesen und Dorftümpel in denen ich tief beeindruckt beobachtete wie Kaulquappen zu Fröschen wurden - und weitere Wunder der Natur.

Wegen schwerer, unbehandelter Hüftdysplasie humpelte ich stark,  konnte mit anderen Kindern nicht mithalten. War mir selbst überlassen, hielt mich bei Rindern, Ziegen, Schafen und Pferden auf nahen Höfen und Wiesen auf. Wenn ich müde war, kuschelte ich mich an weiche Euter und schlief geborgen und glücklich ein.

Auf den Viehweiden entspannte ich mich inmitten meinen Freunden, den Weidetieren. Diese höher entwickelten Arten betrachte ich auf Augenhöhe. Ich hatte den gleichen Kontakt zu ihren Gefühlen wie sie zu meinen. Im Laufe der Zeit lehrten wir einander unsere Verbal-u. Körpersprache.

Emotional gesehen waren sie meine wirkliche Familie und prägten nachhaltig mein Sozialverhalten. Noch heute fühle ich mich innig mit ihnen verbunden. Auch Tiere anderer Arten waren meine engsten Freunde. Meine innige, tiefe Verbundenheit mit ihnen und den Pflanzen ist geblieben. Ich töte kein Lebewesen. Eine Schnecke, ein Wurm, - jedes Tier - ist so viel wert wie ich.



Mutter kenne ich selten fröhlich - meistens traurig und antrieblos. Ihr Mann, mein Vater, war im Krieg - juwer weiß was sie auf der Flucht erlebt hatte. Ich fühlte mich sehr früh für sie verantwortlich.


So weit ich zurückdenken kann fiel Mutter immer wieder eine Story ein warum ich nicht ihre Tochter sei. Und wie sehr sie enttäuscht darüber war das ich kein Junge war.

Als Baby und Kleinkind nannte sie mich zum Schutz vor Vergewaltigungen durch feindliche Soldaten "Hans" und gab mich als Jungen aus.



Bis ich fünf war, wohnten wir in einem Dorf im Harz. Einmal kamen zwei durchgegangene Ochsen die Dorfstraße heruntergebrettert. Überall rannten und schrien Leute. Statt mich zu verstecken, stellte ich mich   mitten auf die staubige Straße und breitete meine Arme aus. Ob es meinetwegen war, weil die Tiere mich sehr gut kannten, oder ob sie einfach nur müde waren - jedenfalls wichen sie in den Graben aus und blieben dort schnaufend stehen. Die Dorfbewohner nannten mich von da an "Hexe".  Mutter schloss sich ihnen an. Mir war´s egal. 



Am liebsten stöberte ich in Müllhaufen und den Trümmern zerbombter Häuser herum und fand dort Dinge die Menschen gehört hatten. Es berührte mich schon damals tief das all die guten Sachen nun so zerfetzt herumlagen und ich begann daraus zu gestalten. Schon damals konnte ich aus allem was ich so fand etwas machen. Mein Respekt vor gebrauchten Dingen ist bis heute geblieben. Meine Leidenschaft zur Zweckentfremdung auch.



Wie es alle kleinen Kinder gerne tun, probierte ich alle möglichen Pflanzen. Die bitteren spuckte ich aus, die anderen aß ich. Manchmal gelang es mir aus den Gemüsemieten der Bauern etwas für mich und meine Familie zu klauen. Ich wurde trotz größter Hungersnot ringsum einigermaßen satt. 

 

 


Wir wohnten nun in einer Stadt. 1. Etage, drei-Zi.-Wohnung, Toilette auf  Treppenabsatz.

Weil all die Kriegsflüchtlinge ein Dach über dem Kopf brauchten, wurden bald zwei Familien bei uns einquartiert. Jede Fam. bewohnte ein Zimmer. Mutters Küche wurde nun von allen benutzt. Es kam zu regelmäßigen Schlägereien zwischen den Frauen. 


Ich entzog mich dem Dauerstress. Ging sooft ich konnte auf die Strassen und Wege, fand tolle Schätze: Heftzwecken, Gummiringe, Wäscheklammern, Nägel, Münzen, Drähte, tolle Steine... Ich versteckte all die Kostbarkeiten in meinem Versteck - dem Plumpsklo und werkelte etwas damit. Auch fand ich tolle Sachen auf der Müllhalde. Doch Mutter war rigoros gegen alles was "ünnütz und auch noch schmutzig" war und verbot mir jede Kreativität.

Doch mein Bedürfnis danach war hoch bis zwingend. Im besagten verlassenen Plumpsklo draußen im Garten hing vergilbtes Zeitungspapier. Dies bemalte ich mit abgebrannten Streichhölzern. Als ich einmal Schritte hörte, aß ich vor Schreck mein Kunstwerk auf.


Bei Kriegsende war ich fünf. In einem Lazarett lernte Mutter einen verwundeten Automechaniker aus Dänemark kennen der durch deutsche Granaten verwundet war. Deutsche besetzten gerade Dänemark. 


Er war ein einfacher und anständiger und fürsorglicher Mann. In einer Zeit in der ein Apfel ein Himmelreich bedeutete, zauberte er mir beim Gutenachtsagen einen Apfel unter mein Kopfkissen. Holte ihn hervor und schenkte ihn mir lächelnd. Ich mochte ihn sofort.

Eines Tages würde er mit einem Kartoffelschälmesser auf mich einstechen. 


Doch der Krieg hatte nicht nur seine Psyche ramponiert, sondern auch sein rechtes Bein. Da steckten Granatsplitter drin die immer mal wieder wanderten, eiterten, und ihm tierische Schmerzen bereiteten. Dann rannte er in der kleinen Wohnung herum und heulte wie ein Wolf. An solchen Tagen war er reizbar und streitsüchtig.


Mutter kam "aus gutem Geschäftshaus" - er war Sohn einer Putzfrau.

Mutter bekam eine hohe Offizierspension - er bekam als "Deutschlands Ex-Feind" nirgends Arbeit in Deutschland.


Sie heirateten, ich bekam seinen Nachnamen.

Er sprach kaum deutsch. Weil sie jedoch in Deutschland lebten, weigerte sich Mutter auch nur ein einziges Wort seiner Sprache zu lernen und erwartete von ihm das er schnellstens ihre Sprache lernte. Sein "Kauderwelsch" war ihr unerträglich.


Als er endlich Arbeit als Fernfahrer bekam und oft erst in tiefer Nacht zu  Hause war, zeigten sich erste Anzeichen ihrer sich entwickelnden Feindseligkeiten. Mutters Macht über ihn war der Sex. Vaters Macht über sie war sein "Kauderwelsch". Bald gehörten gegenseitige Schikanen zum Alltag. Balf wurden es kleinere Handgreiflichkeiten - dann brutale Schlägereien in unserem kleinen Zimmer.

Weil sie sich am nächsten Tag schon wieder vertrugen, einander herzten und miteinander lachten, bildete ich mir immer wieder ein das es von da an so liebevoll bliebe.


Die Kombination der beiden vor dem Hintergrund einer Zeit in denen deutsche Flüchtlinge im eigenen Land  von Landsleuten wie  Eindringlinge schikaniert wurden, war durch Mutters Ehe mit dem "Feind" ohnehin sehr belastet. Dazu kam die allgemeine Ungewissheit. All die Fragen die niemand beantwortete. Es war die Nachkriegszeit in der die Alliierten unser Land aufteilten. In der verhungern, erfrieren, Mord und Diebstahl zum Alltag gehörte. In der Kinder eher eine Last waren. Besonders Mädchen, weil Hitlers Wunsch nach SÖHNEN noch immer in den Köpfen der Gesellschaft - der Mütter - saß.

Und es war die Zeit in der es die Pille noch nicht gab. Die Zeit der vielen privaten Abtreibungen und der an den Folgen krepierenden Mütter. Oft genug nur deshalb weil ihre ausgemergelten Körper nicht auch noch ein Kind im Leib ernähren konnten.




Eines Tages hatten wir die drei-Zimmer-Wohnung ganz für uns alleine. Die Liebe meiner Eltern zueinander zerrieb trotzdem sich mehr und mehr. Doch statt aufeinander zuzugehen, oder sich zu trennen, bissen sie sich ineinander fest, radierten immer wieder - so ganz spontan - in sich und um sich herum jede Freude aus und huldigten zunehmend den Göttern "HABEN und "Angeben".



Als ich mich zum ersten Mal in eine Schlägerei meiner Eltern einmischte tat ich es weil sie schwanger mit seinem Kind war.

Damit machte ich ihn so richtig wütend, er ließ Mutter los und schlug nun unkontrolliert auf mich ein.

Später, als die Wohnungstür zuknallte, beugte sich Mutter zu mir runter und schimpfte mich aus. Vielleicht hatte sie Angst um mich.

Oder auch nicht. Von da an machten meine Eltern mich sechsjähriges  Mädchen zum Sündenbock für all ihren Frust.


Nach einem Stellungswechsel war Vater Fernfahrer. Nun war er gottlob nur an den  Wochenenden zuhause. Die häuslichen Auseinandersetzungen wurden für mich berechenbar. An den Wochentagen genoß ich die Zeiten der sicheren Ruhe in meinem Versteck, dem Plumpsklo.

Doch wenn er Freitags Abend nach Hause kam und Mutter ihm erzählte was ich so die Woche über so angestellt hatte, lag ich still und steif unter meinem Bett, verfolgte zitternd ihr Gespräch oder sprach in Gedanken inbrünstig mit meinem Papa der ja im Himmel wohnte.


Normalerweise hätte die Angst, der Dauerstress mich töten, verblöden, oder mich bis zu meinem Lebensende zu einem psychischen Wrack machen müssen. Stattdessen begann sich meine Anlage zur Widerstandfähigkeit gegenüber gesundheitliche, seelische und psychosoziale Entwicklungsrisiken (Resilienz) zu entwickeln. Von nun an machte mich jede überwundene Notlage stärker!



Mit fünf Jahren wurde ich durch die "Süd Schleswiger Vereinigung" für sechs Wochen zu Pflegeeltern nach Dänemark geschickt. Es war DAS PARADIES und all die Menschen zu denen ich gehörte, fraßen sich in mein Herz und wohnen dort fest verankert so lange ich lebe. Sie waren es die mir immer wieder, Jahr für Jahr sechs Wochen lang, ein mir bis dahin unbekanntes Gesicht des Lebens zeigten. Mein Pflegevater schenkte mir Malstifte und Papier und nahm mir meine Angst vor Entdeckung meiner "Werke". Meine Pflegeeltern überschütteten mich mit echter Menschenliebe. Sie pflanzten dauerhaft Liebe und Selbstvertrauen in mein Herz und Hirn.

(Mein Vorname "Renate" ist in Dänemark unbekannt. Bei meinem ersten Besuch dort grinste jeder nachdem er meinen Vornamen hörte. Erst als ich die Sprache  verstand begriff ich: "Renate" hört sich auf dänisch gesprochen wie "GRÜNE ERBSE" an.

(Bis heute trug ich vier Vornamen: Renate, Hans, Hexe, grüne Erbse.)


Ich war sieben. Half zunehmend im Haushalt und kümmerte mich fast ausschließlich um mein BRÜDERCHEN - Mutters Traumkind.


Lebensgefahr:

Winter. Sonnabend. Badetag in der Küche für alle Familiebnmitglieder nacheinander im selben Wasser. Das gab es aus einer Handpumpe im Garten.

In der Wohnung gab es nur einen Kachelofen, der jedoch zu klein war um die Küche zu heizen. Darum wurde sie an Badetagen mithilfe sämtlicher Flammen des Gasherdes geheizt. (Oben kochen, unten Backofen.)

Zu Beginn der Zeremonie wurde die unmittelbar neben dem Gasherd befindliche Küchentür geschlossen, alle Kochflammen angezündet. Auch die Flammen des Backofens. Die Backofentür blieb nun offen.

Der Gasherd stand unmittelbar neben der Küchentür!


Während es warm wurde in der Küche ging Mutter mehrmals rein und raus. Mal stellte sie eine Zinkwanne auf den Fußboden, mal stellte sie einen Einkochtopf auf die größte Gasflamme, schleppte mehrmals Wassereimer in die Küche und schüttete es hinein. 


Nachdem das Wasser Badetemperatur hatte, wurde es in die Wanne geschöpft. Ich stieg hinein, Mutter setzte meinen Bruder in meinen Schoß und verließ die Küche.

Ich war acht, mein Bruder ein Jahr alt. In der engen Wanne konnten wir nur still sitzen, sonst wäre Wasser über den Wannenrand geschwappt. Also saßen wir da und weichten auf...


... langsam kam ich zu mir...


Es war bitterkalt. Ich bibberte. Hörte Mutters Stimme: "Was hast du mit deinem Bruder gemacht?!!!!"

Nun registrierte ich das man mich in ein Handtuch gewickelt und vor ein geöffnetes Fenster gelegt hatte. Mir war übel, ich fror jämmerlich und hatte allerschlimmste Kopfschmerzen.

Irgendwann konnte ich soweit denken um festzustellen das sich ein Arzt um meinen Bruder kümmerte. Eine Krankenversicherung gabs nicht, für meine Untersuchung reichte das Geld nicht.

Während der Arzt und meine aufgeregte Mutter sich um mein ohnmächtiges Brüderchen kümmerten, kroch ich völlig erschöpft übern Fußboden ins allernächste Bett und schlief sofort ein.   

Auch mein Bruder überlebte die von Mutter ausgelöste Gasververgiftung:   Denn sie hatte irgendwann den LUFTZUG ausgelöst der nur die Flammen im Backofen löschte - das Gas strömte jedoch weiter... 



Das Spielen mit gleichaltrigen Kindern interessierte mich nie. Lieber verbrachte ich meine Freizeit auf Schutthalden. Werkelte mit allem was ich fand, löste technische Probleme und verblüffte so manchen Erwachsenen mit meiner Fingerfertigkeit. In diesen Stunden entspannte ich mich. Tatsächlich therapierte ich durch Umsetzung meiner sprudelnden Einfälle den Zustand meiner desolaten Seele. 



So etwa mit neun Jahren hatte ich die Reife um mich erstmals sachlich mit meiner Situation, meinem Platz, meinem Wesen, auseinanderzusetzen. Mir wurde klar das es niemanden außer mir gab der sich wirkliuich für mich interessierte. Ich musste Selbstverantwortung lernen damit sich mein Leben, trotz aller Schwierigkeiten zu meinem Gunsten entwickelt. Zuerst verließ ich meine passive Opferrolle und beschloss für mehr als meine Familie da zu sein.

Weil ich davon ausging das ALLE Kinder "so behandelt" wurden wie ich, kam ich auf die Idee all den Kindern auf der Straße beizustehen wenn sie von älteren Jungen geärgert wurden. Schon der Gedanke daran machte mich mutig, und es reichte oft schon das wenn ich - zwar jünger - aber größer - und vor allem ENTSCHLOSSENER das die Jungs schon Angst vor mir bekamen wenn ich sie sprungbereit anstarrte. Ihre Angst ermutigte mich dann auch mal zu handfesten Schlägereien auf offener Strasse nachdem  so ein Bübchen ein kleines Kind aus dessen Sportkarre geschubst hatte.

Obwohl ich ein "Humpellieschen" war wurde ich im Laufe der Zeit zwar nicht gerade der Schrecken aller frechen Buben - aber dafür die Beschützerin aller Kinder meiner Strasse. Ich hatte einen Stellenwert, mein Leben hatte einen Sinn! Auch begriff ich das die Buben ein Problem hatten, nicht die kleinen Kinder die davon ausgingen das sie etwas falsch gemacht hätten.


Ich war nun der Schrecken aller bösen Buben von sieben bis zehn!!

Beste Voraussetzungen um einen draufzulegen:


 In meiner Klasse waren wir 45 Schüler. Nach meiner Einschulung ging ich zuerst zwei drei Jahre ganz gerne zur Schule. Doch dann fand ich den Unterricht gähnend langweilig. Mich interessierte nur Musik, Sport und Werkeln.


Dazu kam das ich laufend wegen meiner Humpelei ausgelacht wurde. Ich begann zu schwänzen. Weils scheinbar niemandem auffiel, schwänzte ich öfter. Die Prügel der Lehrer nahm ich in Kauf.

Stattdessen hielt ich mich im Plumpsklo-Versteck auf und setzte mit einfachsten Mitteln meine drängelnden Ideen um. Auch hatte ich in unserem Keller eine Maus entdeckt und kümmerte mich liebevoll um sie. Sie wurde meine beste Freundin. 

Bald ging ich überhaupt nicht mehr zur Schule. Das hatte zur Folge das mir  einer der wenigen alten Lehrer, die nicht eingezogen waren, wegen meines Schwänzens eine Nachricht für meine Eltern mitgab. Mutter gab mir ein paar heftige Ohrfeigen, weil ich sie "immer überall blamierte", und als Vater von der Arbeit kam verpetzte sie mich und es knallte wieder...

Meine Erkenntnis: Wenn ich künftig die Schule komplett mied, vermied ich einen ganzen Packen Stress. Ich ging nie wieder zur Schule, tat aber so als ob: Meinen Eltern gegenüber tat ich so als ginge ich weiterhin zum Unterricht. Tatsächlich ging ich so lange in Richtung Schule wie meine Mutter mich beobachten könnte. Dann flitzte ich auf Umwegen zum Müllhaufen.der der Schule am Nächsten lag. Dort fand ich spannende Sachen. Erst wenn die nahe Schulklingel das Unterrichtsende verkündete, ging ich brav und pünktlich nach Hause. Diese täglichen Erfolgserlebnisse beflügelten mich mächtig. 

Das das Lektorat meinen Eltern mitteilen könnte, dass ich meiner Schulpflicht nachkommen müsse, hatte ich ausgeblendet.

Tatsächlich war das Thema Renate jedoch für jedermann längst abgeschlossen.



Ich wurde immer mehr in den Haushalt eingespannt. In meiner freien Zeit werkelte ich wie immer, aß Hagebutten, Sauerampfer, Klee, Gras, Rüben, Wurzeln, Beeren, Obst, - all das was jede Jahreszeit mir bot. 

Wegen meiner überzogenen Tierliebe wollte ich entweder einen Bauern heiraten, oder einen Förster, oder einen Domteur... Hauptsache er hatte etwas mit Tieren zu tun. Voll naiv!


Als Mutter als Köchin arbeiten wollte stand das Problem im Raum wie mein kleiner Bruder versorgt werden könnte.

Na - DAS war was für mich!! Von da an versorgte ich ihn komplett. An den Wochenden hatte ich frei. Dann fuhr ich gegen Nahrungsmittel kleine Kinder spazieren.

Ich hatte einen Stellenwert in der Familie.



Obwohl mich stets eine grundlegende Angst wie eine Haut umschloß, entwickelte sich meine Zuversicht weiter. Bald konnte ich selbst im größten Schlamassel noch Positives finden und Probleme zu meinem Vorteil lösen. Meine aussergewöhnliche kreative Begabung fiel allgemein auf. An meine Werkelei hatten sie sich auch gewöhnt. In jeder freien Minute gestaltete ich mit allem was mir unter die Finger kam. Dadurch therapierte ich meine kaputte Seele. Auch begann meine Familie von meinen Ideen zu profitieren.  

Auch kamen Kinder zu mir. Wollten einen Rat, ein Bonbon, eine kleine Reparatur am Puppenwagen, am Roller, einmal kuscheln ...



Je länger ich mich kümmern durfte umso freier wurde mein Denken und ich begann zu begreifen das ich zu den priviligierten gehöre die Geburt, Krieg,  Flucht, Bomben, Hunger und Kälte überlebt hatten.

Damals begann meine tiefe Dankbarkeit für mein Leben zu wachsen. In Zwiegesprächen mit meinem Papa im Himmel lernte ich wie wichtig es ist immer zuerst die positive Seite einer Situation zu sehen. Diese Selbstkontrollen gaben mir gleichzeitig inneren Halt. Der Kern meines Ichs war keine Schlackerpuppe mehr. 

Meine häuslichen Probleme wurden überschaubarer. 



Als ich elf war prägte ich mir eine Nachricht für die Zukunft ein. Es war sowas wie  - "... ich erkenne die Zusammenhänge des Lebens ..."  und begann mit autobiografische Notizen.




Karen, eine  junge Prostituierte aus der dritten Etage schenkte mir die Bücher "Die Entstehung der Arten" und "Lerne deinen Körper kennen", (oder so ähnlich). Ich konnte es aufklappen und ins Innere meines Körpers gucken. WOW!

Wegen meiner Gier darauf zu wissen was da stand, lehrte mich Karen das  auswendige Lesen. Ich versank mit glühenden Wangen in der Materie und lernte das was mich am meisten interessierte: Grundlegendes Wissen über den menschlichen Körper mit all seinen Funktionen. Dieses Interesse beruht auf mein dominantes Gen. Alle meine Nachkommen der ersten und zweiten Generation haben die selbe Leidenschaft wie ich und üben sie - bis auf einen Sohn - beruflich aus, oder sind in der Ausbildung.

 

(Später lehrte ich mich auswendig das Schreiben. Warum dies und das so oder so geschrieben wird weiß ich bis heute nicht. Rechnen kann ich nur zweckgebunden. Z.B. kenne ich alle Preise und rechne während meines Einkaufs zusammen wie viel ich an der Kasse zu bezahlen habe. Und um Preise miteinander zu vegleichen richte ich mich strikt nach den Kilopreisen. 




Je älter ich wurde - umso hellhöriger wurde ich wenn ich etwas über Anatomie, Funktionen der Organe, Medizin, Virologie, Verhalten Mensch und Tier im Vergleich zueinander hörte. Nach jeder neuen Information fügte ich weitere Bruchteile da ein wo sie logischerweise hingehörten und erkannte dadurch weitere Zusammenhänge.

Durch übergreifendes selektives Lernen kamen im Laufe der Jahre verwandte Themen hinzu wie vergleichendes Verhalten Mensch und Säugetier, sowie die Molekulabiologie mit Schwerpunkten Psychologie, Virologie und Epigenetik. Bis heute schließe ich laufend vorhandene Wissenslücken durch neue infos aus allen Bereichen des Riesenkomplexes  Gesunderhaltung von Mensch und Säugetier und wende alles an mir - und früher bei meinen Kindern - an. 







Irgendwann schrieb ich meinen Eltern einen  Brief in dem ich vorschlug, dass wir ab sofort alles bisherige vergessen und ganz neu anfangen sollten. Eine Antwort erhielt ich nie. Macht nichts, - die Tatsache das sie nun wussten das ich schreiben konnte, wertete mein Selbstvertrauen als weiteren Sieg im Ringen um meine seelische Gesundheit. Bald setzte ich noch einen drauf: Weil Mutter nur eine winzige handvoll von der fremden Sprache meines Stiefvaters kannte - er wiederum nach wie vor wenig Deutsch - nutzte ich meine dänischen Sprachkenntnisse:


Nachdem ich mal wieder von meiner sechs Wochen dauernden Verschickung in seine Heimat Dänemark zurückkam, weigerte ich mich nach meiner Rückkehr Tage lang Deutsch zu sprechen. Mutter fühlte sich von mir verraten und wurde wild, mein Stiefvater schützte mich geschmeichelt und ich begann bald übermütig meinen Übersetzungen etwas Nettes hinzuzufügen obwohl es der andere gar nicht gesagt hatte. Nach und nach steigerte ich die gegenseitigen "Lobe" und erreichte tatsächlich das die beiden ihre feindselige Haltung und Übergriffe gegenseitig und mir gegenüber reduzierten. "Er" schenkte mir sogar zwei Ansichtskarten aus Italien - und Mutter mahnte ihn das er mich nicht mehr auf meine wachsenden Brüstchen prügeln solle "weil das weh täte".


Von da an ließen sie mich - bis auf einige Ohrfeigen - lange in Ruhe.




Einmal gab es zu Weihnachten Pellkartoffeln satt und ein Spiegelei für jeden! Ein Ei hatte damals Seltenheitswert. Ich aß also erst einmal so viele Kartoffen bis ich fast satt war um dann - in aller Ruhe und Genuss - das leckere Spiegelei zu genießen. Doch ich war wohl zu lange mit  den  Pellkartoffen beschäftigt. Denn während Vater murmelte  "du magst es wohl nicht..." schwebte mein Ei auf seiner Gabel davon und landete in einem Stück in seinem Mund. Später stupste er mich an, blinzelte mir zu und  zeigte uns sieben rohe Eier. Für jeden von uns eins - und für mich zwei.

Er war eben so wie er war.


Mein Hang zu Kindern und Tieren war ausgeprägt, ich wollte gerne einmal 18 Kinder haben und einen Bauernhof für leidende Tiere die dort uralt werden durften.


 Ich versorgte vollständig den Haushalt und meine Geschwister. Ging mit ihnen lange Strecken, erklärte die Natur. Vater war zufrieden als Fernfahrer. Nur noch die Wochenenden waren traumatisch für mich.


Seit der lustigen Geschichte mit den Spiegeleiern dachte ich nicht das er mich noch mal schlägt. Trotzdem versteckte ich mich vorsichtshalber jeden Freitag ab zwölf unterm Küchentisch und hörte zu wie Mutter sich über mich beschwerte. Wie sie aufzählte was ich so alles in seiner Abwesenheit angestellt hatte. Sie redete ihn in Wut - er bückte sich riss mich unterm Tisch hervor und trat und schlug auf mich ein bis er keuchte.

Meine Angst vor ihm begann wenn er Sonntag Abend zur Arbeit fuhr und steigerte sich Tag für Tag - bis zum Freitag. So sehr ich mir Mühe gab Mutter alles recht zu machen - sie gab mir null Chance seinen Schlägen und Tritten zu entgehen. Ich war schutzlos ausgeliefert.



Heute denke ich das es ihr Selbsterhaltungstrieb war der Vaters Interesse auf mich lenken sollte. An mir konnte er Dampf ablassen - Mutter, eine Köchin - war immer wieder depressiv.

Damit würde die Verantwortung für ihr Baby in meinen Händen liegen. Denn bald wären wir zu sechst.

Meine ältere, stets kränkelnde Schwester, und mein Bruder, wurden zwar niemals schikaniert, trotzdem litten sie bestimmt sehr unter der latent hoch explosiven Grund-Atmosphäre.




Abschied:

Eines Tages kam es in einer kalten Winternacht zum Countdown: Meine jüngste Schwester hatte kein eigenes Bett, also schlief sie bei mir im Arm.

Sie bekam Zähnchen und schrie die halbe Nacht. Mein Bett war durch einen Vorhang von der Küche getrennt. Ein kleiner Flur, dann kam das Schlafzimmer meiner Eltern.

Nachts. Auf einmal ging der Vorhang auf, mein Vater stürzte sich auf mich und verprügelte mich schwer. Das Baby wurde von meiner Mutter geholt.

Um mir nicht die Blöße zu geben hilflos zu sein, hatte ich mir vorgenommen bei der nächsten Krise nicht zu weinen. Dies war nun die Probe. Er stellte sich vor mein Bett und schlug auf mich ein. Ich schwieg. Das machte ihn wütend. Er holte - wie ich später sah - ein Kartoffelschälmesser, kam zurück und stach auf mich ein. Ich war groß und inzwischen gut trainiert - er etwa 20 cm kleiner und untrainiert. Ich wehrte mich zum ersten mal. Sprang aus dem Bett, schlug um mich, trat ihn in den Bauch. Schubste ihn - hörte nicht auf. Es ging um mein Leben.


Wie es weiterging weiß ich nicht mehr. Mutter rief ihn wohl ... jedenfalls verließ er meine Schlafecke.

Ich stand auf, ging in die Küche, auf den Flur, sah zufällig im Spiegel Blut an meinem Nachthemd, ging hinaus ins eiskalte Treppenhaus. Die Haustür war abgeschlossen. Um den Schlüssel zu holen müsste ich wieder in die Wohnung... NIEMALS!

Ich setzte mich auf eine der eiskalten Betonstufen. War wie paralysiert. Nach wenigen Minuten stand ich auf, drückte auf den 3-Minuten-Lichtschalter, hob mein Nachthemd hoch und sah an mehreren Stellen Schnitte an meinem Körper. Eher bedeutungslose Kratzer. Der Stoff meines Nachthemdes hatte das Messer gebremst. Doch im rechten Oberschenkel hatte ich eine größere Stichwunde die in einen ca. 30 cm langen Schnitt überging und am Knie endete. Sie blutete stark., Ich bekam große Angst, drückte mein Nachthemd darauf und klingelte an die Wohnungstür unserer Etagennachbarn. Die Frau öffnete nicht sondern rief mir durch die geschlossene Tür zu "das ich mich gefälligst benehmen sollte, dann hätte auch niemand "einen Grund"...  


Ich musste weg!! WEG, WEG, WEG!

Karen und ein paar Nachbarn beugten sich übers Geländer und guckten mich mitleidig an. Aber keiner traute sich...

Auf einmal kam Vater zu mir auf den Treppenabsatz. Ohne mich anzusehen gab er mir einige Mullbinden und einen kalten, nassen Lappen fürs Gesicht. Hängte mir seinen Wintermantel über die Schultern, nickte mehrmals, sagte "...mein liiieber Mann ...!" und setzte sich neben mich auf meine Stufe.

Während ich mich verband schluchzte er.

Ohne mich anzusehen murmelte er das ich ihn aber auch verstehen solle, er "wolle endlich mal in Ruhe schlafen..." Und das ich ihn herausgefordert hätte - bla bla... "  Nach einer Weile schlug er mir vor das ich doch eigentlich hoch in die Abstellkammer ziehen könnte mit meiner kleinen Schwester. Da könnte sie schreien so viel sie will, da unterm Dach hörte sie keiner.

Ich beherrschte meinen Impuls mich in seine Arme zu kuscheln. Er blieb kurz sitzen, ging dann in die Wohnung und kam mit einem Schlüssel zurück. Legte seinen Arm um mich und half mir mitten in der Nacht die drei Stockwerke hoch bis vor die Kammer.

Sie war etwa acht qm groß. Hatte dünne, nicht isolierte Holzwände. An der Dachschräge sah man die nackten Ziegel.

Ich wäre am Liebsten da oben in der Kälte geblieben, aber Vater nahm meine Hand, half mir langsam die Treppe hinunter, sagte ich solle mit der Arbeit warten bis ich wieder laufen konnte. .

Von da an war er niemals wieder aggressiv mir gegenüber.


Während unten in der Wohnung meine Wunden heilten, versorgte Mutter  . Haus und Kinder. Ich saß viel auf dem Balkon, erholte mich und plante mein Zimmer samt Einrichtung. Ich baute alles alleine, niemand redete mir hinein. Vater verhielt sich neutral bis freundlich.

Aus all dem Gerümpel in der Kammer baute ich mir eine Einrichtung. Es war  so richtig gemütlich. Weil mein Schwesterchen noch so klein war, bekam ich vorübergehend einen Heizlüfter. Wasser und Toilette war unten in der Wohnung.


Dieses Zimmer war das erste an dem ich meine Talente austoben durfte.

Glück fühlt sich wie Nebel an. Absolut leicht.

 

Ich war sowas von weltfremd!!! Und ahnte nicht das die reale Welt in die ich hineinwuchs auf ganz andere weise härter sein würde als mein Zuhause. Ich ahnte nicht das ich von nun an Umbrüche, Ereignisse und Neuanfänge sammeln würde wie andere junge Frauen neue Schuhe...


Es begann mit den "Berufen."

Der elterliche Beschluss das ich "etwas vernünftiges" lernen sollte, ging so richtig schief. Denn niemand ahnte das mir von Geburt an mein Reizfilter fehlt. Dadurch dringen alle Eindrücke ungefiltert in mein Denken und lösen bei mir einen Druck aus, - eine Sehnsucht - all die vielen Ideen und Fantasien vor meinen inneren Augen zu verwirklichen. Die Umsetzung meiner Ideen hält mich bis heute psychisch gesund.

Ich wanderte von einer Lehre, einem Job, zum nächsten. Schneiderlehrling, Serviererin, Schlachterlehrling, Putzhilfe, am Fließband Kartoffelsäcke reparieren, mit einer Mininadel Laufmaschen an Nylonstrümpfen reparieren, Blusenverkäuferin, Gärtnerin, Kindermädchen, Laufmädchen usw. Ich hielt überall nur wenige Tage oder Wochen durch. Es war nichts dabei was meinen Kreativitätsstau abbaute. Ich wurde zunehmend reizüberflutet was widerum zu meiner völligen psychischen Erschöpfung führte. Auch körperlich war ich überhaupt nicht mehr belastbar.


Trotzdem musste ich arbeiten.

Ich erinnere mich gerade daran das ich als Putzhilfe so viel arbeiten musste das ich nicht genug Zeit zum Ausschlafen hatte. Eines Tages schlief ich während des Staubsaugens!! ein. (Wurde beschimpft und gefeuert.)


Ich verließ das Haus und verdingte mich als Magd auf einem Bauernhof. Da stimmte alles. Die Menschen waren lieb. Die Tiere wie Geschwister. Ich durfte zugunsten von Menschen, Haus und Hof meine Ideen umsetzen. Ich war im Himmel...

In meiner Freizeit las ich medizinische Bücher aus der Bibliothek und hörte laute emotionale Musik aller Genres. Musik ist und war ein ganz bedeutendes Medium für mich und meine Psyche. Bis heute hat Musik und Tanzen einen vorrangigen Stellenwert!


Auf dem Hof wohnte ich in einem Bretterverschlag unterm Dach. Eine Schüssel Wasser, Seife, 1 Schrank, 1 Hocker, 1 Bett. Kleine schräge Fensterluke zwischen den Ziegeln.

Auf dem Misthaufen fand ich zwei neugeborene Ferkel die so klein waren das sie keine Chance hatten bei all den kleinen, aber kräftigeren Geschwistern an Mutters Zitzen zu kommen.

Die Winzlinge lebten noch. Ich wickelte sie in meinen Rock. trug sie zur Chefin, durfte sie "behalten". Nun gings rund in meinem winzigen Zimmer unterm Dach. Außer das ich ihnen alle zwei Stunden die Flasche gab schliefen sie während meiner Arbeitszeit in meinem Zimmer auf Stroh. Morgens ganz früh und nach Feierabend wickelte ich ihnen Stoff um die Popöchen und nahm sie mit ins Bett. In meine Arme. Wir kuschelten und wärmten uns gegenseitig... Ach, du meine Güte - was war das für eine glückliche Zeit ... Ich durfte etwas eigenes liiiebhaben!

Die Zwillinge entwickelten sich prächtig und fraßen bald alleine. Wir sprachen miteinander.

Als Mutter schwer an Gürtelrose erkrankte, musste ich ohne Schweinchen den Hof verlassen um mich um Mutter zu kümmern. Dort sorgte ich für alles.  Später war die meine Stelle als Magd neu besetzt. 

Ich trauerte schwer um meine Schweinchen. Ich tue es heute noch.



. 1959. Die letzten Kriegsgefangenen kamen aus russischer Gefangenschaft zurück.

. Ich war neunzehn. Versorgte den Haushalt, wurde zunehmend gleichberechtigt in der Familie und ausgleichende Beraterin für die Dauerkonflikte meiner Eltern.

. Später würde ich meine jüngste Schwester in meine eigene Familie integrieren.

. Bei meinem Vater würde ich Darmkrebs diagnostizieren, doch weder er noch Mutter würden mir glauben, weil sie überzeugt waren das die Blutungen von den Hämorieden kämen - die übliche Lastwagenfahrer-Krankheit. Er ging zu spät zum Arzt. Er starb an Darmkrebs. 




Beginn meiner Versuche mich in der gesellschaftlichen Normalität zurechtzufinden:

Mutter arbeitete als Köchin in einer Bundeswehrkaserne. Eines Tages  brachte sie eine männliche Aushilfe von der Arbeit mit. Er interessierte sich  sofort für mich. Für mich wars die erste Begegnung mit dem anderen Geschlecht das mich als sexuelles Wesen wahrnahm. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. War sowieso Fremden gegenüber total verklemmt. Nun saß ich nur stur da mit verkniffenen Lippen, steif da und guckte auf den Teppich. Er setzte sich mir gegenüber und grinste mich an. 

So weit zum Kennenlernritual.


Einen Tag später setzten sich meine Eltern grinsend zu mir und fragten wie ich den jungen Mann denn so fand. Nachdem er mich ja nun "kennengelernt hatte", würde er mich gerne heiraten ...

Den ganzen restlichen Tag strahlten meine Eltern als würden sie mir den Mann schenken. (Eigentlich hätte ich misstrauisch sein müssen, ich Blödmaus.)

Ich kann mich nur daran erinnern das es plötzlich an meinem ganzen Körper juckte. Ich lehnte ab. Mutter erwiderte das ich nun zu einer alten Jungfer werden würde die keinen Mann abgekriegt hätte.


Wow! Das war wirklich negativ besetzt.


Weil mich meine Eltern ein paar Tage mit dem Thema in Ruhe ließen, konnte ich sachlich nachdenken:

1. Eine alte Jungfer wollte ich auf keinen Fall werden.

2. Wenn ich ihn heirate, würde man mich statt "Fräulein" mit "Frau" anreden und gesellschaftlich würde ich auch dazugehören. Wozu auch immer...

3. Weil er beim Wehrdienst als Sani ausgebildet war und dazu gelernter Dompteur - hätten wir vieles gemeinsam.

Punkt vier: Weg von meinem Vater!!


Ich überlegte eine Nacht. Meine Angst vor Männern saß tief. Aber vielleicht war er ja ein Mann der mich so unzulänglich annahm wie ich war und mich nicht schlug. 

Am folgenden Morgen zuckte ich auf Mutters Frage nur gleichgültig meine Schultern. Somit hatte ich mich für eine Ehe mit ihm, dem Fremden, entschieden.


Später nahm Mutter mich zur Seite und sprach mit mir "von Frau zu Frau" das ich es ihm nicht so leicht machen sollte sonst könnte er denken ich sei billig... Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach.


Kurz darauf entsorgten mich meine Eltern ohne Feier, ohne Schleier, in eine Ehe mit Mister X-beliebig aus Hoyerswerda.


 

 

 

Ich war es nicht gewohnt im Alleingang für mich selbst zu entscheiden und überließ ihm, dem Alkoholiker, die Verantwortung für alles.


(Damals gab es die Pille noch nicht. Berufstätigkeit der Frauen, oder gute Schulbildung für sie, war unüblich. Frauen hatten fleißig, sparsam, unwissend, gute Hausfrauen und Mütter zu sein.

Nur die Frau die bei ihrem Mann blieb war versorgt. Jedenfalls so lange er ihr das nötige Geld gab für den Unterhalt der Familie. Durch diese materielle Sicherheit der Frauen und Kinder war es absolut unüblich das eine Frau sich scheiden ließ. Deshalb waren Scheidungen extrem selten. Und wenn es doch mal geschah, dauerte es von Antrag bis Richterspruch etwa drei vier Wochen. Um den Unterhalt für Kinder musste die Frau sich selber bemühen, wenn "er" nicht zahlen wollte, hatte sie das Nachsehen.


Nun war ich plötzlich Ehefrau. Wusste aber überhaupt nicht wie ich ticken sollte. Was erwartete er von mir... Ich musste einfach irgendwie zusehen wie ich klar kam. Improvisieren war ich ja gewohnt und blickte zuversichtlich in die Zukunft.


Doch bald litt ich fürchterlich unter Heimweh. Das ich mein Elternhaus nur knapp überlebt hatte verdrängte ich. 

Aber was sollte ich machen als gehorchen und versuchen herauszufinden wo oben oder unten ist. Mein Vertrauen zu ihm oder sonst jemanden fehlte völlig. Was erwartete er - die Gesellschaft... wer auch immer von mir? Durch meine bisherigen Erfahrungen hatte ich nur ein verzerrtes Bild vom Leben.  


Ich rechnete meine Chancen aus: Ich hatte gelernt Gras und andere essbare Pflanzen zu essen um nicht zu hungern,
hatte Frost in drei Zehen, Kartoffelsäcke, Decken und Hasenfelle geklaut um nicht zu erfrieren. Ich war zäh und anspruchslos bis über die Schmerzgrenze hinaus, hatte hochkreativ unzählige Tricks des Überlebens gelernt und war eine ausgesprochene Frohnatur. Damit war ich voll fit für schlechte Zeiten und wäre eine gute Partie für einen von der Umwelt isolierten Höhlenmenschen gewesen.


Was meine bisherigen sozialen Kontakte anging so waren sie echt und innig: Mit Tieren kuscheln, Kinder gegen Ungerechtigkeiten verteidigen und per Post die hilfsbereite Prostituierte Karen trösten, die kürzlich - obwohl sie heftige Wehen hatte - von den eigenen Eltern in einer Winternacht vor die Haustür geworfen wurde. Die Nachbarn hatten Ohren und Augen und ihre Herzen geschlossen. Das Kind überlebte. Karen, die mehr Wert war als die ganze Mischpoke der Gegend, heiratete bald darauf einen Freier der sie auf Händen trug, und sie iund ihr Kind mit nach Israel nahm. 


Was hatte ich der Wohlstandgesellschaft zu bieten?

Entschlossene Neugier! Viele praktische Ideen und Hände für die Umsetzung eines Neuanfangs. Doch kochen, wie man es tat, oder einen Haushalt so führen wie es sich gehörte, konnte ich nicht. Viiiel lieber erfand ich jeden Tag ein anderes - ganz eigenes und zufällig entstandenes Mittagessen und putzte nur wenn ich den Schmutz auch sah.


 

Mein fremder Mann war ein gut erzogener Mann der von der Bahn abgekommen war. Von Alkoholikern hatte ich keine Ahnung und so deutete ich sein wechselhaftes Verhalten als Ausdruck seines genetisch bedingten Wesens. Während wir ein halbes Jahr zur See fuhren, blieben wir uns trotz räumlicher Enge fremd und ich nahm mir vor, ihm vorerst nicht zu erlauben mich wirklich kennenzulernen. Das ihm mal die Hand ausrutschte und er mich auch sonst ab und zu heftig beschimpfte und beleidigte, fand ich schrecklich, aber - na, ja,  Männer waren nun mal so - und vielleicht hatte er ja auch recht. Ich zwang mich zu Verständnis, zog sein Verhalten sogar noch ins Lächerliche bevor er womöglich ein schlechtes Gewissen bekommen könnte. Er schlug mich wieder, es war ihm egal wohin er mich traf. Meine Zukunft stand still. Ich kündigte ihm in Gedanken und machte mich unsichtbar. 

Als wir an Land wohnten, hockten wir nicht so aufeinander wie an Bord und gingen lockerer miteinander um. Weil ich keine gesellschaftlichen Richtlinien kannte, fügte ich mich. Es  machte mir viel Freude das ich unseren Haushalt mit ollen Möbeln einrichten und auch den kompletten Unterhalt alleine mit Fischpräparationen, kunstvollen Schalen aus Seegras und Vermietung eines Zimmers an Touristen bestreiten durfte. Ihm war alles egal. Er genoß sein Leben. Schleppte fremde Frauen in unsere Wohnung, trank mit ihnen - er konnte von mir aus alles tun wozu er Lust hatte.


Je besser seine Laune, umso seltener misshandelte er mich. Mein Vater war so, mein Mann war so - Männer sind eben so.


Mein brutaler Vater hatte meine Erwartungshaltung in Bezug auf Männer geprägt. 


Bald hatten wir eine größere Wohnung, er bestand auf ein eigenes Auto - obwohl er keinen Führerschein hatte. Als eine seiner Besucherinnen immer öfter bei uns wohnte und mit ihm trank, reichte es mir. Während ich meine devote Rolle spielte, sparte ich für meinen Abgang. 

Der kam bald: Obwohl ich eine gute Woche vorher unser Kind unter höchster Lebensgefahr geboren hatte - weil mich trotz Steißlage wegen eines schweren Sturmes kein Schipper ans Festland in ein Krankenhaus bringen wollte - schlug er mich wieder. Der altbekannte Horror stieg in mir hoch. Bald nahm ich voller Panik mein Baby und ergriff die Flucht. - Nur weg. Doch meine Eltern ließen ihre Tür verschlossen. Ich hatte niemanden der zu mir hielt, ging zitternd und fiebrig zurück zu meinem Mann und der Frau, kauerte mich in eine Ecke, drückte mein Baby an mich und weinte vor Heimweh nach meinen Weidetieren. Mein Leben war so erbärmlich. Ich beschloss mich umzubringen. Da weinte mein Kind in meinen Armen...

In dieser Zeit wurde ich voll traumatisiert. Dieses Trauma würde sich fast sechzig Jahrzehnte in mir verbergen bis sich mir offenbahrte was damals  alles geschah.

Nach der es Entstehung eines Traumatas fühlt man nur ein paar Stunden...

 

Mir wurde klar das ich nur deswegen heulte weil ich nicht von dem mir feindlich gesinnten, ungeliebten Ehemann zu meinen mir feindlich gesinnten, trotz allem so sehr geliebten "Eltern", flüchten durfte. Was für ein Irrsinn! - Mich packte voll die Wut - und ich beschloss nie wieder zu erlauben das man über mich bestimmt oder mich schlägt. Nie wieder!!

Ich begriff das es um MEIN Leben ging. Und ich wollte unter allen Umständen mein Baby schützen. Die O.P., das Stillen und all der Stress hatten mich sehr erschöpft. Niemand stand mir bei.

Ich brach zuerst innerlich mit denen für die ich bedeutungslos war: Mit pseudo-Eltern und pseudo-Ehemann.


Ich musste sehen wie ich ganz alleine mit allem klar kam. Ich dachte das wenn ich mich in den Schutz der Gesellschaft begeben würde, hätte ich ihre Unterstützung. Um vorher ordentliche Verhältnisse zu schaffen, ließ ich mich scheiden. ( Weil sich aus ökonomischen Gründen ja selten eine Frau scheiden ließ, ging meine Scheidung ganz schnell über die Bühne.) Theoretisch traute ichs mir inzwischen zu. Aber mit einem Neugeborenen und in meinem körperlichen und seelischen Zustand??? 


Und tatsächlich war das genau der falsche Weg um mich in die anständige Gesellschaft zu integrieren. Nun warf mir die fremde dörfliche Gemeinschaft vor das ich meinem armen Baby den Vater genommen hatte. Man lehnte mich ab.

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In den 50gern und 60gern war Ehe und Familie die Norm/Dogma. Alleinstehende Frauen wurden ausgegrenzt und zunehmend diskriminiert. Alleinstehende Mütter litten wegen mangehafter Versorgung dazu auch noch materielle Not.

Während sich noch immer millionen Männer in Kriegsgefangenschaft befanden, waren es die Frauen, die - oft mißhandelt und traumatisiert - vergewaltigt - zusammen mit ihren Kindern, Alten und Verwundeten, trotz Hunger und Kälte, für den Wiederaufbau des Landes sorgten. 


Stammesgeschichtlich ist es die Aufgabe der Männer ihre Familie, die Gruppe, zu schützen und ihr kleines Territorium zu verteidigen. Evolutionär ist es zu keiner Zeit sinnvoll Frauen psychisch zu unterdrücken, oder zu schlagen.

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Ich war nun mit meinem Kind alleine in meiner kleinen Wohnung. .

Meinen Mann und mich zu unterhalten, war eine Sache, mich mit Baby, eine völlig andere. Weil es  mir gegenüber einer Kapitulation gleichkam - wollte ich erst mal andere Wege versuchen bevor ich staatliche Unterstützung annahm. (Außerdem wusste ich sowieso nicht wie ich da vorgehen sollte.)

Es war mir nicht klar wie sehr mein Baby und ich in der Bredoullie steckten.


Doch das Glück lauerte schon! Ich lernte kinderlose Tageseltern kennen die sich liebevoll um mein Baby kümmerten, während ich für eine Großkantine zentnerweise Kartoffeln schälte und nach Feierabend in einer gemütlichen Kneipe die Gäste bediente. Doch leider war eine berufstätige Frau alles andere als "normal". Die Insulaner mobbten mich. Ich hielt den Druck nur wenige Monate aus - und heiratete meinen alles bereuenden - und mir vertrauten Ex-Mann ein zweites Mal und erkannte erst jetzt wer und wie er war: Ein Blender mit Kontrollzwang und ein Moralapostel. Wie er sagte hatte er sich nun vorgenommen einen einigermaßen ordentlichen  Menschen aus mir zu machen. Er warf meine kostbaren Malfarben in den Mülleimer, verbot mir jede eigene Idee und bestimmte - nein befahl - bla, bla, bla... Zwei Wochen später reichte ich die Scheidung ein, vier Wochen danch waren wir wieder geschieden.Er zog wieder aus.

Meine Babysitter bedrängten mich, sie wollten mein Kind für immer behalten. Ich dachte ich ersticke ohne mein Kind und lehnte freundlich ab.

 

Nicht mal 22 und schon zwei mal geschieden, war in den frühen Sechzigern mit seinen strengen moralischen Konventionen das gesellschaftlich endgültige AUS -  mit Kind erst recht.

Na und? - dann heirate ich eben erst recht NOCH MAL - Ihr Blödmänner!  Ich nahm mir vor den ersten Junggesellen der an meiner Tür klingelt zu bezirzen - und zu heiraten damit er uns versorgt. Es klingelte ein lediger Vertreter für Staubsauger und Kühlschränke. Ein ehemaliger Prokurist aus Crimmitschau. Ein total lieber Alleskönner - wenn er nüchtern war. Wir verließen die Insel. Weil er nur in Hotels wohnte, fanden wir Obdach in der Scheunendurchfahrt seiner Bekannten. Es waren Mormonen, die mir dabei halfen es in der riesigen Halle gemütlich zu machen. Weil der Fußboden aus Lehm bestand, legte ich Klinkersteine unter die Bettbeine. Wasser gabs aus der Pumpe, die Toilette war die offene Wiese. Dort grub ich etwa einen Meter tiefe Löcher. Wenn so eine "Naturtoilette voll war, legte ich einen passenden Grassoden obendrauf und markierte ihn mit einem bunten Stein. Wenn ich zurückdenke gehört diese Zeit  - eine Zeit in der ich nicht tiefer sinken konnte - zur allerschönsten meines Lebens. Ich mochte meinen leichtsinnigen und witzigen Mann. Er war stolz auf "seinen" Sohn. Wir freuten uns auf unser gemeinsames Kind und sparten für eine kleine Wohnung.

Als mein Baby geboren war, trank er mehr und mehr. Ich packte meine Kinder ins Auto und fuhr durch die Dörfer um Geld zu verdienen. Ging von Tür zu Tür. Verkaufte Staubsauger und Kühlschränke.

 

Er kam wegen Fahrens unter Alkohol und ohne Führerschein ins Gefängnis - ich merkte das ich wieder schwanger war, ließ mich scheiden und bilanzierte:  

Ich war 24, hatte zwei Kinder, war im dritten Monat, war innerhalb von vier Jahren drei mal geschieden, hatte einen Führerschein, ein bezahltes Auto, eine Wohnung - die mir gekündigt wurde - und 14 000 Mark Ersparnisse - die ich nicht mit ihm teilte, sondern ihm vollständig überließ nachdem er mich bedrohte. Unterhalt für mich/meine Kinder, bekam ich übrigens nie von einem meiner Ex-Männer. Der Staat sprang damals nur unter bestimmten Bedingungen ein. Doch "meine Väter" lebten. Ich hätte für sehr viel Geld zum Anwalt gehen müssen.

Ich glaube rückblickend, dass mich das nicht so interessierte. Meine Angst das die Väter ihr laufendes Besuchsrecht wahrnehmen würden und mich dabei wieder schikanierten, war zu groß. Ich musste mich unsichtbar machen.

Ich sicher das ich meine Kinder schützen, ernähren und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten konnte. Immerhin war ich die Tochter eines weltbekannten Mannes.


 

Ich schaffe es alleine!

Meine Voraussetzungen waren toll: Ich hatte mir bewiesen das ich Geld verdienen konnte. Es hatte ja immerhin für mich und meine Ex-Männer gereicht. Ich hatte ein realistisches Bild von meinem Können, war putzmunter und gesund und platzte schier vor Energie. Kein Wunder, ich hatte ja auch den schönsten Ansporn den es gibt: Mein Körper hatte mir quasi meine eigene Familie geboren - und bald würden wir zu viert sein!

Ich fühlte mich sooo reich: Ich hatte Lebewesen die mich brauchten, für die ich sorgen durfte und vorbehaltlos lieben ... Oh ja, ich liebte sie und mich und mein Leben - egal wie es gerade war, jede Gegenwart ist doch nur eine Momentaufnahme. Endlich war ich wirklich frei, endlich fühlte ich keine bedrückende Last im Herzen!

Und je länger ich mir mein großes Glück vorstellte, umso mehr freute ich mich auf meine neue Zukunft und begann vor lauter besessener Liebe zu allen Kindern, zu allen Tieren, zu allen Menschen, Pflanzen, zu allem allem allem auf der Welt, nur so zu strotzen. 

 

 

 

 

                                 GELIEBTES LEBEN!!!                                         

Was bedeutete es noch was wer mir einmal vor "tausend Jahren" getan hatte...? Schließlich war ich es die anders tickte und nicht sie. Ich wollte endlich so sein wie ich war - wie immer ich war... Ich hackte am Schwanz meiner Vergangenheit und genoss meine Kinder die mich zu Toleranz erzogen und Freundlichkeit und Opferbereitschaft. Ich finde das eine glückliches Kind für alle Mühen entschädigt.

 

Womit ich im Einzelnen unseren Unterhalt verdiente, war mir egal, absolute Bedingung war das ich praktisch non stop zuhause bei meinen Kindern sein konnte. (Übrigens schliefen wir alle so lange allemann in einem Bett bis wir nicht mehr hineinpassten.)  

Während wir uns ganz doll auf unser Baby freuten, sprudelten

meine kreativen Ideen: Ich baute unsere Möbel, bastelte Spielzeuge, nähte und strickte Teddys und Püppchen. Beriet telefonisch und kostenlos Homosexuelle bei ihren Problemen. (Damals waren sie noch gesetzlich durch den § 175 geächtet.)

Vermittelte für eine Provision Waren aus zig Versandkatalogen und auch gleich Kleinkredite einer Bank, damit meine Kunden ihre Waren auch bezahlen konnten.

Doch in erster Linie nähte ich Damen-u. Herrenmaßkleidung für Körperbehinderte.

Dazu züchtete ich kleine Leoparden für die Arterhaltung.

Sammelte Hunde und Katzen die in Tierheimen getötet werden sollten und verkaufte sie gegen Schutzgebühr - in liebe Hände.

Verkaufte Ziegenkäse von eigenen Tieren.

Sammelte - obwohl es verboten war - für unsere Bekleidung, Bettwäsche und sonstigen Haushaltstextilien heimlich die Altkleiderbeutel ein die meine Nachbarn periodisch vor ihre Haustüren stellten und nähte  daraus alles was wir benötigten. Dabei lehrte ich meinen Kindern - unabhängig vom Geschlecht - das Nähen: Ab vier Jahren saßen sie an der el. Nähmachine und lernten an Zeitungspapier gerade Linien zu nähen. 


Ich probierte jede neue Geschäftsideen aus und blieb dann bei den lukrativsten.


Im laufe der Jahre passte ich meine Einkommensquellen den sich verändernden Bedürfnissen meiner Kinder an: Mietete die erste Wohnung im desolaten Zustand. Restaurierte sie, richtete sie komplett mit gebrauchten und künnstlerisch verschönerten Dingen ein und verkaufte sie so wie sie war (mit Erlaubnis des Besitzers.) mit gutem Gewinn und zogen wieder um in eine sanierungsbedürftige Wohnung.  

Parallel schmuggelte ich Antiquitäten über Landesgrenzen, bemalte Fensterläden mit Bauernmalerei, u.v.m.

Finanziell und Psychisch ging es uns sehr gut! 

Für soziale Kontakte hatte ich keine Zeit.


Mit 29 Jahren baute ich uns eine Gartenlaube aus ollen Holzpaletten. Dies war der erste Hinweis darauf das ich meine bisherige Strategie des Geldverdienens bald ändern würde.


In dieser Zeit nahm ich zum ersten mal nach der von ihnen vermittelten Hochzeit Kontakt zu meinen Eltern auf. Als ich ihre Hilflosigkeit erkannte, taten sie mir so leid. Ich zog in ihre Nähe, bezahlte ihre Schulden - und zog nach zwei Jahren weiter. Meine kleine Schwester nahm ich mit. Nun hatte ich fünf Kinder.


Meine erste Freundin: Von allen Nachbarn hielt nur eine zu mir: Eine üppige Zigeunerin mit struppigem Haar um die dreißig vierzig, oder so..., mit nur einem Zahn im lachenden Mund die nie genau wusste wie viele Kinder sie gerade hatte. Sie war absolute Klasse. Wir beide standen einander so bei wie es sich für Menschen gehört. Ich lernte von ihr wie sich ihr Sohn schminkt und sein Geschlecht tarnt bevor er als spärlichst bekleidete Tänzerin in Bars auftrat, und das man stellenweise die Bretter aus dem Küchenfußboden reißen und verheizen kann, wenn das Geld nicht für Kohlen reicht. Unsere Kinder und Tiere waren unser Reichtum.   

Eines Tages hatten wir Grund jemanden zu verprügeln. Doch bei tiefster Dunkelheit stürzten wir uns aus versehen auf einen Einbrecher an den wir uns bei Helligkeit wegen seiner Größe niemals herangetraut hätten. Die Prügel die wir für den Pädophilen geplant hatten weil er versucht hatte sich an zwei meiner Töchter zu vergreifen, mussten wir auf den nächsten Tag verschieben. Doch am nächsten Morgen fanden wir ihn nicht. Später erfuhren wir das er sich in der Nacht erhängt hatte.  


Inzwischen hatte ich mich so weit entwickelt das ich überhaupt keine - bewussten - seelischen Altlasten mehr mit mir herumschleppte. Ich konnte jederzeit emotional unberührt über meine Vergangenheit reden als sei sie eine Einkaufsliste.


Ich lebte jetzt. Und ich konnte mich hundert Prozent auf mich verlassen!!! Warum sollte ich mir Sorgen machen was mal irgendwann irgendwo passiert war! MIR WURDE BEWUSST DAS NUR DER MOMENT ZÄHLT. Das meine Lebenszeit das kostbarste überhaupt ist. Diese Erkenntnis habe ich bis heute nicht aus den Augen verloren und verschleudere sie bewusst nicht mit unnötigen  Lebenszeitfressern wie z.B. Menschen die immer nur jammern weil sie nicht erkennen wie gut es ihnen geht, - allein schon weil sie leben dürfen.


Wenns mir mal wirklich schlecht ging, wählte ich den kürzesten Weg den es gibt: Den gedanklichen Weg zu meinem genetischen Vater. Er hat mir mein Leben geschenkt und seine Talente und ist dann gestorben ohne das wir einander kennenlernen durften. Bis heute erfüllt mich eine tiefes Gefühl für so unglaublich viel und stärkt mir den Rücken.

 


Vielseitige Talente. Meine Kinder wurden älter. Sie hatten Tiefen kennengelernt, und das man sie mit eigener Kraft überwinden kann.


Es wurde immer schwieriger für mich gleichzeitig Geld zu verdienen und sie gesund durch die Pubertät zu bringen. Außerdem wurde es Zeit das sie Selbstverantwortung lernten und was es bedeutet für sein Geld zu arbeiten. Darum lieh ich mir Mitte der Siebziger von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Berlin, 90.000 DM. Ohne Zinsen und ohne Sicherheit! Dazu druckte mir eine jüd. Druckerei ein Jahr lang kostenlos alle im Hotel benötigten Drucksachen.  

Super! Ich büffelte Hotel- u. Personalführung, Lebensmittelvorschriften, lernte grundlegendes Englisch, Norvegisch und Holländisch, weil mein zukünftiges gepachtete Hotel im Schwarzwald überwiegend von Klientel aus diesen Ländern bewohnt wurde.

Um das Hotel unkonventionell zu gestalten, bemalte ich Sperrmüll-Möbel mit Bauernmalerei und stellte sie in Gästezimmer. Zusammen mit meinen Kindern und vielen engagirten Angestellten managten wir das gutgehende Hotel im Schwarzwald sechs sehr erfolgreiche Jahre.  


Weil ich Menschen aller Fazetten liebe und täglich witzige Momente mit ihnen erlebte, erinnere ich mich besonders gern an diesen unglaublich amüsanten und arbeitsreichen Lebensabschnitt. Je höher die Anforderungen umso mehr machte es mir Spaß, so ist es heute noch. Je mehr ich zu tun habe umso mehr drehe ich auf. Rund 80 Gäste täglich. Oft auch weit über hundert. Viele Nationen, Altersgruppen, Berufe Tag und Nacht erleben zu dürfen ist ein toller Gewinn. Große und kleine, anspruchsvolle, bescheidene. Freundliche, eingebildete, natürliche. Müde, leise, mürrisch am Frühstückstisch, laut und fröhlich beim Abendbrot.

Dazu all die vielen, vielen menschlichen Probleme die sie mir anvertrauten und wir dann manchmal auch gemeinsam lösen konnten. Wo viele Menschen sind, ist immerzu was unvorhergesehenes los. Absolut toll.

 

Als sich bei drei meiner Kinder die Pubertät verstärkte, kam viel Extraarbeit auf mich zu und mehr Sorgen um sie wenn sie Nachts nicht pünktlich zuhause waren. Ihr oft leichtsinniges Verhalten führte dazu das ich dauernd unverhofft hinter ihnen herfahren musste um sie zu suchen. Mal fand ich sie nachts in Discos, mal bei irgendwelchen Freunden die ich nicht kannte.

Meine Zeit und Kraft reichte nicht aus für alle meine Aufgaben. Also schnappte ich mal wieder mein Kleinkind, den Affen, die Katze, das Meerschweinchen, das Kaninchen, die vielen Koffer, und - ach so ja - meine drei Jugendlichen - mietete zwischendurch mal wieder eine marode Wohnung, sanierte und gestaltete sie wie gehabt. Verkaufte sie nach zwei Jahren und begann von vorn. Es war eine spannende Zeit und Geld hatten wir auch mehr als genug.  

 

Angespornt durch meine Erfolge begann ich Mitte der Achtziger meine Grenzen zu erweitern und kaufte mein erstes eigenes marodes Haus - per Barzahlung.


Mir war klar das mein prickelndes Gefühl von einem Risiko ausgelöst wurde auf das ich mich wieder einmal  einließ ohne zu wissen wie es ausging.  Siegesgewohnt ließ ich mich hinreißen. 


Weil das Haus 120 Km.von uns entfernt war, ich die Kinder nicht alleine lassen wollte, konnte ich das Haus nicht besichtigen. Also schickte ich dem Makler eine Kauf-Vollmacht, überwies ihm den kompletten Kaufpreis und er kaufte das Haus für mich.  

Bei unserem Einzug einige Monate später, sahen wir es zum ersten mal. Meine Güte - das war spannend! Wie vermutet hatte der Makler zu seinem Gunsten übertrieben. Der Zustand des Hauses befand sich hart an der Schmerzgrenze des Machbaren. WAS für eine Herausforderung - ich war glücklich - und fing einfach irgendwo an. Sanierte, renovierte, gestaltete wie gewohnt.

Lebte dort eine zeitlang, verkaufte fdas Haus mit Gewinn und zog mit allen Kindern, Tieren und Koffern ins nächste desolate Domizil.



Weil mir durchgehend konventionelle Ansprechpartner fehlten, war ich trotz all meiner Erfahrungen absolut weltfremd in bezug auf alltägliche  Gedankenmuster. Stattdessen war ich Vollprofi des improvisierten Lebens - und bin es noch heute. 



Mein Interesse drehte sich um drei Achsen:

.   Verantwortung und Fürsorge für meine geliebten Kinder. Im Mittelpunkt meiner Erziehung stand Liebe und Konsequenz. Denn meine selbstgesetzte  Aufgabe war sie zu lebensstarken Menschen zu machen. (Was mir auch gelungen ist!)

.   An zweiter Stelle stand mein stets drängelnde Bedürfnis nach Umsetzung meiner kreativen Ideen zu stillen.

.   Geld verdienen.

Diese drei Pfeiler bestimmten mein Dasein. 

Meine gedanklichen Kontakte zu meinem leibl. Vater  sowie mein erfolgreiches Leben halten bis heute meine Lebensfreude durchgehend auf hohem Niveau. 





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Kinderreich:

Ich war 49, meine vier Kinder waren junge Erwachsene. Für den Fall das sie alle wegen ihrer Studien das Haus verlassen würden, wollte ich es verkaufen und einige Jahre nach Südafrika gehen um dort bei der Aufzucht aussterbender Raubtiere zu helfen. Doch was stattdessen geschah, erscheint mir heute wie der Höhepunkt eines Filmes, denn mir begegnete ein Witwer mit fünf Kindern in Not. HALLO! was für ein sanfter Mann!!

Gleich am nächsten Morgen holte ich seine Kinder in mein Haus und Wochen später wohnte auch "er" bei uns. Drei Monate danach war ich mit ihm und seinen fünf tollen Kindern verheiratet. Das Jüngste war noch ein Windelkind.


Das er zu meiner allergrößten Herausforderung werden würde, ahnte ich nicht, denn bei der Hochzeit hatte er mir das Kleid seiner gestorbenen, alkoholkranken Frau übergestülpt. Und somit seine Erwartungshaltung in Bezug auf ihre suchtbedingten aggressiven Verhaltensweisen ihm gegenüber. Er ist ein Mann der bis heute Angst vor mir hat. Der keine echte Nähe ertragen kann...


Riskante Momente. Meine hoch belastete Kindheit und meine ersten traumatischen Gehversuche als junge Erwachsene - und darüber hinaus - sind heute nicht mehr als unglaublich viele turbulente Erinnerungen. Negative Spuren haben sie deshalb nicht hinterlassen, weil ich immer wieder - selbst aus größtem Schlamassel - als Siegerin hervorging.

Bis heute gräbt sich eine negative Erfahrung nur kurzfristig in meine Seele und was Probleme angeht so sehe ich sie weniger als Krise denn als Herausforderung.



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Zusammenfassung: Meine hoch hängende Stresslatte (Resilienz) hat den Nachteil das ich eine Gefahr spät erkenne. Dadurch begab ich mich oft in gefährliche Situationen.

 Ein paar Beispiele:

.   Weil die Sonne schien, dauerte es fast zu lange bis meine blinzelnden Augen erkannten das es sich etwa zwanzig Meter vor mir nicht um eine Schlägerei handelte, sondern das ich zufällig Zeugin eines Mordes wurde. (Ich wurde gesehen und tauchte eine Weile unter.)


.   Einige Monate half ich unter Lebensgefahr dem deutschen Staatsschutz (BRD) und konnte den Mord an einen Arzt verhindern.


.   Weil ich nichts von ihm wissen wollte bedrohte mich mehrere Monate ein Narzist mit Psychoterror. (Das war echt gruselig!)


.   Weil ich nach meiner Scheidung von ihm nicht wieder zu ihm zurückkommen wollte, versuchte mein erster Exmann meine Kinder und mich in der Nacht mit Gas zu vergiften, weil ich mich von ihm scheiden lassen wollte. Ich wachte rechtzeitig auf. 


.   Mein zweiter Ex-Mann stalkte mich drei Jahre lang. Selbst eine Gerichtsauflage hielt ihn nicht ab. Eines Tages hatte ich die Nase voll! Ich lauerte nun ihm auf. Sprang vor, schubste ihn an die nächstbeste Hauswand und bedrohte ihn mit einem Hammer ... Er rannte weg - ich sah ihn nie wieder...  

 

Nachwort:

Ich müsste lange überlegen was ich noch nicht erlebt habe. Meine Güte, ich habe so viele fantastische Erinnerungen, habe so unglaublich viele unkonventionelle Erfahrungen gemacht. Hatte so tolle Begegnungen. Möchte keine Sekunde löschen. O, Mann... das Leben ist nach jedem überwundenen Tief so wunderbar LEICHT...


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Plötzlich wurde ich "eine Künstlerin".

Denn auf einmal nannte man das was ich schon immer machte, "Kunst".


Nach durchgehend 40 Jahren aktiver Mutterschaft, davon 30 als Alleinversorgerin, verließ unser letztes Kind das Haus. All die vielen Jahre hatte ich meine Kreativität nutzbringend  für die Familie eingesetzt, und nun hatte ich auf einmal Zeit für mich und begann schon einen Tag später das zu tun wovon ich immer heimlich geträumt hatte: Wie damals als Kind völlig unnütze Figuren zu formen...


Wie meistens wohnten wir einsam und hatten ein großes Grundstück. Das war nur gut so, denn schon nach wenigen Monaten standen mehr als hundert lebensgroße Figuren aus Holz und Beton herum. Einfach so. Die Zeit meiner absoluten Freiheit und Zufriedenheit begann, denn ich war endlich angekommen. Schrieb in kürzester Zeit ein erfolgreiches Buch über Katzen, malte ein Kinderbuch, wuselte durch mehrere Kunstbereiche hin und her und gleichzeitig. GELIEBTE FREIHEIT. 

 

 

 

 

 

Als Ende 1997 eine Frau, eine Kunstexpertin mit eigener Galerie in unser Haus kam und all die bunten Möbel und Figuren und Bilder und Keramik - all die vielen, vielen Sachen aus Gebrauchtem sah, erfuhr ich zum ersten Mal das all das Kunst sei und ich somit eine Künstlerin. Diese Bezeichnung befremdet mich bis heute.


Na ja, jedenfalls war die fremde Frau keine geringere als Marianne Kühn, Witwe von Ministerpräsident Heinz Kühn, mit eigener Galerie in Köln. Zuerst "entdeckte" sie mich und bald darauf auch der ehem. Direktor der Kölner Städt. Museen, Günter Ott. Die beiden taten sich zusammen, - ich machte neugierig mit. Kunstexpertin M. Kühn war so begeistert das sie der Presse wörtlich sagte das ich "...eine der authentischen Naiven von denen es pro Jahrhundert höchstens einen gibt..."  sei. Sie lud 800 Personen aus Kunst, Politik und Wirtschaft in ihre Galerie ein. Es war meine erste Vernissage. Ich war 58 Jahre alt und hatte null Ahnung von all dem...


Knapp zwei Jahre später feierte ich einen privaten Geburtstag bei dem ich auch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau persönlich kennenlernte - ich durfte in viele gütige Herzen großartiger Persönlichkeiten beider Geschlechter schauen. WAS für eine schöne Erkenntnis! Trotzdem konnte ich mich nicht mit meiner Rolle identifizieren. 


Man machte mich international erfolgreich. Erst in Europa, dann in Amarika. Schon wurde die erste  Figur nach China verkauft...

Meine Arbeiten befinden sich heute in in-u. ausländischen Museen. Einige meiner Werke gehören zur größten Naive-Kunst- ammlung der Welt die im Schloß Bönningheim untergebracht und zu sehen ist.


Ich hatte größte Chancen reich und berühmt zu werden. Was immer das bedeutet außer laufende Präsenz in der Öffentlichkeit - also Stress. Ich finde das Reichtum  nur den glücklich macht der bis dahin unzufrieden war. Mit Geld kann man sich mehr leisten. Aber was sollte ich mir z.B. denn leisten? Meine stärksten persönlichen Bedürfnisse - Kreativität - kann ich mir jederzeit kostenlos erfüllen. Und was meine sozialen Kontakte und somit wunderschönen Momente mit mir zugewandten Menschen angeht, die habe ich inzwischen kostenlos gefunden.


KUNST

  

Frau Kühn wurde meine Managerin, sie half mir wo sie konnte. Alles was mit der praktischen Umsetzung zu tun hatte, war mein Part. Um die wachsende Nachfrage von Sammlern und Museen im In- u. Ausland bedienen zu können, werkelte ich mit Hochdruck viele, viele einzigartige Exponate. Mein Traummann stemmte sich gegen mich - ich war ihm fremd... Also organisierte ich alleine. Holte Material, werkelte, telefonierte, führte Reisebusse voller Besucher durch unser 250 qm2 großes Haus, versorgte den Haushalt und die Tiere, katalogisierte, beantwortete haufenweise Fanpost - MIT DER HAND!! Stellte Exponate für gleichzeitig laufende Ausstellungen zusammen, bemalte Figuren, fotografierte jede, werkelte wieder neue - war auf Reisen - versorgte den Haushalt, und sägte mir mit der Kreissäge in vier meiner Fingerkuppen. Später geriet die laufende Handbohrmaschine so nahe an mein Chirt das sie sich fest einwickelte und mir vier Vorderzähne ausschlug.



 Ich bin wie ich bin.

Sechs Jahre lang funktionierte ich. Ließ mich treiben von einem "Erfolg" zum Nächsten. Dann hörte ich endlich meiner inneren Stimme zu und mir wurde klar das ich etwas anhatte das alle - außer mir - bewunderten.


Ich ließ die bestehenden Ausstellungen auslaufen, nahm keine neuen mehr an und zog mich schrittweise aus der Öffentlichkeit zurück. Kurz danach verkauften wir unser viel zu großes Haus und zogen in den Osten - in unsere Heimat.

Natürlich ist auch dieses Haus ein authentisches Gesamtkunstwerk. Genau so vielseitig und ausdrucksstark wie meine Biografie. 

 

Meine Werke entstehen spontan. Weil sich jedes Motiv gleich nach Arbeitsbeginn verselbstständigt kann ich weder fremde noch eigene Ideen kopieren. Also viel Bauch - wenig Hirn, hihi...

Kein Geld, kein Ruhm bewegt mich emotional so sehr wie das Umsetzen meiner Einfälle. Dann lebe ich in meiner Welt. Darum ist jedes Werk ein Medium um mir ins Herz zu sehen. Intimer kann weder Verbal - noch Körpersprache sein.    

 

Ich hinterfrage und annalysiere gerne, gehe nach wie vor selektiv mit  meiner Lebenszeit um, bin stets bereit für neue Aufgaben, oder stoße welche an. Bei ärgerlichen Sachen warte ich nicht bis sie mich belasten, sondern erledige sie sofort. Ich finde das es meistens nur unsere BEWERTUNGEN sind die uns und andere stressen. Der Druck der Gesellschaft. Doch in erster Linie unser eigenes Klischeedenken, obwohl wir alle ganz eigene und einmalige Persönlichkeiten sind.

Nicht mehr und nicht WENIGER!  

 









Obwohl ich keine Angst vorm Sterben habe, finde ich es trotzdem ziemlich schade das es so sein muss. Na gut, wenns dann so weit ist, - was noch lange dauern wird, weil Gott, mein Vater, bestimmt keine Lust auf Möbel aus Sperrmüll-Fragmenten im Disneylook im Himmel hat - und mich deswegen noch ein zwei Jahrzehnte übersieht. Bis dahin genieße ich jeden Tag. Wenn`s dann aber DOCH so weit sein sollte - dann werde ich mich in seine Arme werfen und mich glücklich lächelnd bei ihm für seine großzügige Gastfreundschaft auf Erden bedanken.

Und für den guten Deal

Denn nach meiner Kosten-Nutzen-Rechnung ist leben zu dürfen das allerbeste Geschäft meines Lebens, denn ich war jeden Tag im Plus - doch das merkte ich meistens erst im Rückblick.



Meine Grundstimmung? - GELIEBTES LEBEN!!!

Zukunftsangst? - JA, - habe ich, ... wenn ich mir vorstelle das es plötzlich kein Recyclingmaterial mehr gäbe ... (-:

Einen Wunsch?  - JA, - das Putzen müsste abgeschafft werden. Ich finde das es zu den unnötigen Lebenszeitfressern gehört. Wir müssten nur alle die gesellschaftliche Schmutzgrenze erhöhen - und schon brauchten wir nur noch einmal monatlich zu putzen.  

Meine Beziehung zu Geld? Ich habe so viel wie ich brauche - und ich brauche so viel wie ich habe. Also reicht es immer. 

Was man ändern sollte: Es wäre schön wenn Kriege von den Regierenden ausgefochten werden. Wie 20 Km Dauerlauf miteinander

Was ich überwiegend fühle?

Mein Leben ist so schön das ich zu nichts anderem mehr komme!  

Ach ja... emotionale Musik während ich werkele ist für mich Leidenschaft pur ...


Eine meiner Blitzzeichnungen - auf einem abgerissenen Blatt eines Notizblockes.  Gehirn abschalten, einfach tun - und dann  wundern.  Meine Interpretation: Spiegelbild meiner engen Symbiose Mensch-Tier-Pflanze =LEBEN.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Monster Mammi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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