Holzabfall

 

 

   

 

 

 

 Idee!- Katzen mögen hohe Sitze.

 

 

 

 

 

 

 






 

 Auf einer Seite siehst du eine Teufelin und auf der anderen einen Teufel. Beide sind die selbe Figur.



 

Unten: Manchmal muss man Mauern einreißen...                                                                       Rechts: Telefone + Beton = Telefonkatzen. Wenn man die Wählscheiben dreht,  "schnurren" sie ...                                                                                             



Meine neuste Idee - Katzenstreu-recycling - habe ich nun seit März 2018  erfolgreich ausprobiert.

Für die Grundausstattung brauchst du pro Katze 5Kg ganz normales Katzenstreu. Nicht zu schwer und nicht klumpend. 

Zuerst nagelst du ein rechteckiges Lattengerüst zusammen und tackerst  eine olle, durchsichtige Gardine darauf.

Wir haben zwei Katzen, unser "Sieb" ist 0,70 X 1,60 groß. Je kleiner umso öfter müsstest du das Streu umwälzen.

Damit das fertige Gestell nicht die Erde berührt, legst du es auf flache Steine, oder was du sonst so findest. 


So bald du das Pipistreu aus der Katzentoilette erneuern möchtest, schüttest du es auf die Gardine und verteilst es gleichmäßig. Wenn dus ab und zu ümrührst, kannst du einerseits so viel Streu draufschütten wie Gardine und Latten aushalten, - andererseits sollte noch Regen hindurchfließen können. 

Der Clou des ganzen: Der Regen wäscht das Pipi raus. Das  Amoniak (das den Geruch verursacht,) verfliegt. Und die Sonne desinfiziert alles.

Wenns getrocknet ist, schüttest du es zur Wiederverwendung in einen  Behälter. 

Ein kleiner Einblick

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 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Rechte Spalte: Vorher Stiefel-, nachher Handtaschenzierde.

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Elke Schetzing, eine Nachbarin von ganz früher:

Renate war schon immer anders. Ihr soziales und ökologisches Engagement war früh ausgeprägt. Schon als dreijährige setzte sie sich für eingesperrte Tiere ein. Schon damals war sie couragiert. Schlich auf Bauernhöfen herum, öffnete Stalltürriegel und jagte Schweine, Kaninchen und Geflügel hinaus in die Freiheit.  

Um ihnen die mühsame Suche nach Blüten zu ersparen, fing sie Hummeln, rannte mit ihnen in der Faust zur nächsten Blüte, setzte sie vorsichtig ab und flitzte los um die nächste zu fangen.

Viele Jahre später fand sie mal ein verlassenes Mausenest und fütterte mit ihren Kindern die sieben Mäuslein alle zwei Stunden mit einer Pipette bis sie selber fressen konnten.

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Ich werkele ausschließlich einzigartig. Diese "ERDENMUTTER" habe ich mit Wollresten im Grobstich gestickt. Die Wollmenge der benötigten Farben bestimmte - wie bei allen Arbeiten mit Resten - das Motiv.


 Der Vorleger besteht aus Woll-, Stoff- und Filzresten.  



BIOGRAFIE:

Vorwort. Ich habe so gut wie immer "pie mal Daumen" gelebt, gelernt und entschieden. Meine Stärke ist das emotionale, technische und praktische lösen von Problemen in allen noch so schrägen Lebenslagen. 

Meine Biografie besteht aus unkonventionellen Herausforderungen und ihren unüblichen Lösungen. 

Sie ist vielfältig und voller Superlativen - ganz genau so ist auch meine Kunst. 


Wie alt ich jeweil war als ich folgende Kinderbilder zeichnete weiß ich nicht mehr. Sie entstanden in Dänemark.  



Als ich zur Welt kam herrschte Krieg. Mein Vater war Stellmacherlehrling - selbstständig - Flugzeugmechaniker - Pilot - Geschwaderführer - Hauptmann. Er starb den Soldatentod mit nur 26 Jahren. Ich habe ihn nie kennengelernt. Ich bin sehr traurig das ich das nicht ändern kann.


Als ich noch ein Mini war, fiel mein Vater.

Irgendwann flüsterte mir ein alter Mann aus dem Dorf zu das mein Vater nun im Himmel sei... "Im Himmel? -  da wohnt doch nur Gott mit seinen Engeln?" Der Mann sah mir tief und vielsagend in die Augen... Ahnungsvoll rannte ich zu Mutter und fragte sie ob ich Gottes Tochter sei. Ihr Blick streifte mich, sie nickte flüchtig.

Es schien sich wohl einerseits um ein Geheimnis zu handeln, andererseits um eine Bestätigung. Ich entschied mich für die zweite Version.

WOW - ich war Gottes Tochter!

Mein Vater wurde und ist noch heute mein esoterischer Dauerbeschützer.




Mutter erzählte sie wurde mit meiner Schwester und mir aus Pommern vertrieben.

Fliegeralarm, heulende Bomben, Explosionen, Luftschutzkeller, überall herumliegende Leichen und verstümmelte Menschen die sich irgendwie auf den Straßen mit selbstgebauten Fahrgestellen fortbewegten, gehörten genau so zu meinem ganz normalen Kinderalltag wie blühende Wiesen und Dorftümpel in denen ich tief beeindruckt beobachtete wie Kaulquappen zu Fröschen wurden, sowie weitere Wunder der Natur. Dort, und auf den Viehweiden, war mein Herz und meine Welt.


Mutter kenne ich nur mal besonders fröhlich - mal besonders traurig. Meistens Antrieblos. Ihr Mann war im Krieg und wer weiß was sie auf der Flucht erlebt hatte. Ich fühlte mich sehr früh für sie verantwortlich.


So weit ich zurückdenken kann fiel Mutter immer wieder eine Story ein warum ich nicht ihre Tochter sei. Und wie sehr sie enttäuscht darüber sei das ich kein Junge war.

Als ich Baby und Kleinkind war, nannte sie mich "Hans" und gab mich als Jungen aus.




Bis ich fünf war, wohnten wir in einem Dorf im Harz. Einmal kamen zwei durchgegangene Ochsen die Dorfstraße heruntergebrettert. Überall rannten und schrien Leute. Statt mich zu verstecken, stellte ich mich   mitten auf die staubige Straße und breitete meine Arme aus. Ob es meinetwegen war, weil die Tiere mich sehr gut kannten, oder ob sie einfach nur müde waren - jedenfalls wichen sie in den Graben aus und blieben dort schnaufend stehen. Die Dorfbewohner nannten mich nur noch "Hexe". Auch Mutter nannte mich von da an ausschließlich so. Erst als Erwachsene nannte sie mich wieder bei meinem Vornamen. Mir wars egal.   



Wegen schwerer Hüftdysplasie humpelte ich stark und war ich mir meistens selbst überlassen. Dann spielte ich mit Rindern, Ziegen, Schafen und Pferden auf nahen Höfen und Wiesen. Wenn ich müde war, kuschelte ich mich an ihre weichen Euter. Im Laufe der Jahre prägten sie mich mehr als es Menschen je taten. Tiere aller Arten waren meine engsten Freunde, meine tiefe Verbundenheit ist geblieben. Ich töte kein Lebewesen.


Noch heute fühle ich mich mit Tieren innig verbunden. Ich habe Kontakt zu ihren Gefühlen, lese in ihren Augen und Gesichtern. Leide tief, fühle mich hilflos, und greife ein wenn sie schlecht behandelt werden. Tiere, besonders Säugetiere, betrachte ich aus Augenhöhe. 



Am liebsten stöberte ich in Müllhaufen und den Trümmern zerbombter Häuser herum und fand dort Dinge die Menschen gehört hatten. Es berührte mich schon damals tief das all die guten Sachen nun so zerfetzt herumlagen und ich begann daraus zu gestalten. Schon damals konnte ich aus allem was ich so fand etwas machen. Mein Respekt vor gebrauchten Dingen ist bis heute geblieben. Meine LeidenschaftUnd meine Leidenschaft zur Zweckentfremdung auch.



Wie es alle kleinen Kinder gerne tun, probierte ich alle möglichen Pflanzen. Die bitteren spuckte ich aus, die anderen aß ich. Manchmal gelang es mir aus den Gemüsemieten der Bauern etwas für mich und meine Familie zu klauen. Ich wurde trotz größter Hungersnot einigermaßen satt. 

 

 


Wir wohnten nun in einer Stadt. 1. Etage, drei-Zi.-Wohnung, Toilette auf  Treppenabsatz. Weil all die Kriegsflüchtlinge ein Dach über dem Kopf brauchten, wohnten drei Familien in je einem der drei Zimmer. Die Küche wurde von allen benutzt. Es kan zu Schlägereien zwischen den Frauen der drei Parteien.


Auf den Strassen und Wegen fand ich richtige Schätze: Heftzwecken, Gummiringe, Wäscheklammern, Nägel, Münzen, Drähte, tolle Steine... Ich versteckte all die Kostbarkeiten in meinem Versteck - dem Plumpsklo und werkelte etwas damit. Auch fand ich tolle Sachen auf der Müllhalde. Doch Mutter war rigoros gegen alles was "ünnütz und auch noch schmutzig" war und verbot mir jede Kreativität.

Doch mein Bedürfnis danach war hoch bis zwingend. In einem verlassenen Plumpsklo draußen im Garten hing vergilbtes Zeitungspapier. Dies bemalte ich mit abgebrannten Streichhölzern. Als ich einmal Schritte hörte, aß ich vor Schreck mein Kunstwerk auf.


Bei Kriegsende war ich fünf. In einem Lazarett lernte Mutter einen verwundeten Automechaniker aus Dänemark kennen der durch deutsche Granaten verwundet war. Deutsche besetzten gerade Dänemark. 


Er war ein einfacher und anständiger und fürsorglicher Mann. In einer Zeit in der ein Apfel ein Himmelreich bedeutete, zauberte er mir beim Gutenachtsagen einen Apfel unter mein Kopfkissen. Holte ihn hervor und schenkte ihn mir lächelnd. Ich mochte ihn sofort.


Doch der Krieg hatte nicht nur seine Psyche ramponiert, sondern auch sein rechtes Bein. Da steckten Granatsplitter drin die immer mal wieder wanderten, eiterten, und ihm tierische Schmerzen bereiteten. Dann rannte er in der kleinen Wohnung herum und heulte wie ein Wolf. An solchen Tagen war er reizbar und streitsüchtig.


Mutter kam "aus gutem Geschäftshaus" - er war Sohn einer Putzfrau.

Mutter bekam eine hohe Offizierspension - er bekam als "Deutschlands Ex-Feind" nirgends Arbeit.


Sie heirateten, ich bekam seinen Nachnamen.

Er sprach kaum deutsch. Weil sie jedoch in Deutschland lebten, weigerte sich Mutter auch nur ein einziges Wort seiner Sprache zu lernen und erwartete von ihm das er schnellstens ihre Sprache lernte. Sein "Kauderwelsch" war ihr unerträglich.


Als er endlich Arbeit als Fernfahrer bekam und oft erst in tiefer Nacht zu  Hause war, zeigten sich erste Anzeichen ihrer sich entwickelnden Feindseligkeiten. Mutters Macht über ihn war der Sex. Vaters Macht über sie war sein "Kauderwelsch". Bald gehörten Schikanen zum Alltag.

Kleinere Handgreiflichkeiten - bis zu brutalen Schlägereien in unserem kleinen Zimmer.

Weil sie sich am nächsten Tag schon wieder vertrugen, einander herzten und miteinander lachten, bildete ich mir immer wieder ein das es von da an so liebevoll bliebe.


Die Kombination der beiden vor dem Hintergrund einer Zeit in denen deutsche Flüchtlinge im eigenen Land  von Landsleuten wie  Eindringlinge schikaniert wurden, war durch Mutters Ehe mit dem "Feind" ohnehin sehr belastet. Dazu kam die allgemeine Ungewissheit. All die Fragen die niemand beantwortete. Es war die Nachkriegszeit in der die Alliierten unser Land aufteilten. In der verhungern, erfrieren, Mord und Diebstahl zum Alltag gehörte. In der Kinder eher eine Last waren. Besonders Mädchen, weil Hitlers Wunsch nach SÖHNEN noch immer in den Köpfen der Gesellschaft - der Mütter - saß.

Und es war die Zeit in der es die Pille noch nicht gab. Die Zeit der vielen privaten Abtreibungen und der an den Folgen krepierenden Mütter. Oft genug nur deshalb weil ihre ausgemergelten Körper nicht auch noch ein Kind im Leib ernähren konnten.




Wir hatten nun die drei-Zimmer-Wohnung ganz für uns alleine. Die Liebe meiner Eltern zueinander zerrieb sich mehr und mehr. Doch statt aufeinander zuzugehen, oder sich zu trennen, bissen sie sich ineinander fest, radierten immer wieder - so ganz spontan - in sich und um sich herum jede Freude aus und huldigten zunehmend den Göttern "Haben" und "Scheinen".


Als ich mich zum ersten Mal in eine Schlägerei einmischte um meiner schwangeren Mutter beizustehen, machte ihn das so richtig wütend. Er ließ Mutter los und schlug nun unkontrolliert auf mich ein.

Später, als die Wohnungstür zuknallte, beugte sich Mutter zu mir runter und schimpfte mich aus. Vielleicht hatte sie Angst um mich.

Oder auch nicht. Denn von da an machten beide mich kleines Mädchen zum Sündenbock für all ihren Frust. 


Nach einem Stellungswechsel war Vater Busfahrer. Nun war er Abends und an den Wochenenden zuhause. Weil nun ihre Kämpfe berechenbar waren, genoß ich die Zeiten der sicheren Ruhe in meinem Versteck, dem Plumpsklo.

Doch wenn er Freitags Abend nach Hause kam und Mutter ihm erzählte was ich so die Woche über so angestellt hatte, lag ich still und steif unter meinem Bett, verfolgte zitternd ihr Gespräch oder sprach in Gedanken inbrünstig mit meinem Vater im Himmel.


Normalerweise hätte der Dauerstress mich töten, verblöden, oder mich bis zu meinem Lebensende zu einem psychischen Wrack machen müssen. Stattdessen begann sich meine Anlage zur Widerstandfähigkeit gegenüber gesundheitliche, seelische und psychosoziale Entwicklungsrisiken (Resilienz) zu entwickeln. Dadurch machte mich jede überwundene Notlage stärker!


Mit fünf Jahren wurde ich durch die "Süd Schleswiger Vereinigung" für sechs Wochen zu Pflegeeltern nach Dänemark geschickt. Es war DAS PARADIES und all die Menschen zu denen ich gehörte, fraßen sich in mein Herz und wohnen dort fest verankert so lange ich lebe. Sie waren es die mir immer wieder, Jahr für Jahr sechs Wochen lang, ein mir bis dahin unbekanntesGesicht zeigten. Und wie schön das Leben ist. Mein Pflegevater schenkte mir Malstifte und Papier und nahm mir meine Angst vor Entdeckung. Meine Pflegeeltern überschütteten mich mit echter  Menschenliebe.

(Mein Vorname "Renate" ist in Dänemark unbekannt. Bei meinem ersten Besuch dort grinste jeder nachdem er meinen Vornamen hörte. Erst als ich die Sprache  verstand begriff ich: "Renate" hört sich auf dänisch gesprochen wie "GRÜNE ERBSE" an.

Bis heute trug ich vier Vornamen: Renate, Hans, Hexe, grüne Erbse. Meinen Nachnamen wechselte ich 5x.

(Weil ich mit einem meiner Ex-Männer gleich per "DU" war, interessierte mich sein komplizierter Nachname nicht. Beim Standesamt buchstabierte er ihn für mich.)


Ich half viel im Haushalt und kümmerte mich umfangreich um mein BRÜDERCHEN... Mutters Traumkind. Von da an gab es für Mutter nur noch ihn.



Winter. Sonnabend. Badetag in der Küche. In der Wohnung gab es nur kleinen Kanonenofen. Der Gasherd stand unmittelbar neben der Küchentür! Damit es in der Küche schön warm wurde, zündete Mutter die Kochflammen des Gasherdes und die des Backofens an und ließ die Klappe offen.

Verließ die Küche und machte die Tür hinter sich zu.

Kam rein, stellte einen Einwecktopf aufs Gas, schüttete mehrere Eimer kaltes Wasser hinein, holte eine Zinkwanne und stellte sie auf den Küchenfußboden.

Nachdem das Wasser Badetemperatur hatte, kam es in die Wanne. Ich stieg hinein, Mutter setzte meinen Bruder in meinen Schoß und verließ die Küche.

Ich war neun, mein Bruder zwei.

In der engen Wanne konnten wir nur still sitzen, sonst wäre Wasser über den Wannenrand geschwappt. Also saßen wir da und weichten auf.

... langsam wachte ich auf...

Es war bitterkalt. Ich bibberte. Hörte Mutters Stimme: "Was hast du mit deinem Bruder gemacht?!!!!"

Nun registrierte ich das man mich in ein Handtuch gewickelt und vor ein geöffnetes Fenster gelegt hatte. Mir war übel und ich hatte allerschlimmste  Kopfschmerzen. Irgendwann kam ein Arzt. Während er sich um mein ohnmächtiges Brüderchen kümmerte, kroch ich übern Fußboden ins nächstbeste Bett und schlief sehr laaaange...

 

Auch mein Bruder überlebte die von Mutter ausgelöste Gasververgiftung:   Als wir in der Wanne saßen hatte sie ab und zu schnell mal nach uns geguckt. Dabei hatte der durch die Tür verursachte Luftzug irgendwann die  Flammen im Backofen ausgepuset.  



Das Spielen mit gleichaltrigen Kindern interessierte mich nie. Lieber verbrachte ich meine Freizeit auf Schutthalden. Werkelte mit allem was ich fand, löste technische Probleme und verblüffte so manchen Erwachsenen mit meiner Fingerfertigkeit. In diesen Stunden entspannte ich mich und war zufrieden.



Irgendwann hatte ich die Reife um mich zum ersten mal sachlich mit meiner Situation auseinanderzusetzen. Mir wurde klar das es niemanden außer mir selbst auf der Welt gab der mit beistehen würde. Ich musste selbst etwas tun damit sich mein Leben, trotz aller Schwierigkeiten, zu meinem Gunsten entwickelte. Die Verantwortung für mich übernehmen. Ich verließ meine passive Opferrolle.




Weil ich davon ausging das ALLE Kinder "so behandelt" wurden wie ich, kam ich eines Tages auf die Idee all den Kindern auf der Straße beizustehen wenn sie von älteren Jungen geärgert wurden. Schon der Gedanke daran machte mich mutig. Und es reichte oft schon das wenn ich - zwar jünger - aber so lang und dünn war- das die Jungs schon Angst vor mir bekamen wenn ich sie nur voll entschlossen und sprungbereit anstarrte. 

Obwohl ich ein "Humpellieschen" war wurde ich zwar nicht gerade der Schrecken aller frechen Buben - wie ichs mir gewünscht hatte, aber immerhin fühlte ich mich als Engel der kleinen Kinder ... (Was du denkst das fühlst du.)

Mein Leben hatte nun einen Sinn!


Einmal beobachtete ich das ein Junge ein Kind aus der Sportkarre kippte und dann weglief. Das Kind schrie, sein Brüderchen auch. Zum ersten mal drohte ich nicht nur, sondern rannte hinter dem Jungen her und obwohl er stärker war, verprügelte ihn bis ich nicht mehr konnte.

Die kleinen Steppkes bewunderten mich! Das tat mir gut.

Und zum ersten mal im Leben begriff ich das ich nicht alleine war mit meinen Sorgen. Die Kleinen weinten ja nur weil ihnen von Stärkeren weh getan wurde.

Ich wurde zum Schrecken aller bösen Buben von fünf bis sieben Jahren.


 

In meiner Klasse waren 45 Schüler. Nach meiner Einschulung ging ich zuerst ein paar Jahre ganz gerne zur Schule. Doch bald fand ich den Unterricht so langweilig das ich lieber die Vögel beobachtete. Mich interessierte sowieso nur Musik und Sport.


Meine Klassenkammeraden lachten mich wegen meiner Humpelei aus. Ich ging seltener zur Schule. Stattdessen werkelte ich mir in meinem Plumpsklo-Versteck meine Seele heile.


Bald hielt ich alles was mit der Schule zusammenhing für Zeitverschwendung  und ging nur noch hin wenn das Wetter so schlecht war das ich im Plumpsklo zu sehr fror.  

Die wenigen alten Lehrer, die nicht eingezogen waren, gaben mir wegen meines Schwänzens eine Nachricht für meine Eltern mit. Mutter gab mir ein paar heftige Ohrfeigen, weil ich sie "immer überall blamierte". Und wenn Vater von der Arbeit kam verpetzte sie mich auch noch und es knallte wieder...

Meine Erkenntnis: Wenn ich künftig die Schule komplett mied, vermied ich einen ganzen Packen Stress und ging nie mehr hin.


Meinen Eltern gegenüber tat ich so als ginge ich weiterhin zum Unterricht. Tatsächlich ging ich so lange in Richtung Schule wie meine Mutter mich beobachten könnte. Dann flitzte ich auf Umwegen zum dem Müllhaufen.der der Schule am Nächsten war, werkelte dort bis die Schulklingel das Unterrichtsende verkündete und ging dann brav und pünktlich nach Hause. Diese täglichen Erfolgserlebnisse beflügelten mich mächtig. 

Das das Lektorat meinen Eltern mitteilen könnte, dass ich meiner Schulpflicht nachkommen müsse, hatte ich ausgeblendet.


Tatsächlich war das Thema für die Erwachsenen längst abgeschlossen.




Ich wurde immer mehr in den Haushalt eingespannt. In meiner freien Zeit werkelte ich wie immer, aß Hagebutten, Sauerampfer, Klee, Gras, Rüben, Wurzeln, Beeren, Obst, - all das was jede Jahreszeit mir bot. 

Wegen meiner überzogenen Tierliebe wollte ich entweder einen Bauern heiraten, oder einen Förster, oder einen Domteur... Hauptsache er hatte etwas mit Tieren zu tun. Voll naiv!


Als Mutter als Köchin arbeiten wollte stand das Problem im Raum wie das Baby versorgt werden könnte.

Na - DAS war was für mich!! Von da an versorgte ich auch mein Brüderchen. An den Wochenden hatte ich frei. Dann fuhr ich gegen Nahrungsmittel kleine Kinder spazieren.

Ich hatte einen Stellenwert in der Familie.



Obwohl mich stets eine grundlegende Angst wie eine Haut umschloß, entwickelte sich meine Zuversicht weiter. Bald konnte ich selbst im größten Schlamassel noch positives finden und Probleme zu meinem Vorteil lösen. Meine aussergewöhnliche kreative Begabung fiel allgemein auf. An meine Werkelei hatten sie sich auch gewöhnt. In jeder freien Minute gestaltete ich mit allem was mir unter die Finger kam. Ich therapierte mich einerseits - andererseits profitierte meine Familie davon.

Auch kamen Kinder zu mir. Wollten einen Rat, ein Bonbon, eine kleine Reparatur am Puppenwagen, am Roller ... Kinder und Tiere öffneten schon damals mein Herz. 



Je länger ich mich kümmern durfte umso freier wurde mein Denken und ich begann zu begreifen das ich zu den priviligierten gehöre die Geburt, Krieg,  Flucht, Bomben, Hunger und Kälte überlebt hatten.

Damals begann meine tiefe Dankbarkeit für mein Leben zu wachsen. In Zwiegesprächen mit meinem Vater im Himmel lernte ich wie wichtig es ist immer zuerst die positive Seite einer Situation zu sehen. Diese Selbstkontrollen gaben mir gleichzeitig inneren Halt. Der Kern meines Ichs war keine Schlackerpuppe mehr. 

Meine häuslichen Probleme wurden überschaubarer. 



Als ich neun war prägte ich mir eine Nachricht ein die mir in der Zukunft einfallen sollte. Es war sowas wie  - "... ich weis um die Zusammenhänge des Lebens ..." Auch begann ich biografische Notizen zu machen.


Karen, eine  junge Prostituierte aus der dritten Etage schenkte mir die Bücher "Die Entstehung der Arten" und "Lerne deinen Körper kennen", (oder so ähnlich). Ich konnte es aufklappen und ins Innere meines Körpers gucken. WOW!

Wegen meiner Gier darauf zu wissen was da stand, lehrte mich Karen das  auswendige Lesen. Ich versank mit glühenden Wangen in der Materie und lernte das was mich am meisten interessierte: Grundlegendes Wissen über den menschlichen Körper mit all seinen Funktionen. Dieses Interesse beruht auf ein dominantes Gen. Alle meine Nachkommen der ersten und zweiten Generation haben die selbe Leidenschaft wie ich und üben sie - bis auf einen Sohn - beruflich aus - oder sind auf dem Weg dazu.

 

(Später lernte ich auch schreiben. Warum dies und das so oder so geschrieben wird weiß ich bis heute nicht. Rechnen kann ich auch nur zweckgebunden. Z.B. rechne ich schon während meines Einkaufs zusammen wie viel ich an der Kasse zu bezahlen habe. Und vergleiche  ausschließlich die Kilopreise.


Je älter ich wurde - umso hellhöriger wurde ich wenn ich etwas über Anatomie, Funktionen der Organe, Medizin, Virologie, Verhalten Mensch und Tier im Vergleich zueinander hörte. Nach jeder neuen Information fügte ich weitere Bruchteile da ein wo sie logischerweise hingehörten und erkannte dadurch weitere Zusammenhänge.

Durch übergreifendes selektives Lernen kamen im Laufe der Jahre verwandte Themen hinzu wie vergleichendes Verhalten Mensch und Säugetier, sowie die Microbiologie mit Schwerpunkten Psychologie, Virologie und Epigenetik. Weitere Bereiche schlossen Lücken.

Bis heute ergänze ich mein Wissen um den Riesenkomplex Gesunderhaltung von Mensch und Säugetier - und lebe seit jahrzehnten danach. Als Jugendliche habe ich einmal Likör getrunken. Er schmeckte scheußlich. Seit dem habe ich es niemals wieder alkoholisches probiert.







Irgendwann schrieb ich meinen Eltern einen  Brief in dem ich vorschlug, dass wir ab sofort alles bisherige vergessen und ganz neu anfangen sollten. Eine Antwort erhielt ich nie. Macht nichts, - die Tatsache das sie nun wussten das ich schreiben konnte, wertete mein Selbstvertrauen als weiteren Sieg im Ringen um meine seelische Gesundheit. Bald setzte ich noch einen drauf: Weil Mutter nur eine winzige handvoll von der fremden Sprache meines Stiefvaters kannte - er wiederum nach wie vor wenig Deutsch - nutzte ich meine dänischen Sprachkenntnisse: Nachdem ich mal wieder von meiner sechs Wochen dauernden Verschickung in seine Heimat Dänemark zurückkam, weigerte ich mich nach meiner Rückkehr Tage lang Deutsch zu sprechen. Mutter fühlte sich von mir verraten und wurde wild, mein Stiefvater schützte mich geschmeichelt und ich begann bald übermütig meinen Übersetzungen etwas Nettes hinzuzufügen obwohl es der andere gar nicht gesagt hatte. Nach und nach steigerte ich die gegenseitigen "Lobe" und erreichte tatsächlich das die beiden ihre feindselige Haltung und Übergriffe gegenseitig und mir gegenüber reduzierten. "Er" schenkte mir sogar zwei Ansichtskarten aus Italien - und Mutter mahnte ihn das er mich nicht mehr auf meinen wachsenden Busen prügeln solle "weil das weh täte".


Von da an ließen sie mich - bis auf einige Ohrfeigen - lange in Ruhe.




Einmal gab es zu Weihnachten Pellkartoffeln satt und ein Spiegelei für jeden! Ein Ei hatte damals Seltenheitswert. Ich aß also erst einmal so viele Kartoffen bis ich fast satt war um dann - in aller Ruhe und Genuss - das leckere Spiegelei zu genießen. Doch ich war wohl zu lange mit  den  Pellkartoffen beschäftigt. Denn während Vater murmelte  "du magst es wohl nicht..." schwebte mein Ei auf seiner Gabel davon und landete in einem Stück in seinem Mund. Später stupste er mich an, blinzelte mir zu und  zeigte uns sieben rohe Eier. Für jeden von uns eins - und für mich zwei.

Er war eben so wie er war.




 Vater hatte Arbeit als Fernfahrer gefunden und kam am Freitag fürs Wochenende nach Hause. Trotz meines Kampfgeistes bösen Buben gegenüber, war ich  ein menschenscheuer Teenie und fand mich nicht in der normalen Welt zurecht. Versorgte nach wie vor Haushalt und Geschwister. Ging mit ihnen lange Strecken, erklärte die Natur.

Mein Hang zu Kindern und Tieren war ausgeprägt, ich wollte gerne einmal 18 Kinder haben.


Seit der lustigen Geschichte mit den Spiegeleiern dachte ich nicht das er mich noch mal schlägt. Trotzdem versteckte ich mich vorsichtshalber jeden Freitag ab zwölf unterm Küchentisch und hörte zu wie Mutter sich über mich beschwerte. Wie sie aufzählte was ich so alles in seiner Abwesenheit angestellt hatte. Sie redete ihn in Wut - er bückte sich riss mich unterm Tisch hervor und trat und schlug auf mich ein bis er keuchte.

Meine Angst vor ihm begann wenn er Sonntag Abend zur Arbeit fuhr und steigerte sich Tag für Tag - bis zum Freitag. So sehr ich mir Mühe gab Mutter alles recht zu machen - sie gab mir null Chance seinen Schlägen und Tritten zu entgehen. Ich war schutzlos ausgeliefert.

Diese Zeit war die erschreckendste in meinem Leben.



Heute denke ich das es ihr Selbsterhaltungstrieb war der Vaters Interesse auf mich lenken sollte. An mir konnte er Dampf ablassen - Mutter, eine Köchin - war immer wieder depressiv.

Damit würde die Verantwortung für ihr Baby in meinen Händen liegen. Denn bald wären wir zu sechst. Meine ältere, stets kränkelnde Schwester und mein Bruder wurden zwar niemals schikaniert. Trotzdem litten sie bestimmt sehr unter der latent hoch explosiven Grund-Atmosphäre.




Abschied:

Eines Tages kam es in einer kalten Winternacht zum Countdown: Meine jüngste  Schwester hatte kein eigenes Bett, also schlief sie bei mir im Arm.

Sie bekam Zähnchen und schrie die halbe Nacht. Mein Bett war durch einen Vorhang von der Küche getrennt. Ein kleiner Flur, das Schlafzimmer meiner Eltern.

Auf einmal ging der Vorhang auf, mein Vater stürzte sich auf mich und verprügelte mich schwer. Das Baby wurde von meiner Mutter geholt.

Um mir nicht die Blöße zu geben hilflos zu sein, hatte ich mir vorgenommen bei der nächsten Krise nicht zu weinen. Dies war nun die Probe. Er stellte sich vor mein Bett und schlug auf mich ein. Ich schwieg. Das machte ihn wütend. Er holte - wie ich später sah - ein Kartoffelschälmesser, kam zurück und stach auf mich ein. Ich war groß und inzwischen gut trainiert - er etwa 20 cm kleiner und untrainiert. Ich wehrte mich zum ersten mal. Sprang aus dem Bett, schlug um mich, trat ihn in den Bauch. Schubste ihn - hörte nicht auf. Es war ein Kampf um Leben oder Tod.


Wie es weiterging weiß ich nicht mehr. Mutter rief ihn wohl ... jedenfalls verließ er meine Schlafecke.

Ich stand auf, ging in die Küche, auf den Flur, sah zufällig im Spiegel Blut an meinem Nachthemd, ging hinaus ins eiskalte Treppenhaus. Die Haustür war abgeschlossen. Um den Schlüssel zu holen müsste ich wieder in die Wohnung...

Ich setzte mich auf eine der eiskalten Betonstufen. War wie paralysiert. Nach wenigen Minuten stand ich auf, drückte auf den 3-Minuten-Lichtschalter, hob mein Nachthemd hoch und sah an mehreren Stellen Schnitte an meinem Körper. Eher bedeutungslose Kratzer. Der Stoff meines Nachthemdes hatte das Messer gebremst. Doch im rechten Oberschenkel hatte ich eine größere Stichwunde die in einen ca. 30 cm langen Schnitt überging und am Knie endete. Sie blutete stark., Ich bekam große Angst, drückte mein Nachthemd darauf und klingelte an die Wohnungstür unserer Etagennachbarn. Die Frau öffnete nicht sondern rief mir durch die geschlossene Tür zu "das ich mich gefälligst benehmen sollte, dann hätte auch niemand "einen Grund"...  


Ich musste weg!! WEG, WEG, WEG!

Karen und ein paar Nachbarn beugten sich übers Geländer und guckten mich mitleidig an. Aber keiner traute sich...

Auf einmal kam Vater zu mir auf den Treppenabsatz. Ohne mich anzusehen gab er mir einige Mullbinden und einen kalten, nassen Lappen fürs Gesicht. Hängte mir seinen Wintermantel über die Schultern, nickte mehrmals, sagte "...mein liiieber Mann ...!" und setzte sich neben mich auf meine Stufe.

Während ich mich verband schluchzte er.

Ohne mich anzusehen murmelte er das ich ihn aber auch verstehen solle, er "wolle endlich mal in Ruhe schlafen..." Und das ich ihn herausgefordert hätte - bla bla... "  Nach einer Weile schlug er mir vor das ich doch eigentlich hoch in die Abstellkammer ziehen könnte mit meiner kleinen Schwester. Da könnte sie schreien so viel sie will, da unterm Dach hörte sie keiner.

Ich beherrschte meinen Impuls mich in seine Arme zu kuscheln. Er blieb kurz sitzen, ging dann in die Wohnung und kam mit einem Schlüssel zurück. Legte seinen Arm um mich und half mir mitten in der Nacht die drei Stockwerke hoch bis vor die Kammer.

Sie war etwa acht qm groß. Hatte dünne, nicht isolierte Holzwände. An der Dachschräge sah man die nackten Ziegel.

Ich wäre am Liebsten da oben in der Kälte geblieben, aber Vater nahm meine Hand, half mir langsam die Treppe hinunter, sagte ich solle mit der Arbeit warten bis ich wieder laufen konnte. .

Von da an war er niemals wieder aggressiv mir gegenüber.


Während unten in der Wohnung meine Wunden heilten, versorgte Mutter  . Haus und Kinder. Ich saß viel auf dem Balkon, erholte mich und plante mein Zimmer samt Einrichtung. Ich baute alles alleine, niemand redete mir hinein. Vater verhielt sich neutral bis freundlich.

Aus all dem Gerümpel in der Kammer baute ich mir eine Einrichtung. Es war  so richtig gemütlich. Weil mein Schwesterchen noch so klein war, bekam ich vorübergehend einen Heizlüfter. Wasser und Toilette war unten in der Wohnung.


Dieses Zimmer war das erste an dem ich meine Talente austoben durfte.

Glück fühlt sich wie Nebel an. Absolut leicht.

 

Ich war sowas von weltfremd!!! Und ahnte nicht das die reale Welt in die ich hineinwuchs auf ganz andere weise härter sein würde als mein Zuhause. Ich ahnte nicht das ich von nun an Umbrüche, Ereignisse und Neuanfänge sammeln würde wie andere junge Frauen neue Schuhe...


Es begann mit den "Berufen."

Der elterliche Beschluss das ich "etwas vernünftiges" lernen sollte, ging so richtig schief. Denn niemand ahnte das mir von Geburt an mein Reizfilter fehlt. Dadurch dringen alle Eindrücke ungefiltert in mein Denken und lösen bei mir einen Druck aus, - eine Sehnsucht - all die vielen Ideen und Fantasien vor meinen inneren Augen zu verwirklichen. Die Umsetzung meiner Ideen hält mich bis heute psychisch gesund.

Ich wanderte von einer Lehre, einem Job, zum nächsten. Schneiderlehrling, Serviererin, Schlachterlehrling, Putzhilfe, am Fließband Kartoffelsäcke reparieren, mit einer Mininadel Laufmaschen an Nylonstrümpfen reparieren, Blusenverkäuferin, Gärtnerin, Kindermädchen, Laufmädchen usw. Ich hielt überall nur wenige Tage oder Wochen durch. Es war nichts dabei was meinen Kreativitätsstau abbaute. Ich wurde zunehmend reizüberflutet was widerum zu meiner völligen psychischen Erschöpfung führte. Auch körperlich war ich überhaupt nicht mehr belastbar.


Trotzdem musste ich arbeiten.

Ich erinnere mich gerade daran das ich als Putzhilfe so viel arbeiten musste das ich nicht genug Zeit zum Ausschlafen hatte. Eines Tages schlief ich während des Staubsaugens!! ein. (Wurde beschimpft und gefeuert.)


Ich verließ das Haus und verdingte mich als Magd auf einem Bauernhof. Da stimmte alles. Die Menschen waren lieb. Die Tiere wie Geschwister. Ich durfte zugunsten von Menschen, Haus und Hof meine Ideen umsetzen. Ich war im Himmel...

In meiner Freizeit las ich medizinische Bücher aus der Bibliothek und hörte laute emotionale Musik aller Genres. Musik ist und war (und ist) ein ganz bedeutendes Medium für mich und meine Psyche. Bis heute hat Musik und Tanzen einen vorrangigen Stellenwert! Ich wünschte mir so sehr ein Musikinstrument.


Auf dem Hof wohnte ich in einem Bretterverschlag unterm Dach. Eine Schüssel Wasser, Seife, 1 Schrank, 1 Hocker, 1 Bett. Kleine schräge Fensterluke zwischen den Ziegeln.

Auf dem Misthaufen fand ich zwei neugeborene Ferkel die so klein waren das sie keine Chance hatten bei all den kleinen, aber kräftigeren Geschwistern an Mutters Zitzen zu kommen.

Die Winzlinge lebten noch. Ich wickelte sie in meinen Rock. trug sie zur Chefin, durfte sie "behalten". Nun gings rund in meinem winzigen Zimmer unterm Dach. Außer das ich ihnen alle zwei Stunden die Flasche gab schliefen sie während meiner Arbeitszeit in meinem Zimmer auf Stroh. Morgens ganz früh und nach Feierabend wickelte ich ihnen Stoff um die Popöchen und nahm sie mit ins Bett. In meine Arme. Wir kuschelten und wärmten uns gegenseitig... Ach, du meine Güte - was war das für eine glückliche Zeit ...

Die Zwillinge entwickelten sich prächtig und fraßen bald alleine.


Als Mutter schwer an Gürtelrose erkrankte, musste ich ohne Schweinchen den Hof verlassen um mich um Mutter zu kümmern. Dort sorgte ich für alles.  Als ich hörte das meine Stelle als Magd neu besetzt war, blieb ich zuhause - obwohl ich dort nicht mehr gebraucht wurde...

Ich trauerte schwer um meine Schweinchen. Ich fragte niemals was aus ihnen geworden ist...


Vater erinnerte mich mehrmals das ich nicht auf seine Kosten leben könnte...


Die letzten Kriegsgefangenen kamen aus russischer Gefangenschaft zurück. Ich war neunzehn und wurde zunehmend gleichberechtigt in der Familie.

Jahre später würde ich ausgleichende Beraterin für die Dauerkonflikte meiner Eltern sein und würde meine jüngste Schwester in meine eigene Familie aufnehmen. Auch würde ich Darmkrebs bei Vater diagnostizieren, doch weder er noch Mutter würden mir glauben. Die Blutungen kämen von den Hämorieden, die übliche Lastwagenfahrer-Krankheit. Kurz vor seinem Tod besuchten mich beide in meinem gepachteten Hotel und ließen sich viel Geld schenken. Kurz darauf starb er an Darmkrebs. 



Beginn meiner Versuche mich in der gesellschaftlichen Normalität zurechtzufinden:

Mutter arbeitete als Köchin in einer Bundeswehrkaserne. Eines Tages  brachte sie eine männliche Aushilfe von der Arbeit mit. Er interessierte sich  sofort für mich. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten sollte. War sowieso schon  viel zu verklemmt und machte mich generell steif sobald sich ein Mann für mich interessierte.

Als er sich mir gegenüber hinsetzte saß ich stur da mit verkniffenen Lippenn und steif übereinandergeschlagenen Beinen. 


Nachdem er gegangen war, setzten sich meine Eltern grinsend zu mir und fragten wie ich den jungen Mann denn so fand. Mutter hätte ihm schon lange von mir erzählt und nun, nachdem er mich "kennengelernt hatte", würde er mich gerne heiraten. Meine Eltern strahlten als würden sie mir den Mann schenken. (Eigentlich hätte ich misstrauisch sein müssen, ich Blödmaus.)

Ich kann mich nur deutlich daran erinnern das es plötzlich an meinem ganzen Körper juckte.


Weil mich meine Eltern ein paar Tage mit dem Thema in Ruhe ließen, konnte ich sachlich nachdenken:

1. Wenn ich mich weiterhin nicht für Männer interessierte, ja, nicht einmal einen festen Freund hatte - war ich auf den besten Weg zur alten Jungfer die "keinen Mann abgekriegt hatte".

2. Wenn ich ihn heirate, würde man mich statt "Fräulein" nicht nur mit "Frau" angesprechen, ich gehörte auch dazu. - Wozu auch immer...

3. Weil er nach dem Wehrdienst in Kürze wieder Seefahrer war, käme ich weit hinaus in die unbekannte ferne Welt.


Das waren schon mal drei wesentliche Pluspunkte. Zusätzlich würde ich meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen. Dazu schwärmte Mutter von IHM - und - "was da sonst noch so alles passierte" solle ich ganz ruhig auf mich zukommen lassen. Und vor allem!!! - dürfte ich mir aus einem türkies farbenen Stoff aus ihrem Vorrat ein Kleid nähen. WOW.


Ich überlegte eine Nacht. Und obwohl meine unbewusste Angst vor Männern tief saß, zuckte ich statt einer klaren Antwort nur gleichgültig meine Schultern, als ER mich fragte. 

Später nahm Mutter mich zur Seite und sprach mit mir "von Frau zu Frau" das ich es ihm nicht so leicht machen sollte sonst könnte er denken ich sei billig... Ich war völlig unaufgeklärt. Hatte keine Ahnung wovon sie sprach und vergaß es. 


Und so entsorgten mich meine Eltern ohne Feier, ohne Schleier, in eine Ehe mit Mister X-beliebig aus Hoyerswerda.


"Hochzeitsnacht".

 Mein selbstnähtes türkieses Brautkleid fiel so eng aus das ich auf einen Reißverschluss auf dem Rücken angewiesen war. Allerdings verklemmte der sich in Stoff. Nachdem wir trotzdem beide vergeblich probiert hatten das Kleid auszuziehen ohne es zu beschädigen, schnitt er es einfach an der Seite auf.
Es fiel leicht auf den Fußboden.Weil wir während der ganzen Zeremonie ziemlich übermütig lachten lernten wir einander etwas kennen.Er sah super aus und ich freute mich vorwitzig auf das was künftig alles tolles auf mich zukommen würde.

Etwas später wusste ich auch was es bedeutete "es ihm nicht zu leicht zu machen". Jedenfalls hörte ich auf Mutters Rat. Aus heutiger Sicht tut er mir leid. Denn ich habe durch meinen Gehorsam seine und meine Hochzeitsnacht versaut. Wenn er nicht schon vor sehr vielen Jahren gestorben wäre, würde ich mich dafür entschuldigen. Ich finde es tragisch das wir so wenig voneinander wussten bevor wir uns scheiden ließen. 


Ich war es nicht gewohnt im Alleingang für mich zu entscheiden. Und miteinander reden um Probleme zu lösen war mir auch fremd. Ich war einfach überhaupt nicht bereit für irgend einen eigenen Lebensweg. Aber ich hatte keine Wahl.und überließ ihm, dem Alkoholiker, die Verantwortung für alles.


(Damals gab es die Pille noch nicht. Berufstätigkeit der Frauen, oder gute Schulbildung für sie, war unüblich. Frauen hatten fleißig, sparsam, unwissend und gute Hausfrauen und Mütter zu sein.

Nur die Frau die bei ihrem Mann blieb war versorgt. Jedenfalls so lange er ihr das nötige Geld gab für den Unterhalt der Familie. Durch diese materielle Sicherheit der Frauen und Kinder war es absolut unüblich das eine Frau sich scheiden ließ. Üblicherweise hatten Ehe-Männer eine Geliebte.)



 

Nun war ich plötzlich Ehefrau. Wusste aber überhaupt nicht wie ich ticken sollte. Was erwartete er von mir... Ich musste einfach irgendwie zusehen wie ich klar kam. Improvisieren war ich ja gewohnt. Neugierig und lebensfroh blickte ich in die Zukunft.


Bald litt ich fürchterlich unter Heimweh. Das ich mein Elternhaus nur knapp überlebt hatte wurde mir nicht bewusst.

Aber was sollte ich machen als gehorchen und versuchen herauszufinden wo oben oder unten ist. Welche Rolle ich spielen sollte. Was erwartete wer auch immer von mir? Durch meine bisherigen Erfahrungen hatte ich nur ein verzerrtes Bild von dem Leben in dem ich mich nun befand. 


Ich rechnete meine Chancen aus: Ich hatte gelernt Gras und andere essbare Pflanzen zu essen um nicht zu hungern,
hatte Frost in drei Zehen, Kartoffelsäcke, Decken und Hasenfelle geklaut um nicht zu erfrieren. Ich war zäh und anspruchslos bis über die Schmerzgrenze hinaus, hatte hochkreativ unzählige Tricks des Überlebens gelernt und war eine ausgesprochene Frohnatur. Damit war ich voll fit für schlechte Zeiten und wäre eine gute Partie für einen von der Umwelt isolierten Höhlenmenschen gewesen.


Was meine bisherigen sozialen Kontakte anging so waren sie echt und innig: Mit Tieren kuscheln, Kinder gegen Ungerechtigkeiten verteidigen und per Post die hilfsbereite Prostituierte Karen trösten, die kürzlich - obwohl sie heftige Wehen hatte - von den eigenen Eltern in einer Winternacht vor die Haustür geworfen wurde. Die Nachbarn hatten Ohren und Augen und ihre Herzen geschlossen. Das Kind überlebte. Karen, die mehr Wert war als die ganze Mischpoke der Gegend, heiratete bald darauf einen Freier der sie auf Händen trug, und sie iund ihr Kind mit nach Israel nahm. 


Was hatte ich der Wohlstandgesellschaft zu bieten?

Entschlossene Neugierde! Viele praktische Ideen und Hände für die Umsetzung eines Neuanfangs. Doch kochen, wie man es tat, oder einen Haushalt so führen wie es sich gehörte, konnte ich nicht. Viiiel lieber erfand ich jeden Tag ein anderes - ganz eigenes und zufällig entstandenes Mittagessen und putzte nur wenn ich den Schmutz auch sah.



    

Mein fremder Mann war ein gut erzogener Matrose der von der Bahn abgekommen war. Von Alkoholikern hatte ich keine Ahnung und so deutete ich sein wechselhaftes Verhalten als Ausdruck seines genetisch bedingten Wesens. Während wir ein halbes Jahr zur See fuhren, blieben wir uns trotz räumlicher Enge fremd und ich nahm mir vor, ihm vorerst nicht zu erlauben mich wirklich kennenzulernen. Das ihm mal die Hand ausrutschte und er mich auch sonst ab und zu heftig beschimpfte und beleidigte, fand ich schrecklich, aber - na, ja,  Männer waren nun mal so - und vielleicht hatte er ja auch recht. Ich zwang mich zu Verständnis, zog sein Verhalten sogar noch ins Lächerliche bevor er womöglich ein schlechtes Gewissen bekommen könnte. Er schlug mich wieder, es war ihm egal wohin er mich traf. Meine Zukunft stand still. Ich kündigte ihm in Gedanken und machte mich unsichtbar. 

Als wir an Land wohnten, hockten wir nicht so aufeinander wie an Bord und gingen lockerer miteinander um. Weil ich keine gesellschaftlichen Richtlinien kannte, fügte ich mich. Es  machte mir viel Freude das ich unseren Haushalt mit ollen Möbeln einrichten und auch den kompletten Unterhalt alleine mit Fischpräparationen, kunstvollen Schalen aus Seegras und Vermietung eines Zimmers an Touristen bestreiten durfte. Ihm war alles egal. Er genoß sein Leben. Schleppte fremde Frauen in unsere Wohnung, trank mit ihnen - er konnte von mir aus alles tun wozu er Lust hatte. Je besser seine Laune, umso seltener misshandelte er mich.  


Bald hatten wir eine größere Wohnung, er bestand auf ein eigenes Auto - obwohl er keinen Führerschein hatte. Als eine seiner Besucherinnen immer öfter bei uns wohnte und mit ihm trank, reichte es mir. Während ich meine devote Rolle spielte, sparte ich für meinen Abgang. 

Der kam bald: Obwohl ich eine gute Woche vorher unser Kind unter höchster Lebensgefahr geboren hatte - weil mich trotz Steißlage wegen eines schweren Sturmes kein Schipper ans Festland in ein Krankenhaus bringen wollte - schlug er mich wieder. Der altbekannte Horror stieg in mir hoch. Bald nahm ich voller Panik mein Baby und ergriff die Flucht. - Nur weg. Doch meine Eltern ließen ihre Tür verschlossen. Ich hatte niemanden der zu mir hielt, ging zitternd zurück zu meinem Mann und der Frau, kauerte mich in eine Ecke, drückte mein Baby an mich und weinte vor Heimweh nach meinen Weidetieren. Mein Leben war so erbärmlich. 

 

Nach ein paar Stunden wurde mir klar das ich nur deswegen heulte weil ich nicht von dem mir feindlich gesinnten, ungeliebten Ehemann zu meinen mir feindlich gesinnten, trotz allem so sehr geliebten "Eltern", flüchten durfte. Was für ein Irrsinn! - Mich packte voll die Wut - und ich beschloss nie wieder zu erlauben das man über mich bestimmt oder mich schlägt. Nie wieder!!

Dabei war mir nicht klar das mir mein erlerntes Verhaltensmuster

immer wieder in die Quere kommen würde. Andererseits hätte mich dieses Wissen nicht erschreckt, denn es war Mein LEBEN - egal wie es war oder werden würde. Doch nun wollte ich unter allen Umständen mein geliebtes Baby schützen.


Zuerst musste ich mich von den größten Lasten befreien: Brach innerlich zuerst mit denen für die ich bedeutungslos war: Mit pseudo-Eltern und pseudo-Ehemann.

Ich musste sehen wie ich ganz alleine mit allem klar kam. Theoretisch traute ichs mir inzwischen zu. Aber mit einem Neugeborenen?

Ich dachte das wenn ich mich in den Schutz der Gesellschaft begeben würde, hätte ich ihre Unterstützung. Um vorher ordentliche Verhältnisse zu schaffen, ließ ich mich scheiden. ( Weil sich ja aus ökonomischen Gründen selten eine Frau scheiden ließ, gingen Scheidungen ganz schnell über die Bühne.) 


Das jedoch war genau der falsche Weg um mich in die Gemeinschaft zu integrieren. Die mir fremde dörfliche Gemeinschaft warf mir vor das ich meinem armen Baby den Vater genommen hatte. Man beschimpfte mich und lehnte mich ab.

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In den 50gern und 60gern war Ehe und Familie die Norm/Dogma. Alleinstehende Frauen wurden ausgegrenzt und zunehmend diskriminiert. Alleinstehende Mütter litten wegen mangehafter Versorgung dazu auch noch materielle Not.

Während sich noch immer millionen Männer in Kriegsgefangenschaft befanden, waren es die Frauen, die - oft mißhandelt und traumatisiert - vergewaltigt - zusammen mit ihren Kindern, Alten und verwundeten, trotz Hunger und Kälte, für den Wiederaufbau des Landes sorgten.) 


Stammesgeschichtlich ist es die Aufgabe der Männer ihre Familie, die Gruppe, zu schützen und ihr kleines Territorium zu verteidigen. Evolutionär ist es zu keiner Zeit sinnvoll Frauen psychisch zu unterdrücken, oder zu schlagen.

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Ich war nun wieder ganz alleine.

Meinen Mann und mich zu unterhalten, war eine Sache, nun mich und mein hilfloses Baby, eine völlig andere. Weil ich mich schämte- und es  mir gegenüber einer Kapitulation gleichkam - wollte ich erst mal andere Wege versuchen bevor ich staatliche Unterstützung annahm. Außerdem wusste ich sowieso nicht wie ich da vorgehen sollte.


Tatsächlich war mir nicht klar wie sehr mein Baby und ich in der Bredoullie steckten.


Doch das Glück lauerte schon! Ich lernte kinderlose Tageseltern kennen die sich liebevoll um mein Baby kümmerten, während ich für eine Großkantine zentnerweise Kartoffeln schälte und nach Feierabend in einer gemütlichen Kneipe die Gäste bediente. Doch leider war eine berufstätige Frau alles andere als "normal". Die Insulaner mobbten mich. Ich den Druck nur wenige Monate aus - und heiratete dann eben einen x-beliebigen Mann aus ihren Kreisen den ich gerade mal zwei Wochen kannte.  

 

"Er" kam aus Chrimmitschau, war ein Blender mit Kontrollzwang und ein Moralapostel. Eine sehr interessante Mischung.

Wie er sagte hatte er sich vorgenommen einen einigermaßen ordentlichen  Menschen aus mir zu machen. Deshalb warf er meine kostbaren Malfarben in den Mülleimer, verbot mir jede eigene Idee und bestimmte - nein befahl - bla, bla, bla... Nach nur 14 Tagen Ehe trennten wir uns.

Meine Babysitter bedrängten mich, sie wollten mein Kind für immer behalten. Ich dachte ich ersticke ohne mein Kind und lehnte freundlich ab.

 

Nicht mal 22 und schon zwei mal geschieden, war in den frühen Sechzigern mit seinen strengen moralischen Konventionen das gesellschaftlich endgültige AUS -  mit Kind erst recht.

Na und? - dann heirate ich eben erst recht NOCH MAL - Ihr Blödmänner!  Ich nahm mir vor den ersten Junggesellen der an meiner Tür klingelt zu bezirzen - und zu heiraten. Er war Vertreter für Staubsauger und Kühlschränke. 

 

Ein ehemaliger Prokurist aus Cottbus. Ein total lieber Alleskönner - wenn er nüchtern war. Wir verließen die Insel. Weil er nur in Hotels wohnte, fanden wir Obdach in der Scheunendurchfahrt seiner Bekannten. Es waren Mormonen, die mir dabei halfen es in der riesigen Halle gemütlich zu machen. Weil der Fußboden aus Lehm bestand, legte ich Klinkersteine unter die Bettbeine. Wasser gabs aus der Pumpe, die Toilette war die offene Wiese. Dort grub ich etwa einen Meter tiefe Löcher. Wenn so eine "Naturtoilette voll war, legte ich einen passenden Grassoden obendrauf und markierte ihn mit einem bunten Stein. Wenn ich zurückdenke gehört diese Zeit  - eine Zeit in der ich nicht tiefer sinken konnte - zur allerschönsten meines Lebens. Ich mochte meinen leichtsinnigen und witzigen Mann. Er war stolz auf "seinen" Sohn. Wir freuten uns auf unser gemeinsames Kind und sparten für eine kleine Wohnung.

Als mein Baby geboren war, trank er mehr und mehr. Ich packte meine Kinder ins Auto und fuhr durch die Dörfer. Ging von Tür zu Tür. Verkaufte Staubsauger und Kühlschränke.

 

Er kam wegen Fahrens unter Alkohol und ohne Führerschein ins Gefängnis - ich merkte das ich wieder schwanger war, ließ mich scheiden und bilanzierte:  

Ich war 24, hatte zwei Kinder, war im dritten Monat, war innerhalb von vier Jahren drei mal geschieden, hatte einen Führerschein, ein bezahltes Auto, eine Wohnung - die mir gekündigt wurde - und 14 000 Mark Ersparnisse - die ich nicht mit ihm teilte, sondern ihm vollständig überließ nachdem er mich bedrohte. Unterhalt für mich/meine Kinder, bekam ich übrigens nie von einem meiner Ex-Männer. Der Staat sprang damals nur unter bestimmten Bedingungen ein, doch meine Väter lebten. Ich musste für sehr viel Geld zum Anwalt gehen und auch dann war es reine Glücksache. Ich glaube rückblickend, dass mich das auch nicht so interessierte. Meine Angst das die Väter ihr laufendes Besuchsrecht wahrnahmen war zu groß. Ich musste mich unsichtbar machen. (Keiner der Väter wollte sie je sehen. Sie starben jung.)


Weil meine Einstellungen und Handlungen grundsätzlich nicht den gängigen Verhaltensmustern entsprachen, ich auch noch - trotz zwei Kinder! geschieden war - und AUCH NOCH schwanger! - drückte man mich auf den allerniedrigsten Zweig der Verachtung. Doch dieses mal hatte ich nichts anderes erwartet. Was kümmerte es mich was man über uns redete oder  dachte. Ich hatte von Frauen die mich vorverurteilten und Ex-Männern die mich respektlos behandelten die Nase voll und war fest entschlossen so lange ganz alleine für uns zu sorgen, bis ich irgendwann meinem Traumprinzen begegnete. Dann würde ich ihn zuerst kennenlernen und dann heiraten - würde mich mit Geduld, Fantasie und Neugier an ihn heranpirschen... o, mann... irgendwo wartete er auf mich, dessen war ich mir sicher.  

 

Nun wollte ich mich endlich nur noch um meine Kinder kümmern. Sie schützen, ernähren und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten. Ich wusste genau, dass ich alles ganz alleine schaffen würde, denn immerhin war ich die Tochter eines weltbekannten Mannes.


Weil mein angeborenes ausgeprägtes Bedürfniss meine drängelnden Idee umzusetzen mich stets beherrschten, verband ich alles miteinander: Ich setzte meine Ideen um, verdiente Geld damit und war trotzdem immer bei meinen Kindern. Dadurch hatte ich natürlich einfach keine Zeit für Freundinnen, oder persönliche Freizeitgestaltung ausser Haus. Was man nicht kennt, vermisst man auch nicht.

Das sich meine Biografie grundsätzlich und zunehmend außerhalb der Norm befand, war mir nie bewusst. Meine Kinder erzog ich " fürs Leben - nicht für mich" -  mit Konsequenz und Liebe.




Ich schaffe es alleine!

Meine Voraussetzungen waren toll: Ich hatte mir bewiesen das ich Geld verdienen konnte. Es hatte ja immerhin für mich und meine Ex-Männer gereicht. Ich hatte ein realistisches Bild von meinem Können, war putzmunter und gesund und platzte schier vor Energie. Kein Wunder, ich hatte ja auch den schönsten Ansporn den es gibt: Mein Körper hatte mir quasi meine eigene Familie geboren - und bald würden wir zu viert sein! Oh, lieber Gott, mein Vater, danke für mein Leben!  

Ich fühlte mich sooo reich: Ich hatte Lebewesen die mich brauchten, für die ich sorgen durfte und vorbehaltlos lieben ... Oh ja, ich liebte sie und mich und auch mein Leben egal wie es gerade mal war, es war doch nur eine Momentaufnahme. Endlich war ich wirklich frei, endlich fühlte ich keine bedrückende Last im Herzen, und je länger ich mir mein großes Glück vorstellte, umso mehr freute ich mich auf meine neue Zukunft und begann vor lauter besessener Liebe zu allen Kindern, zu allen Tieren, zu allen Menschen, Pflanzen, zu allem allem allem auf der Welt, nur so zu strotzen  

 

 

 

 

                                 GELIEBTES LEBEN!!!                                         

Was bedeutete es noch was wer mir einmal vor "tausend Jahren" getan hatte...? Schließlich war ich es die anders tickte und nicht sie. Ich wollte endlich so sein wie ich war - wie immer ich war... Ich hackte am Schwanz meiner Vergangenheit und genoss meine Kinder die mich zu Toleranz erzogen und Freundlichkeit und Opferbereitschaft. Ich finde das eine glückliches Kind für alle Mühen entschädigt.

 

Auf dieser Grundlage würden meine kreativen Ideen nur erfolgreich werden. 

Womit ich unseren Unterhalt verdiente, war mir egal, absolute Bedingung war das ich praktisch non stop zuhause bei meinen Kindern sein konnte. Wir schliefen alle in einem Bett bis wir nicht mehr reinpassten.  

 

Ich betreute kostenlos per Nottelefon Homosexuelle bei Problemen, - und die hatten die armen Menschen als total geächtete - damals mehr als genug. Auch vermittelte ich Waren aus zig Katalogen und gleich Kleinkredite einer Bank dazu, für gute Provisionen. Ich verdiente sehr gut - und verschenkte sehr gerne - besonders das an dem ich selber hing. Während ich unsere Möbel baute, wir alle miteinander Spielzeug bastelten und Teddys nähten, freuten wir uns ganz doll auf unser Baby. Im Laufe der Zeit tat ich alles um zuhause Geld zu verdienen. Nähte Damen-u. Herrenkleidung für Körperbehinderte, züchtete kleine Leoparden für die Arterhaltung; sammelte Hunde und Katzen die in Tierheimen getötet werden sollten und verkaufte sie gegen Schutzgebühr - in liebe Hände, sowie Ziegenkäse von eigenen Tieren. Strickte Puppen, baute Möbel, nähte Teddys und Klamotten für uns alle. Dafür brauchte ich Material. Deshalb sammelte ich  - obwohl es verboten war - heimlich die Altkleiderbeutel ein die meine Nachbarn vor ihre Haustüren stellten und nähte daraus alles was mein Haushalt und meine Familie so brauchte. Ob Junge oder Mädchen, ich lehrte meinen Kindern all das was ich konnte. Z.B. saßen sie ab vier Jahren an der el. Nähmachine. um zu lernen wie man damit umging nähten sie Zeitungspapier zusammen.   

 

Weil ich kaum Sicherheitsdenken entwickelt hatte probierte ich unvoreingenommen jede meiner sprudelnden Geschäftsideen aus und blieb dann bei den lukrativsten.


Im laufe der Jahre passte ich meine Einkommensquellen den sich verändernden Bedürfnissen meiner Kinder an: Mietete eine Wohnung die sich im desolaten Zustand befand. Richtete sie komplett mit gebrauchten und verschönerten Dingen ein und verkaufte sie sie so wie sie war, (mit Erlaubnis des Besitzers.) - Mietete eine ähnliche Wohnung, lebte vom Geld der vorigen und verkaufte auch die neue Wohnung nach etwa zwei Jahren mit gutem Gewinn. Auch verkaufte ich alten Granatschmuck und schmuggelte Antiquitäten über Landesgrenzen. Bemalte Fensterläden mit Bauernmalerei im Harz u.v.m. 

 

Mit 29 Jahren baute ich uns eine Gartenlaube aus ollen Holzpaletten und nahm zum ersten mal nach der von ihnen vermittelten Hochzeit Kontakt zu meinen Eltern auf. Als ich ihre Hilflosigkeit erkannte, taten sie mir so leid. Ich zog in ihre Nähe, bezahlte ihre hohen Schulden - und zog nach zwei Jahren  mit - einschließlich meiner kleinen Schwester - vier Kindern weiter.

 



Meine erste Freundin: Von allen Nachbarn hielt nur eine zu mir: Eine üppige Zigeunerin mit struppigem Haar um die dreißig vierzig, oder so..., mit nur einem Zahn im lachenden Mund die nie genau wusste wie viele Kinder sie gerade hatte. Sie war absolute Klasse. Wir beide standen einander so bei wie es sich für Menschen gehört. Ich lernte von ihr wie sich ihr Sohn schminkt und sein Geschlecht tarnt bevor er als spärlichst bekleidete Tänzerin in Bars auftrat, und das man stellenweise die Bretter aus dem Küchenfußboden reißen und verheizen kann, wenn das Geld nicht für Kohlen reicht. Unsere Kinder und Tiere waren unser Reichtum.   

Eines Tages hatten wir Grund jemanden zu verprügeln. Doch bei tiefster Dunkelheit stürzten wir uns aus versehen auf einen Einbrecher an den wir uns bei Helligkeit wegen seiner Größe niemals herangetraut hätten. Die Prügel die wir für den Pädophilen geplant hatten weil er versucht hatte sich an zwei meiner Töchter zu vergreifen, mussten wir auf den nächsten Tag verschieben. Doch am nächsten Morgen fanden wir ihn nicht. Später erfuhren wir das er sich in der Nacht erhängt hatte.  


Inzwischen hatte ich mich so weit entwickelt das ich überhaupt keine - bewussten - seelischen Altlasten mehr mit mir herumschleppte. Ich konnte jederzeit emotional unberührt über meine Vergangenheit reden als sei sie eine Einkaufsliste.


Ich lebte jetzt. Und ich konnte mich auf mich verlassen. Warum sollte ich mir Sorgen machen was mal irgendwann irgendwo war oder sein könnte. MIR WURDE BEWUSST DAS NUR DER MOMENT ZÄHLT. Das meine Lebenszeit das kostbarste überhaupt ist. Diese Erkenntnis habe ich bis heute nicht aus den Augen verloren und verschleudere sie bewusst nicht mit unnötigen  Lebenszeitfressern wie z.B. Menschen die immer nur jammern weil sie nicht erkennen wie gut es ihnen geht, allein schon weil sie leben.


Wenns mir mal wirklich schlecht ging, wählte ich den kürzesten Weg den es gibt: Den gedanklichen Weg zu meinem genetischen Vater. Er hat mir mein Leben geschenkt und seine Talente und ist dann gestorben ohne das wir einander kennenlernen durften. Auch jetzt erfüllt mich eine tiefes Gefühl für so unglaublich viel und stärkt mir den Rücken.

 


Vielseitige Talente. Meine Kinder wurden älter. Sie hatten Tiefen kennengelernt, und das man sie mit eigener Kraft überwinden kann.


Es wurde immer schwieriger für mich gleichzeitig Geld zu verdienen und sie gesund durch die Pubertät zu bringen. Außerdem wurde es Zeit das sie Selbstverantwortung lernten und was es bedeutet für sein Geld zu arbeiten. Darum lieh ich mir Mitte der Siebziger von anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Berlin, 90.000 DM. Ohne Zinsen und ohne Sicherheit! Dazu druckte mir eine jüd. Druckerei ein Jahr lang kostenlos alle im Hotel benötigten Drucksachen.  

Super! Ich büffelte Hotel- u. Personalführung, Lebensmittelvorschriften, lernte grundlegendes Englisch, Personalführumg und so viel mehr. Pachtete ein mittelgroßes Hotel im Schwarzwald, bemalte Sperrmüll-Möbel mit Bauernmalerei, stellte sie in Gästezimmer und managte das Haus mit Hilfe meiner Kinder und vielen Angestellten sechs sehr erfolgreiche und wunderschöne Jahre lang.  


Weil ich Menschen aller Fazetten liebe und täglich witzige Momente mit ihnen erlebte, erinnere ich mich besonders gern an diesen unglaublich amüsanten und arbeitsreichen Lebensabschnitt. Je höher die Anforderungen umso mehr machte es mir Spaß, so ist es heute noch. Rund 80 Gäste täglich. Oft auch weit über hundert. Menschen aller Nationen, Altersgruppen, Berufe Tag und Nacht erleben zu dürfen ist ein toller Gewinn. Große und kleine, mürrische, freundliche, eingebildete, natürliche. Müde, leise, mürrisch am Frühstückstisch, laut und fröhlich beim Abendbrot. Und all die vielen, vielen menschlichen Probleme die sie mir anvertrauten und wir dann manchmal auch gemeinsam lösen konnten. Wo viele Menschen sind, ist immerzu was unvorhergesehenes los. Absolut toll. Hier gehörte ich hin.   

 

Als sich bei drei meiner Kinder die Pubertät verstärkte, kam viel Extraarbeit auf mich zu und auch Sorgen um sie. Ihr oft leichtsinniges Verhalten führte dazu das ich dauernd unverhofft hinter ihnen herfahren musste um sie zu suchen. Mal fand ich sie nachts in Discos, mal bei irgendwelchen Freunden die ich nicht kannte.

Meine Zeit und Kraft reichte nicht aus für alle meine Aufgaben. Also schnappte ich mal wieder mein Kleinkind, den Affen, die Katze, das Meerschweinchen, das Kaninchen, die vielen Koffer, und - ach so ja - meine drei Jugendlichen - mietete zwischendurch mal wieder eine marode Wohnung, sanierte sie, gestaltete sie innen künstlerisch und richtete sie mit bemalten Möbeln aus Sperrmüll ein. Nachdem wir die Wohnung so zwei Jahre bewohnt hatten verkauften wir sie wieder mit allem Drum und Dran, mieteten eine andere, richteten sie wie die vorige ein, verkauften sie und auf zur nächsten... Es war eine spannende Zeit und Geld hatten wir auch mehr als genug.  

 

Angespornt durch meine Erfolge begann ich Mitte der Achtziger meine Grenzen zu erweitern und nahm mir vor mein erstes eigenes Haus - per Barzahlung - zu kaufen.



Mir war klar das mein prickelndes Gefühl vom Risiko ausgelöst wurde auf das ich mich einmal wieder einließ. Fifty-fifty das es klappte war mir genug.


Weil das Haus 120 Km.von uns entfernt war, ich die Kinder nicht alleine lassen wollte, ließ ich meine Besichtigung ausfallen. Also schickte ich dem Makler eine Vollmacht, überwies ihm den kompletten Kaufpreis und er kaufte das Haus für mich.  

Bei unserem Einzug einige Monate später, sahen wir es zum ersten mal. Meine Güte - das war spannend! Wie vermutet hatte der Makler zu seinem Gunsten übertrieben. Der Zustand des Hauses befand sich hart an der Schmerzgrenze des Machbaren. WAS für eine Herausforderung - ich war glücklich - und fing einfach irgendwo an. Sanierte, renovierte, gestaltete wie gewohnt. Lebte dort eine zeitlang und verkaufte es und zog mit allen Kindern, Tieren und Koffern weiter ins nächste desolate Domiziel.



Weil mir die normalen Ansprechpartner fehlten, war ich trotz all meiner  Erfahrungen in bezug auf alltägliche konventionelle Verhaltensmuster ziemlich weltfremd.

Mein Interesse drehte sich um drei Achsen:

.   Verantwortung und Fürsorge für meine Familie.

.   Geld verdienen.

 

.   Mein stetes dringendes Bedürfnis nach Kreativität stillen.

Diese drei Pfeiler bestimmten mein Leben.

Meine gedanklichen Kontakte zu meinem Vater, und auch meine Erfolge, hielten mein Selbstwertgefühl stabil. Und damit meine Lebensfreude, die mir widerum Kraft zum Durchhalten gab. 


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MEINE ERSTE LIEBE.

Ich war 49, meine vier Kinder waren junge Erwachsene. Für den Fall das sie alle wegen ihrer Studien das Haus verlassen würden, wollte ich es verkaufen und einige Jahre nach Südafrika gehen um dort bei der Aufzucht aussterbender Raubtiere zu helfen. Doch was stattdessen geschah, erscheint mir heute wie der Höhepunkt eines Filmes, denn mir begegnete das Wunder meiner ersten großen Liebe: Ein Witwer in Not rief zufällig an - HALLO! was für ein herzensguter Mensch - gleich am nächsten Morgen holte ich die beiden jüngsten Kinder in mein Haus und Wochen später wohnte auch "er" bei uns. Drei Monate danach war ich mit ihm und seinen fünf tollen Kindern verheiratet.


Das er zu meiner allergrößten Herausforderung werden würde, ahnte ich nicht, denn bei der Hochzeit hatte er mir das Kleid seiner gestorbenen Frau übergestülpt - und damit auch all ihre suchtbedingten Verhaltensweisen und all seine Ängste vor ihr.

Ein psychisch schwerverletztes Sensiebelchen mit Traumcharakter.

Ein Mann der weghüpfte wenn ich in seine Nähe kam.

Ein Mann der seine Lehre abbrechen musste weil er bereits mit 18 Jahren  zwei Kinder und Ehefrau versorgen musste.

Ein Mann der 30 Jahre lang - bis zu ihrem Tod - mit einer Alkoholikerin verheiratet war.


28 Jahre vergingen. Wir waren fröhlich und lachten sogar machmal miteinander, doch seine grundlegende Angst vor mir blieb. Er sah mich als Feindin. Jede meiner Versuche mit ihm darüber zu sprechen lösten Psychosen bei ihm aus oder Depressionen. Irgendwann versuchte er sich umzubringen - was bei mir Panikattakken auslöste. Beide landeten wir zur selben Zeit für fünf Monate in der Psychiatrie. Unter Anleitung der Ärzte lernte er mich so zu sehen wie ich bin.

28 Jahre mussten vergehen bis mein Mann ohne Angst vor mir in der Lage war mich so wahrzunehmen wie ich bin und mich herzlich und ohne Vorbehalte in den Arm nehmen konnte.
28 Jahre bis wir uns trauten einander zu vertrauen. 

Unser Neubeginn liegt nun zwei Jahre zurück. Unsere durchgehende starke Liebe zueinander hat alles getragen. Wir sind füreinander die große Liebe unseres Lebens. Nur das zählt.





 

Riskante Momente. Meine hoch belastete Kindheit und meine ersten traumatischen Gehversuche als junge Erwachsene - und darüber hinaus - haben kaum Spuren hinterlassen, weil ich immer wieder - selbst aus großem Schlamassel - als Siegerin hervorging.

Bis heute gräbt sich eine negative Erfahrung nur kurzfristig in meine Seele, und was selbst schwere Probleme angeht, so empfinde ich ich sie nach wie vor eher als Herausforderung denn als Krise.

Und Altlasten? - das ist Schnee von gestern.


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Meine hohe Stresslatte hat den Nachteil das ich eine Gefahr sehr spät erkenne. Dadurch begab ich mich oft in gefährliche Situationen.

 Ein paar Beispiele:

.   Weil ich kurzsichtig bin und keine Brille aufgesetzt hatte, dauerte es fast zu lange bis meine blinzelnden Augen erkannten das es sich etwa zwanzig Meter vor mir nicht um eine Schlägerei handelte, sondern das ich zufällig Zeugin eines Mordes wurde. (Ich wurde gesehen und tauchte eine Weile unter.)

.   Einige Monate half ich unter Lebensgefahr dem deutschen Staatsschutz (BRD) und konnte den Mord an einen Arzt verhindern. 

.   Weil ich nichts von ihm wissen wollte bedrohte mich monatelang ein Narzist mit Psychoterror. (Das war echt gruselig!) 

.   Weil ich nach meiner Scheidung von ihm nicht wieder zu ihm zurückkommen wollte, versuchte einer meiner Exmänner meine Kinder und mich in der Nacht mit Gas zu vergiften. Ich ahnte wohl etwas im Schlaf, denn ich wachte rechtzeitig auf. 

.   Einer meiner Ex-Männer stalkte mich drei Jahre lang. Selbst eine Gerichtsauflage hielt ihn nicht ab. Eines Tages siegte meine Wut über meine Angst. Ich lauerte nun ihm auf. Sprang vor, schubste ihn an die nächstbeste Hauswand und bedrohte ihn mit einem Küchenmesser... Diese Sprache verstand er - ich sah ihn niiiie wieder...  


Nachwort:

Ich müsste lange überlegen was ich noch nicht erlebt habe. Meine Güte, ich habe so viele fantastische Erinnerungen, habe so unglaublich viele unkonventionelle Erfahrungen gemacht. Hatte so tolle Begegnungen. Ich würde keine Sekunde löschen wenn ichs könnte! O, Mann... das Leben ist nach jedem überwundenen Tief so wunderbar LEICHT...


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Plötzlich wurde ich "eine Künstlerin".

Denn auf einmal nannte man das was ich schon immer machte, "Kunst".


Nach durchgehend 40 Jahren aktiver Mutterschaft, davon 30 als Alleinversorgerin, verließ unser letztes Kind das Haus. All die vielen Jahre hatte ich meine Kreativität nutzbringend  für die Familie eingesetzt, und nun hatte ich auf einmal Zeit für mich und begann schon einen Tag später das zu tun wovon ich immer heimlich geträumt hatte: Wie damals als Kind völlig unnütze Figuren zu formen...


Wie meistens wohnten wir einsam und hatten ein großes Grundstück. Das war nur gut so, denn schon nach wenigen Monaten standen mehr als hundert lebensgroße Figuren aus Holz und Beton herum. Einfach so. Die Zeit meiner absoluten Freiheit und Zufriedenheit begann, denn ich war endlich angekommen. Schrieb in kürzester Zeit ein erfolgreiches Buch über Katzen, malte ein Kinderbuch, wuselte durch mehrere Kunstbereiche hin und her und gleichzeitig. GELIEBTE FREIHEIT. 

 

 

 

 

 

Als Ende 1997 eine Frau, eine Kunstexpertin in unser Haus kam und all die bunten Möbel und Figuren und Bilder und Keramik - all die vielen, vielen Sachen aus Gebrauchtem sah, erfuhr ich zum ersten Mal das all das Kunst sei und ich somit eine Künstlerin. Diese Bezeichnung befremdet mich bis heute.


Na ja, jedenfalls war die fremde Frau keine geringere als Marianne Kühn, Witwe von Ministerpräsident Heinz Kühn, mit eigener Galerie in Köln. Zuerst "entdeckte" sie mich und bald darauf auch der ehem. Direktor der Kölner Städt. Museen, Günter Ott. Die beiden taten sich zusammen, - ich machte neugierig mit. Kunstexpertin M. Kühn war so begeistert das sie der Presse wörtlich sagte das ich "...eine der authentischen Naiven von denen es pro Jahrhundert höchstens einen gibt..."  sei. Sie lud 800 Personen aus Kunst, Politik und Wirtschaft in ihre Galerie ein. Es war meine erste Vernissage. Ich war 58 Jahre alt und hatte null Ahnung von all dem...


Knapp zwei Jahre später feierte ich einen privaten Geburtstag bei dem ich auch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau persönlich kennenlernte - ich durfte in viele gütige Herzen großartiger Persönlichkeiten beider Geschlechter schauen. WAS für eine schöne Erkenntnis! Trotzdem konnte ich mich nicht mit meiner Rolle identifizieren. 

 

Man machte mich international erfolgreich. Zuerst in Europa, dann in Amerika. Dieerste  Figur ging nach China... Ich hatte größte Chancen reich und berühmt zu werden. Was immer das bedeute ... Denn Reichtum macht nicht glücklicher, man kann sich nur mehr leisten.

Und irgendwann gewöhnt man sich daran - möchte mehr... läuft im Hamsterrad.


Wunderschöne Momente mit dir zugewandten Menschen sind deshalb nicht käuflich weil sie so kostbar sind das sie sich niemand leisten könnte.



  

Frau Kühn wurde meine Managerin, sie half mir wo sie konnte. Alles was mit der praktischen Umsetzung zu tun hatte, war mein Part. Um die wachsende Nachfrage von Sammlern und Museen im In- u. Ausland bedienen zu können, werkelte ich mit Hochdruck viele, viele einzigartige Exponate. Mein Traummann stemmte sich gegen mich - ich war ihm fremd... Also organisierte ich alleine. Holte Material, werkelte, telefonierte, führte Reisebusse voller Besucher durch unser 250 qm2 großes Haus, versorgte den Haushalt und die Tiere, katalogisierte, beantwortete haufenweise Fanpost - MIT DER HAND!! Stellte Exponate für gleichzeitig laufende Ausstellungen zusammen, bemalte Figuren, fotografierte jede, werkelte wieder neue - war auf Reisen - versorgte den Haushalt, und sägte mir mit der Kreissäge in vier meiner Fingerkuppen. Später geriet die laufende Handbohrmaschine so nahe an mein Chirt das sie sich fest einwickelte und mir vier Vorderzähne ausschlug.



 Ich bin wie ich bin.

Sechs Jahre lang funktionierte ich. Ließ mich treiben von einem "Erfolg" zum Nächsten. Dann hörte ich endlich meiner inneren Stimme zu und mir wurde klar, das mein Mann und ich zu imaterialistisch sind um all den Stress auf uns zu nehmen. Je länger ich darüber nachdachte umso mehr kam es mir vor als wenn ich etwas anhatte das alle - außer mir - toll fanden.


Als mein Lieblingsmann kurz darauf schwer Herzkrank wurde, ließ ich die bestehenden Ausstellungen auslaufen, nahm keine neuen mehr an, und zog mich aus der Öffentlichkeit zurück. Kurz danach verkauften wir unser großes Haus und zogen hier her.

Natürlich ist auch dieses Haus ein authentisches Gesamtkunstwerk. Genau so vielseitig und ausdrucksstark wie meine Biografie. 

 

Meine Werke entstehen spontan. Weil sich jedes Motiv gleich nach Arbeitsbeginn verselbstständigt kann ich weder fremde noch eigene Ideen kopieren. Also viel Bauch - wenig Hirn, hihi...

Kein Geld, kein Ruhm bewegt mich emotional so sehr wie das Umsetzen meiner Einfälle. Dann lebe ich in meiner Welt. Darum ist jedes Werk ein Medium um mir ins Herz zu sehen. Intimer kann weder Verbal - noch Körpersprache sein.    

 

Ich hinterfrage und annalysiere gerne, gehe nach wie vor selektiv mit  meiner Lebenszeit um,bin stets bereit für neue Aufgaben, oder stoße welche an. Bei ärgerlichen Sachen warte ich nicht bis sie mich belasten, sondern erledige sie sofort. Ich finde das es meistens nur unsere BEWERTUNGEN sind die uns stressen. Und der Druck der Gesellschaft. Und unser eigenes Klischeedenken...     

 

Obwohl ich keine Angst vorm Sterben habe, finde ich es aber trotzdem ziemlich schade das es so sein muss. Na gut, wenns dann so weit ist, - was noch lange dauern wird, weil Gott, mein Vater, bestimmt keine Lust auf Möbel aus Sperrmüll-Fragmenten im Disneylook im Himmel hat - und mich deswegen noch ein zwei Jahrzehnte übersieht. Bis dahin genieße ich jeden Tag. Wenn`s dann aber DOCH so weit sein sollte - dann werde ich mich in seine Arme werfen und mich glücklich lächelnd bei ihm für seine großzügige Gastfreundschaft auf Erden bedanken.

Und für den guten Deal

Denn nach meiner Kosten-Nutzen-Rechnung ist leben zu dürfen das allerbeste Geschäft meines Lebens, denn ich war jeden Tag im Plus - ich merkte es meistens erst im Rückblick.


Ohne Glücksträhne wäre ich nie geboren, warum sollte sie mich denn nach meinem Tod verlassen? 


Meine Grundstimmung? - GELIEBTES LEBEN!!!

Zukunftsangst? - JA, - habe ich, ... wenn ich mir vorstelle das es plötzlich kein Recyclingmaterial mehr gäbe ... (-:

Einen Wunsch?  - JA, - das Putzen müsste abgeschafft werden. Ich finde das es zu den unnötigen Lebenszeitfressern gehört. Wir müssten nur alle die gesellschaftliche Schmutzgrenze erhöhen - und schon brauchten wir nur noch einmal monatlich zu putzen.  

Meine Beziehung zu Geld? Ich habe so viel wie ich brauche - und ich brauche so viel wie ich habe. Also reicht es immer. 

Was man ändern sollte: Es wäre schön wenn Kriege von den Regierenden ausgefochten werden. Wie 20 Km Dauerlauf miteinander

Was ich überwiegend fühle?

Mein Leben ist so schön das ich zu nichts anderem mehr komme!  

Ach ja... gute Musik ist für mich Leben - Liebe - und Leidenschaft pur ...


Eine meiner Blitzzeichnungen - auf einem abgerissenen Blatt eines Notizblockes.  Gehirn abschalten, einfach tun - und dann  wundern.  Meine Interpretation: Spiegelbild meiner engen Symbiose Mensch-Tier-Pflanze =LEBEN.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Monster Mammi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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